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Weltweit Vier Stunden Leiden
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16:06 29.08.2013
Die Aussiedler verlassen den Hunsrück gen Brasilien in einer Szene des Kinofilms "Die andere Heimat" (undatierte Filmszene). Quelle: Concorde Filmverleih 2013/Christian Lüdeke
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Venedig

Der deutsche Regisseur Edgar Reitz hat beim Filmfestival Venedig einen weiteren Teil seiner «Heimat»-Reihe vorgestellt. In «Die andere Heimat - Chronik einer Sehnsucht» rückt er zwei Brüder aus dem 19. Jahrhundert in den Mittelpunkt, die angesichts der harten und ärmlichen Lebensbedingungen auf dem Land davon träumen, nach Südamerika auszuwandern. Damit knüpft Reitz an seine berühmte und mehrfach ausgezeichnete «Heimat»-Trilogie an, in der er ebenfalls von einer Familie im Hunsrück erzählte.

Auch dieses Mal legt der in Rheinland-Pfalz geborene Regisseur eine fiktive Geschichte vor, die jedoch von tatsächlichen historischen Ereignissen und Begebenheiten berichtet - in diesem Fall vom Exodus deutscher Bauern.

Das Werk läuft beim Festival außer Konkurrenz.  "Heimat ist ein typisch deutsches Wort", stellte der 80-jährige Reitz am Donnerstag anlässlich der Premiere des Films in Venedig fest. Denn dieser Begriff, den es nicht in jeder Sprache gebe, enthalte auch stets etwas Melancholie sowie ein Element des Verlustes. «Heimat ist etwas, das wir hinter uns lassen, wenn wir uns entwickeln, das ist die Welt der Kindheit.» Das könne man auch in der heutigen globalisierten Welt nicht ersetzen. «Dieser Verlust ist natürlich.» 

In seinem aktuellen, knapp vierstündigen Schwarz-Weiß-Film verbinden seine Protagonisten mit ihrer Heimat vor allem eine harsche Realität: Armut, Hunger, Ungerechtigkeit, Herrschaft des Adels - sie müssen viel Leid ertragen. Vor allem der junge Jakob sehnt sich nach einem anderen Leben. Er vertieft sich am liebsten in Bücher über Urwaldindianer und hofft auf ein Zusammentreffen mit dieser fremden Kultur. Doch in seinem fest in gesellschaftlichen und familiären Konventionen verankerten Alltag scheint das fast unerreichbar.

"Nach Beendigung dieser Arbeit, die fast vier Jahre erforderte und mich ebenso wie das Team und die Darsteller auf eine Reise in ein anderes, gar nicht so fernes und doch so vergessenes bitterarmes Deutschland führte, erfasst mich unendliche Dankbarkeit dafür, in einer Zeit leben zu dürfen, in der Freiheit und Lebensfreude selbstverständliche Forderungen aller geworden sind", hatte Reitz in einem vorab veröffentlichten Statement erklärt. "Es ist kaum vorstellbar, dass die Menschen in unserem Land noch vor weniger als 150 Jahren ein Leben führen mussten, das heute auf dem ganzen Globus kaum noch Parallelen findet."

dpa

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