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Weltweit Violinwettbewerb beginnt am Wochenende
Nachrichten Kultur Weltweit Violinwettbewerb beginnt am Wochenende
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22:51 22.09.2009
Von Jutta Rinas
Am Sonnabend beginnt der Internationale
 Violinwettbewerb.
Am Sonnabend beginnt der Internationale
 Violinwettbewerb. Quelle: Martin Steiner
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Eigentlich hatte Jung Yoon Yang nur ein Problem mit der Nackenmuskulatur. Die heute 23-jährige Koreanerin aus Seoul hielt den Kopf als kleines Kind immer etwas schief. „Fang an, Geige zu spielen, das stärkt die Muskeln am Hals“, habe man ihr im Krankenhaus nach einer Untersuchung geraten“, erzählt die junge Frau im Joseph-Joachim-Saal in der Stiftung Niedersachsen. Ihre damaligen Ärzte halfen der kleinen Patientin nicht nur mit medizinischem Rat, sie halfen auch dabei, dass sich ein ganz herausragendes Geigentalent entwickeln konnte. Schon als 19-Jährige gewann Jung Yoon Yang den Violinwettbewerb in Sion in der Schweiz, dazu kamen Auszeichnungen bei anderen Wettbewerben.

Nun wird die Studentin von Krystzof Wegrzyn an der Musikhochschule Hannover beim hiesigen Internationalen Joseph-Joachim-Wettbewerb zu hören sein – gemeinsam mit drei anderen Geigern aus Wegrzyns Klasse. Yang – und das ist etwas Besonderes – hat sich in diesem Jahr schon zum zweiten Mal für den Wettbewerb qualifiziert. Aus 129 Bewerbern wurde sie 2009 als eine von 35 Endrundenteilnehmern ausgewählt. Beim Wettbewerb 2006 war die damals gerade 20-Jährige ins Semifinale gekommen.

Warum nimmt die Koreanerin noch einmal teil? „Damals wusste ich noch nicht, wie so ein großer Wettbewerb läuft, wie man sich am besten darauf vorbereitet“, sagt Yang. Trotzdem sei es eine gute Erfahrung gewesen, daran teilzunehmen. Die Studentin aus Hannover gerät ins Schwärmen, wenn sie über das hiesige Publikum spricht. Man könne es vor so viel sachkundigen, aufmerksamen und begeistert mitfiebernden Zuhörern richtig genießen, hier zu spielen, selbst wenn man noch so nervös sei.

Yang, deren Eltern mit Musik beruflich nichts zu tun haben, war mit sieben Jahren als Jungstudentin an die Korean National University of Arts gekommen. Sie wurde sofort von einer der renommiertesten Violinlehrerinnen Südkoreas, von Nam Yun Kim, unterrichtet. Dabei hatte sie – so sagt sie es bescheiden – die Aufnahmeprüfung an dem Institut nur gemacht, weil sie mit ihrer besten Freundin zusammen sein wollte. Obwohl sie sich anfangs mit dem Üben schwertat – und auch heute „nicht mehr als fünf Stunden schafft“ – will Yang nun das Geigespielen zu ihrem Beruf machen.

Es sei gar nicht so wichtig, wie viel man übt, sagt sie. Beim Wettbewerb 2006 habe sie Probleme mit ihrem Arm gehabt, weil sie falsch geübt habe. Diesmal werde sie die Vorbereitung nicht übertreiben und zwischendurch auch mal spazieren gehen, um den Kopf frei zu kriegen und über die Musik und die richtige Geigentechnik nachzudenken. „Ich konzentriere mich auf die elementaren Dinge, den Klang, die Intonation“, sagt Jung Yoon Yang.

Die Französin Solenne Païdassi, ebenfalls Studentin von Krzysztof Wegrzyn an der hiesigen Hochschule, nimmt in diesem Jahr zum ersten Mal am Internationalen Violinwettbewerb teil. „Ich muss von meiner Wohnung aus nur über die Straße gehen, um hinzukommen, ich könnte im Pyjama gehen“, sagt sie lachend auf die Frage, warum sie sich für diesen Wettbewerb entschieden hat.

Was so scherzhaft klingt, hat aber durchaus ernste Hintergründe. Es gehöre zum „Heimvorteil“, dass sie nicht – wie andere von weit her gereiste Teilnehmer – in der ersten Runde noch unter Jetlag leiden werde, sagt die 24-Jährige. Sie könne sich in Ruhe in ihren eigenen vier Wänden auf den Wettbewerb vorbereiten und sei nicht auf die Übezellen in der Musikhochschule angewiesen.

Solenne Païdassi kennt die Bühne und die Akustik im Theatersaal in der Musikhochschule gut. Außerdem werden Freunde im Publikum sitzen und sie unterstützen, sagt sie. Apropos Freunde. Ist es kein Nachteil, in Hannover gegen andere hannoversche Studenten antreten zu müssen? Immerhin gehören vier Geiger aus Païdassis Klasse zu den Endrundenteilnehmern des Violinwettbewerbs.

„Es ist sowieso ein kleiner Kreis von Geigern, der sich überall auf der Welt immer wieder bei Wettbewerben trifft“, sagt die Französin. „Man kennt sich, man ist befreundet.“ Sie ist trotz ihres jungen Alters schon sehr wettbewerbserfahren und hat unter anderem Preise in der Schweiz, in Polen, in Korea und in der Ukraine gewonnen. Im April dieses Jahres erspielte sie sich beim Wettbewerb des Deutschen Musikinstrumentenfonds eine wertvolle Violine von Lorenzo Ventapane von 1795 aus Neapel – natürlich nicht für immer, solche Instrumente werden nur für einen gewissen Zeitraum verliehen. Ihrer Mitstudentin Jung Yoon Yang ist Païdassi erst kürzlich in Brüssel beim „Königin-Elisabeth-Wettbewerb“ begegnet. Beide Geigerinnen kamen ins Semifinale.

„Natürlich will ich immer gewinnen“, sagt die Geigerin, streicht die blonden Haare zurück und lacht ihr offenes Lächeln. Aber sie wisse auch, dass es bei jedem Wettbewerb viel gebe, das sie nicht kontrollieren könne: die Zusammensetzung der Jury, die Stimmung auf dem Wettbewerb, die eigene Tagesform.

Mit Preisgeldern von insgesamt 140.000 Euro gilt der Violinwettbewerb in Hannover als der höchstdotierte der Welt. 50.000 Euro erhält allein der Erstplatzierte. Das ist viel, aber nicht der einzige Grund, sich dort anzumelden. „Geld ist natürlich auch wichtig“, sagt Solenne Païdassi – und erzählt von 2007, dem bisher erfolgreichsten Jahr ihrer Karriere. Da hat sie Preise bei drei Wettbewerben in zwei Monaten gewonnen: „Von dem Geld konnte ich eine Zeitlang leben.“

Viel wichtiger seien aber die Konzerte, die zum Beispiel in Hannover mit den Preisen verbunden seien, solo oder mit international hochrangigen Orchestern und Ensembles: „Das ist das Entscheidende für uns Geiger, denn das ist unser Beruf“, sagt sie. „Wir brauchen die Chance, Konzerte zu geben und vor Publikum zu spielen.“

Der internationale Violinwettbewerb...

...findet vom 26. September bis zum 10. Oktober in Hannover statt. 35 junge Geigerinnen und Geiger aus 17 Ländern haben sich zur Teilnahme qualifiziert. Im Eröffnungskonzert am 26. September spielt die Siegerin des Wettbewerbs von 2006, Suyoen Kim, gemeinsam mit dem Niedersächsischen Staatsorchester das Violinkonzert von Alexander Glasunow. Die Vorrunden dauern vom 27. September bis zum 2. Oktober, danach folgt vom 3. bis zum 5. Oktober das Semifinale mit zwölf Teilnehmern. Im Finale am 8. und 9. Oktober spielen dann noch sechs Musiker um den ersten Preis. Alle Veranstaltungen sind öffentlich, Karten und Infos unter (05 11) 16 84 12 22.

Mehr Infos unter:www.violin-wettbewerb.de