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Weltweit Wanda - neues Album übertrifft vorherige Alben
Nachrichten Kultur Weltweit Wanda - neues Album übertrifft vorherige Alben
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19:06 29.09.2019
Die Mitglieder der Band Wanda, Lukas Hasitschka, Marco Michael Wanda (eigentlich Michael Marco Fitzthum), Manuel Christoph Poppe, Christian Hummer und Reinhold Weber. Quelle: Fabian Nitschmann/dpa
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Wahrscheinlich könnte man mit Marco Michael Wanda auch eine halbe Stunde oder länger ausschließlich über das Rauchen sprechen. Wanda qualmt mit Inbrunst. Er hockt mit Gitarrist Manuel Christoph Poppe (unauffälligeres Rauchverhalten) im Posh Teckel, einer für die Öffentlichkeit noch geschlossenen Kneipe in Berlin-Kreuzberg, am mittelfrühen Nachmittag, etwas unschlüssig in der Übergangsphase von Schorle zu Bier – und Wanda raucht praktisch ohne Pause.

„In Wien erreicht uns das Rauchverbot jetzt auch“, sagt der vor 32 Jahren als Michael Marco Fitzthum in Wien geborene Musiker mit großer Lakonie, so als ob ihn das nicht betreffe. „Mir ist das wurscht. Es gibt ja noch Straßen und Wohnungen.“ Rauchen sei einfach etwas, das passiert. Die Kreuzberger Pinte ist bestens darauf eingestellt.D

Die Beatles schwingen immer mit

Die beiden Musiker sind mit ihrer 2012 in Wien gegründeten Band und den bisherigen drei Alben „Amore“ (2014), „Bussi“ (2015) und „Niente“ (2017) so ziemlich das beste, was dem hiesigen Rock ’n’ Roll in den letzten Jahren passiert ist. Die Wanda-Männer (insgesamt ist die Band zu fünft) sind hier, um über ihr neues Album „Ciao!“ zu berichten, das ihr bisher abwechslungs- und reichhaltigstes geworden ist.

Wie immer produziert von Paul Gallister, widmen sich Wanda nach der Durchschnauf- und Kindheitsverarbeitungsplatte „Niente“ nun wieder ganz dem Rock ’n’ Roll, und das gelingt ihnen so glaubwürdig, beseelt und selbstverständlich wie derzeit wohl keiner anderen Band im deutschsprachigen Raum. Wer stets mitschwingt in einem Wanda-Stück: John, Paul, George und Ringo. „Ohne die Beatles gäbe es uns nicht, das ist ganz klar“, sagt Marco Wanda. „Die Beatles sind die beste Band aller Zeiten. Ich habe sie seit meiner Kindheit sehr oft gehört und tue das bis heute. Dieser Anziehungskraft kann ich gar nicht entkommen.“

Die Wiener mögen eine Band sein, die den Geist der Sechziger aufleben lässt, Sehnsucht nach der guten alten Zeit verspüren sie aber nicht. Wanda: „Ich wünsche mir keine Welt herbei. Ich lebe sehr gerne heute und finde diese Zeiten, ob ich will oder nicht, interessant. Ich glaube nicht an irgendein Utopia.“

„Fragen Menschen nicht nach Parteibuch".

Im Song „Der Erste, der aufwacht“ singt Marco Wanda, es sei „spannend, dass diese Welt noch steht“. Ein bemerkenswerter Satz von einer Band, die bislang nicht durch politische Inhalte hervorgetreten war. Wie sie das meint? Versöhnlich. „Uns wird permanent eingeredet, dass die Straßen eigentlich brennen müssten, weil der Graben zwischen links und rechts so groß geworden ist. Aber zeigt mir doch mal, wo diese Gesellschaft eigentlich gespalten ist. Denn ich sehe das nicht“, sagt Wanda. „Ich stehe vor Tausenden von Menschen, die sich in den Armen liegen, lachen und weinen. Mich würde es brennend interessieren, wo dieses Verlangen nach dystopischen Zuständen eigentlich herkommt.“

„Bevor es die Band gab, habe ich mehr vegetiert als gelebt“

Marco Wanda

Das Gerede vom Auseinanderdriften der Welt hält der Wiener für einen Schmarrn. „Nur: Wenn man das allen zu lange einredet, kann es eine selbsterfüllende Prophezeiung werden. Ich finde das lähmend und gefährlich.“ Wanda-Konzerte seien große, hippie-mäßige Umarmungsorgien. „Wir fragen die Menschen nicht nach ihrem Parteibuch. Zu uns darf jeder kommen, und ich glaube, dass sich Menschen mit unterschiedlichen Denk- und Lebensweisen bei uns einfinden. Das ist auch gut so.“

Früher lebten sie im Kneipensumpf

Wanda bestellt ein Helles und geht austreten, Poppe kommt nun auch mal zu Wort. Er berichtet, dass man das neue Album anders aufgenommen habe als die bisherigen, komprimierter und schneller, in einem kleinen Ort an der österreichisch-tschechischen Grenze. In den Pausen habe man mit den Jungs aus dem Dorf Fußball gespielt. Wusste man gar nicht, dass diese Burschen, die sich quasi gegenseitig aus dem Wiener Kneipensumpf gezogen haben („Bevor es die Band gab, habe ich mehr vegetiert als gelebt“, sagt Wanda), so sportlich sind.

„Wir leben mittlerweile gesünder“, sagt Wanda. „Ich habe nicht mehr die Kraft, mich besinnungslos zu trinken.“ Beim Schreiben der neuen Lieder habe er sich regelrecht diszipliniert – bis auf sein Hauptlaster, versteht sich. „Was ich brauche, um kreativ zu sein? Nur eine verstimmte Gitarre und einen großen Aschenbecher. Innerhalb von drei Wochen hatte ich die Lieder geschrieben, in gut einer Woche haben wir alles aufgenommen. Irgendwie ist da ein geistiger Durchbruch passiert.“

Der Sänger glaubt, dass die relative Ruhe nach den rasanten Anfangsjahren der Band gutgetan habe. „Es war wichtig, dass wir mit ‚Niente‘ Tempo rausnahmen. Hätten wir in der Geschwindigkeit wie am Anfang weiter getourt und diese Energie auf die Spitze getrieben, wäre irgendwann einer von uns tot umgefallen.“

Diese Sorge hatte man 2015, 2016, als Wanda mit „Amore“ und „Bussi“ einen echten Orkan im musikalisch angestaubten Österreich entfachten, noch nicht. „Das waren wilde Jahre. Alles ging so schnell. Am Anfang kamen zehn Leute, dann 100, dann 10 000. Was wir in den vergangenen fünf Jahren erlebt haben, war schlicht der Wahnsinn. Ich bin wahrhaftig stolz auf diese Band.“

„Ciao!“ ist nicht nur wie immer ein italienischer Titel, sondern auch ein mehrdeutiger. Das Wörtchen kann „Hallo“ heißen, aber auch „Tschüss“. Und auf dem Albumcover winkt die Truppe fröhlich von einem Schiff. Dass sich Wanda jedoch aus dem Staub machen, steht eher nicht zu befürchten. Marco Michael Wanda: „Wir gehen nicht weg. Wir hoffen, dass der Abschied noch fern ist. Ich würde gerne so lange, wie es geht Rock ’n’ Roll mit dieser Band machen.“

Von Steffen Rüth/RND

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