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Weltweit „Warhol wollte ihn kennen lernen“
Nachrichten Kultur Weltweit „Warhol wollte ihn kennen lernen“
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18:59 23.05.2012
Cheyenne Westphal,  Chefin für zeitgenössische Kunst bei Sotheby’s Europe.
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Berlin

Wieso hatte das Auktionshaus Sotheby’s das Vergnügen, die Sachs-Kollektion zur Auktion zu bringen? War Sachs zu Lebzeiten Sotheby’s Kunde?

Herr Sachs hat sich intensiv mit dem Sammeln und der Kunstwelt beschäftigt. Er war uns gut bekannt und hatte zu unserer Firma enge Verbindungen. Sein Sohn Rolf lebt in London, ich kenne ihn persönlich.

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Was waren die Spitzenstücke?

Es gab ganz viele Werke von Andy Warhol, aus einem sehr wichtigen Abschnitt. Warhol und Sachs lernten sich 1967 in Cannes bei den Filmfestspielen kennen. Damals war Gunter Sachs mit Brigitte Bardot verheiratet, sie waren das couple du jour. Warhol wollte das Paar unbedingt kennenlernen. Aus dem Treffen erwuchs eine echte Freundschaft. Gunter Sachs flog nach New York. 1971 eröffnete er seine Hamburger Galerie mit Werken von Warhol. Die Ausstellung war nicht sehr erfolgreich, deswegen erwarb Gunter Sachs den Großteil selbst. Es sind wundervolle Arbeiten, Porträts der Bardot, von Herrn Sachs, Blumen, der Draculakuss.

Siebdrucke von seiner Frau Brigitte orderte der Industriellensohn bei seinem Freund Warhol. Persönliche Kontakte pflegte er aber auch zu Altmeistern wie René Magritte oder Salvador Dalí. Welcher Typ von Kunstsammler war Sachs?

Er war einfach sehr früh dabei. Er zog schon in den fünfziger Jahren nach Paris. In der Bar La Coupole lernte er über Cécar auch Arman und Yves Klein kennen. Als Yves Klein jung verstarb, bereitete Gunter Sachs für ihn die Totenfeier vor. Zu Künstlern der älteren Generation wie Salvador Dalí oder Jean Fautrier bekam er über einen Kunsthändler Kontakt. Auch mit diesen Künstlern war er befreundet. Es war für ihn eine Freude und Bereicherung, mit Künstlern zusammen zu sein. Er konnte Kunstwerke früh aussuchen, besaß ein gutes Auge und Mut.

Bei Vorbesichtigungen fand sich viel Prominenz ein, Hochadel, Leute aus der Kunst- und Filmbranche. Wie gestaltete sich das Interesse?

Ja, es kamen viele frühere Freunde von ihm. In Deutschland überwiegt das Interesse an der Person Gunter Sachs, in New York interessiert man sich stärker für die Kunst, ist erstaunt über die Fülle großer Werke von Warhol, Wesselmann, Lichtenstein.

In den 60er und 70er Jahre war Sachs der Prototyp des Gentleman-Playboy. Man sagte ihm eine Liaison mit der persischen Exkaiserin nach und er heiratete eine „Sexikone“. Er war zudem Bobfahrer, Fotograf, Filmer und Astrologieforscher. Er führte ein wildes Leben – und fand ein dramatisches Ende. Er erschoss sich im Vorjahr, weil er fürchtete, an Alzheimer erkrankt zu sein. Wie hoch ist im Auktionsgeschäft die Story hinter einer Sammlung einzuschätzen?

Das ist sicherlich sehr wichtig. Bei Herrn Sachs kommt dazu, dass wir eine weitgehend geschlossene Sammlung aus verschiedenen Lebensphasen vorliegen haben, aus den Pariser Jahren und später aus St. Moritz, wo er sich mit Pop Art umgeben hat. Dorthin hat er Künstler eingeladen, um mit ihnen zu feiern. Dazu haben wir von der Familie auch wunderbares Bildmaterial bekommen, Fotografien und alte Filme. Das alles ist sehr wichtig für eine Auktion, denn es gibt ein authentisches Gefühl wieder.

Zur Person:

Cheyenne Westphal ist als Chefin für zeitgenössische Kunst eine der wichtigsten Expertinnen bei Sotheby’s Europe. Mit Lucian Freud ging sie frühstücken, Gerhard Richter trifft sie zum Dinner. Damien Hirst ist ein Freund. Die Apothekerstochter aus Baden-Baden wurde 1967 geboren. Sie studierte Englisch und Kunstgeschichte an der schottischen Universität St. Andrews.

Interview: Johanna Di Blasi

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