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Weltweit „Wir haben uns die Freiheit genommen“
Nachrichten Kultur Weltweit „Wir haben uns die Freiheit genommen“
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21:03 05.05.2013
Von Daniel Alexander Schacht
Bevor die Maske fällt: Robespierre und die Vertreterdes Ancien Régime (Hagen Oechel,  Sarah Franke, Oscar Olivo; von rechts), vor dem Königspaar im Glashaus(Lisa Natalie Arnold, Andreas Schlager; von rechts). Quelle: Katrin Ribbe
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Hannover

Verschwörerisch flüstern rotbemützte Jakobiner mit blau-weiß-roter Kokarde dem Publikum zu, wie in Paris Weltgeschichte geschrieben wird. Nur die Gesichter von roten Leuchtstäben erhellt, dringen die Sansculotten in den vollbesetzten Zuschauerraum vor. Und dessen Dunkel verwandelt ihr anschwellender Sprechchor in das der Nacht des 14. Juli 1789, als das Volk die Bastille stürmt. „Eine Revolte?“, fragt Louis XVI. in Versailles. „Eine Revolution“, sagt sein Minister Jacques Necker – und gemeinsam mit Königin Marie Antoinette scheinen sie am Bühnenhintergrund im Dunkel der Geschichte zu versinken.

Der Sturm auf die Bastille löst schon im ersten Drittel der Inszenierung den ersten Sturm des Beifalls in diesem an starken Szenen nicht armen „Projekt“ aus. So nennt Regisseur Tom Kühnel vorsichtig seine Annäherung an „Die französische Revolution. Büchner, Heine, Dumas usw.“. So ist dieses Theaterereignis auf den Tickets ausgewiesen. Tatsächlich hat sich das Ensemble weitgehend von literarischen Vorlagen befreit und dem historischen Stoff selbst zugewandt. Der allerdings hat es in sich. Weshalb das Vorhaben, ihn binnen drei Stunden einschließlich Pause auf der Bühne abzuhandeln, Respekt verdient.

Immerhin geht’s hier nicht um dramatische Nöte Einzelner, sondern um ein Massenereignis von epischen Dimensionen. Die Revolution mag heute entrückt erscheinen – doch ihre Losung „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ wirft weiter Fragen auf, die nicht „born to die“ sind: Kann es Brüderlichkeit nur unter Gleichen geben? Schließen Gleichheit und Freiheit einander aus? Ist erst ganz frei, wer sich auch die Freiheit zum Terror nimmt? Wie macht man Philosophie zum Gegenstand von Theater, ohne ein dürres Thesenstück auf die Bühne zu bringen? Kühnel nutzt dazu – außer der raffinierten Bühnenkonstruktion (Jo Schramm) und plakativen Kostümen (Ulrike Gutbrod), die die Mode des Ancien Régime in überbreiten Rockschößen parodieren — vor allem die Spiellust der acht Schauspieler, die in Dutzende Rollen schlüpfen. Für sie werden die Konflikte dramatisch zugespitzt. Etwa zwischen dem schwachen König Louis XVI. (stark gespielt von Andreas Schlager), Necker (Daniel Nerlich) und Marie Antoinette (Lisa Natalie Arnold, die die royalistisch-blasierte Pose ebenso gut trifft wie später die der Geschichtsdeuterin).

Zwischen Saint Just (Sarah Franke als eiskalter Todesengel) und Marat (Oscar Olivo, stilecht nach dem Porträt von Jacques-Louis David in der Badewanne, in der er später erstochen wird). Und natürlich zwischen Danton (Sebastian Schindegger, der mit burleskem Charme auch eine Bäuerin gibt) und Robespierre (Hagen Oechel), den selbst ernannten Sachwaltern der Revolution. Sie bespielen eine Bühne, die ein Glaskasten ausfüllt. Der vertieft mal den darauf projizierten Spiegelsaal von Versailles, mal vervielfältigen seine Spiegelungen das Figurenarsenal. Er ist der Ort der Reichen, den die Armen stürmen. Oder durch den hindurch Stroboskopblitze und Soundstakkato dem Publikum die Not am Vorabend der Revolution einhämmern. Denn da, genauer: bei der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, die, pardon!, der französischen Revolution vorausgeht, beginnt dieser Theaterabend – mit der US-Hymne und einem starken Schattenspiel vorm Sternenbanner.

Aber ganz verlässt sich Kühnel weder auf solche Szenen noch aufs Vorwissen des Publikums. Die Inszenierung soll ja auch Schüler erreichen. Daher springen die Schauspieler immer wieder aus den Rollen, referieren oder deuten Geschichtsfakten. Weitere Aktualisierungen gefällig? Wenn Marie Antoinette für die Monarchie die Merkel-Vokabel „alternativlos“ wählt, ist das noch ganz witzig. Dass Robespierre zunächst mit Occupy-Maske auftritt, ist dagegen ebenso verzichtbar wie der Vergleich seines Fundamentalismus mit dem heutiger Islamisten. „Born to die“? Wie radikal lebendig die Revolutionsziele noch sind, fällt da leicht hinten runter: Die Bindung der Macht ans Gesetz, gleiches Wahlrecht und, ja, auch der Kampf um das Eigentumsrecht und die Geschlechtergleichheit kommen damals schon aufs Tapet.

Doch im Ballhof geht es nach der Pause vor allem um den Konflikt von Robespierre und Danton. „Wir haben uns die Freiheit genommen, um sie den Sklaven zu geben“, sagt der. „Mein Mitleid mit den Unterdrückten verbietet es mir, Mitleid mit den Unterdrückern zu haben“, verkündet Robespierre, während die Revolutionäre längst Köpfe rollen lassen. Aber auch hier gelingen noch starke Szenen: Eine Figurengruppe mit Toga, Tunika und Lorbeerkranz deutet am Ende darauf hin, dass auf den „Terreur“ statt Freiheit nur eine neue Diktatur folgt, nämlich die Napoleons, der sich als Kaiser mit antikem Ambiente umgibt. Und während im Vordergrund Danton stirbt, zitiert hinten, durchs Glashaus entrückt, Robespierre die Worte Bertolt Brechts: „Ändere die Welt, sie braucht es!“ Sechsmal klatscht danach ein begeistertes Ballhof-Publikum das Ensemble wieder vor die Rampe – die Premierenfeier beginnt schon vor offener Bühne.

Nächste Termine: 15./16. Mai, 4./5. Juni, jeweils 19.30 Uhr im Ballhof, Ballhofstraße 5. Tickets unter (0511) 99 99 11 11.

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