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Weltweit Wohin mit der Münzsammlung?
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17:48 03.02.2014
Von Ronald Meyer-Arlt
Besitzer gesucht: Münzen im Museum August Kestner. Quelle: Surrey
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Hannover

Vor fast 25 Jahren hat die Bundesrepublik Deutschland die „Washingtoner Erklärung“ unterzeichnet. Damit hat sich das Land verpflichtet, Kulturgut, das im Nationalsozialismus enteignet wurde und sich jetzt im Besitz des Landes befindet, an die rechtmäßigen Besitzer oder ihre Erben zurückzugeben.

Dazu muss aber erstmal herausgefunden werden, welche Werke wem auf welche Weise genommen worden sind. Das zu untersuchen ist Aufgabe der Provenienzforschung. Auch in Hannover wird geforscht. Seit 2008 untersucht hier die Kunstwissenschaftlerin Annette Baumann den Gesamtbestand an Kunstwerken, der sich im Besitz der Stadt befindet.

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Dabei ist sie fündig geworden. Ein Ergebnis ihrer Recherche: Die Münzsammlung des Arztes Dr. Albert David aus Großburgwedel – die auch in der gerade eröffneten Ausstellung „Bürgerschätze“ im Museum August Kestner zu sehen ist – ist unrechtmäßig in den Besitz der Stadt gelangt. Im Frühjahr 1938 wurde die Sammlung, in der sich viele wertvolle Goldmünzen befinden, beschlagnahmt. Sie kam in die städtische Pfandleihanstalt und wurde später zur Aufbewahrung ins Museum August Kestner gebracht, 1942 erwarb sie das Museum vom Reich. Albert David beging im Mai 1940 Selbstmord. Er starb kinderlos.

Was soll die Stadt Hannover, die nachweislich nicht rechtmäßig in den Besitz der Sammlung gelangte, nun mit den Münzen tun? Der Fall wird öffentlich gemacht. Außerdem soll die Münzsammlung in das „Lost Art“-Register der Koordinierungsstelle für Kulturgüterverluste eingetragen werden. So hofft man, die rechtmäßigen Erben Davids ausfindig machen zu können.

Gelegentlich hat es die hannoversche Provenienzforscherin auch mit Anfragen von Rechtsanwälten zu tun. Mit sechs Anfragen nach Kulturgütern, die möglicherweise unrechtmäßig in städtischen Besitz gelangt sind, hat sich Annette Baumann seit 2008 auseinandergesetzt. Bei drei Werken, einer Zeichnung von Paul Klee, einer Zeichnung von Ernst Ludwig Kirchner und einem Gemälde von Georg Waldmüller, konnte sie nachweisen, dass die Rückgabeforderungen unbegründet sind. Die Arbeit von Paul Klee beispielsweise stammt aus dem Bestand des Kunstsammlers Alfred Flechtheim. Baumann forschte und fand heraus, dass der Künstler dem Sammler das Werk nur leihweise zur Verfügung gestellt hatte. Da Paul Klee über alle seine Werke Buch geführt hatte, konnte man feststellen, dass „ein NS-Verfolgungsbezug“ – so Hannovers Kulturdezernentin Marlis Drevermann – nicht gegeben war. Das Bild kann also im Sprengel Museum bleiben.

Zwei weitere Anfragen von Rechtsanwälten wurden ebenfalls abgelehnt. Bei drei Anfragen konnte der Sachverhalt noch nicht geklärt werden. Hier muss weiter geforscht werden. Was oft nicht ganz einfach ist. Viel Archivmaterial ist in Deutschland im Zweiten Weltkrieg zerstört worden, in Hannover kam noch die Überschwemmung des Stadtarchivs im Jahr 1946 hinzu.

Oft hilft die Kooperation mit anderen Museen. So arbeiten 15 Museen, darunter auch das Sprengel Museum, bei der Erforschung von Bildern aus der Sammlung des Kunsthändlers Alfred Flechtheim zusammen. Am 11. Oktober wird im Sprengel Museum eine Kabinettausstellung zur Berliner Galerie Flechtheim eröffnet. Andere Museen wiederum können von Forschungen in Hannover profitieren. Im Zentrum der Forschungen von Annette Baumann stehen Werke aus dem Besitz des Kunstsammlers Conrad Doebbeke. 120 Werke der Klassischen Moderne aus der Sammlung befinden sich heute im Sprengel Museum und im Landesmuseum.

Die Forschungen zu dieser Sammlung sind noch nicht abgeschlossen. Im kommenden Jahr soll eine Publikation mit den bisherigen Ergebnissen erscheinen.

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