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Kultur Viola Wilmsen im Rausch der Oboe
Nachrichten Kultur Viola Wilmsen im Rausch der Oboe
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05:00 23.10.2018
Die Oboistin Viola Wilmsen im Zusammenspiel mit drei Streichern. Quelle: Michael Schäfer
Göttingen

Selbstbewusst, durchsetzungsfähig und eigenständig mit nasalem Klang: Die Oboe hat als Soloinstrument ganz eigene Reize. Am Sonntag stand das Instrument im Mittelpunkt des zweiten Aulakonzerts der Saison der Göttinger Kammermusikgesellschaft in der Aula der Universität am Wilhelmsplatz. Wilmsen stellte die Vielseitigkeit dieses Instruments im Zusammenspiel mit drei Streichern vor. Die Solo-Oboistin des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin präsentierte Werke aus unterschiedlichen Epochen: der Klassik und des 20. Jahrhunderts.

Mit einem Werk von Wolfgang Amadeus Mozart begann der Abend festlich: Im Quartett F-Dur KV 370 spielte die Oboistin ihr Instrument tänzerisch heiter und zeigte im Adagio, welch tiefe Melancholie man mit der Oboe ausdrücken kann. Ihr zur Seite saßen die Violinistin Antje Weithaas, Danusha Waskiewicz an der Viola und der Cellist Maximilian Hornung. Oboe und Violine spielten in diesem Stück auf Augenhöhe und wechselten sich immer wieder mit den Soli ab.

Ein typischer Beethoven

Nettes Kleinod oder großes Werk? Das fragte man sich vor dem anschließenden Trio c-Moll für Violine, Viola und Cello von Ludwig van Beethoven. Doch schon die ersten Töne zeigten: Dies ist ein typischer Beethoven: ernst im Duktus und mit großer emotionaler Tiefe. Die drei Streicher zeigten schnell die Größe, die in diesem facettenreichen Werke steckt. Das Trio konnte leise, fragend und zärtlich agieren. Es gab Momente mit körperlich spürbarer Härte. Selbst dem Scherzo gaben die Musiker aufrüttelnde Dramatik. Dabei begeisterte insbesondere die Violinistin mit feinfühlig-nuanciertem Spiel und strahlend hellem Ton. Ein erster Glanzpunkt des Abends.

Nach der Pause gab es eine stilistische und geografische Zäsur: Werke englischer Komponisten des 20. Jahrhunderts standen jetzt auf dem Programm. Den Anfang machte eine Art Instrumenten-Einführung, die zeigte, was die Oboe alles kann. Wilmsen brillierte in den „Sechs Metamorphosen nach Ovid für Solo-Oboe“ von Benjamin Britten (1913-1976). Den sechs Miniaturen, die nach Figuren der griechischen Mythologie benannt sind, verlieht die Instrumentalistin eine individuelle Eigenständigkeit. Mal erinnerte ihr Spiel an eine Panflöte, dann wirkte es wie ein wilder Ritt oder eine sprudelnde Quelle. Die Virtuosin spielte mit ungestümen Läufen augenzwinkernd und ironisch oder rief in den tiefen Lagen Schwermut hervor. Der Intention des Komponisten folgend, reizte Wilmsen die Dynamik und Klangvielfalt der Oboe voll aus. Beeindruckend.

Fantasie spielen lassen

Einen ganz anderen Britten erlebten die Zuhörer beim „Phantasie Quartet“ aus dem Jahr 1932. Dem Titel entsprechend hat der Komponist hier tatsächlich seine Fantasie spielen lassen: Am Anfang spielten die Streicher Muster, die wie eine Vorwegnahme der Minimal Music wirkten. Die Oboe setzte sich klanglich darüber. Bei diesem noch immer modern wirkenden Werk, agierten alle vier Instrumente gleichberechtigt. So konnten auch die Bratschistin und der Cellist eigene Akzente setzen. Gemeinsam stießen die Musiker bei diesem inspirierenden Werk fast bis an Grenze des Atonalen vor. Kaum zu glauben, dass dieses Werk erst das Opus 2 des Komponisten ist.

Ein spannender Vergleich bot sich zum Abschluss: Ebenfalls ein „Fantasy Quartet“ für die gleiche Besetzung von einem englischen Komponisten – Ernest John Moeran (1894-1950). In den acht ineinander übergehenden Sätzen des Werkes wechselten Lyrismen mit abstrakten Passagen, suchende Momente mit energetischen Ausbrüchen. Dabei blitzte die Oboe immer wieder aus dem Gesamtklang heraus.

Voller erhabener Schönheit

Für den langanhaltenden Applaus vom Publikum bedankten sich die Instrumentalisten mit dem Werk eines weiteren englischen Komponisten: des Barockmeisters Henry Purcell. Seine „Music for a while“ ist voller erhabener Schönheit und war ein würdiger Ausklang eines großartigen Kammerkonzerts.

Das nächste Aulakonzert am Sonntag, 18. November, in der Aula der Universität am Wilhelmsplatz beginnt um 19.45 Uhr. Auf dem Programm stehen Streichquartette mit dem Aris Quartett. Karten gibt es in den Tageblatt-Geschäftsstellen, Weender Straße 44 in Göttingen und Marktstraße 9 in Duderstadt.

Von Udo Hinz

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