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Medien & TV 15 Jahre „Zimmer frei!“ - und noch immer keinen Mitbewohner gefunden
Nachrichten Medien & TV 15 Jahre „Zimmer frei!“ - und noch immer keinen Mitbewohner gefunden
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19:32 24.03.2011
Von Wiebke Ramm
Götz Alsmann und Christine Westermann laden potenzielle Mitbewohner in ihre WDR-WG ein. (Archivbild) Quelle: dpa
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Dass eine erfolglose Suche so unterhaltsam sein kann, haben sie selbst wohl am wenigsten gedacht. Seit 15 Jahren scheitern Götz Alsmann und Christine Westermann Sonntag für Sonntag daran, einen Mitbewohner zu finden. Dabei sollte „Zimmer frei!“ nur ein Pausenfüller in der WDR-Sommerzeit sein. Aber daraus wurde nichts. Die Einschaltquoten waren zu gut, die Suche geht weiter, immer weiter.

Rainer Langhans, der Vater aller Wohngemeinschaften, hat sogar das RTL-Dschungelcamp der WDR-WG vorgezogen. Warum er das tat, ist leicht zu erklären. Der ersten WG Deutschlands, der Kommune 1 in Berlin, ist es Anfang 1967 um nichts weniger gegangen als um die „völlige Ausrottung der Institution Familie“. Langhans und Dieter Kunzelmann sagten der kleinbürgerlichen Biederkeit den Kampf an: kein Privatbesitz, keine Privatsphäre, freie Sexualität. Damals war das Rebellion, heute ist das RTL-Dschungelcamp. Selbst Langhans scheint das so zu sehen.

In den siebziger Jahren antwortete der Staat mit einer Kartei beim Bundeskriminalamt. Wohngemeinschaften galten als möglicher Unterschlupf linksextremer Terroristen und standen unter Beobachtung. Heute werden nur noch die wenigsten unruhig, wenn in ihrem Haus Menschen, die weder miteinander verheiratet noch verwandt sind, in einer Wohnung zusammenleben. WGs zahlen pünktlich die Miete, trennen den Müll und gießen die Pflanzen auf dem Balkon.

Wohngemeinschaften sind längst gesellschaftsfähig geworden. Die WDR-Show „Zimmer frei!“ ist der beste Beweis dafür. Das anarchistische Element der Sendung besteht darin, dass sich Nachttalker Jürgen Domian zum Clown machen muss – inklusive riesiger Brille und roter Nase – und Gäste und Moderatorin zum Singen gezwungen werden, obwohl sie es weder können noch wollen. Politik spielt keine Rolle mehr. Politisch aktiv müssen Mitbewohner nicht mehr sein, bloß einigermaßen schamfrei.

Eines jedoch ist geblieben, wie es immer war. Das Zentrum der WG-Kultur ist die Küche. Solange dort noch Weinflaschen geleert, Nächte durchdiskutiert und „Keine Macht für niemand“-Poster an Wände gehängt werden, lebt die Grundidee der WG fort.

Auch Alsmann und Westermann bitten ihren Gast immer erst an den Küchentisch, den sie – das allerdings ist überaus realitätsfern – mit allem gedeckt haben, was sich der Bewerber gewünscht hat.

Danach wird’s albern. Bilderrätsel, Wettrennen mit Sektglas im Mund oder Riesensushi auf dem Kopf, Westermanns Versuch eines ernsthaften Gesprächs, das regelmäßig im alsmannschen Chaos untergeht, Plauderei mit einem bissigen Stoffhund – und schließlich die „ultimative Lobhudelei“ eines guten Freundes. Manchmal birgt das Überraschungen. So weiß der WDR-Gucker zum Beispiel, dass Oliver Pocher ein enger Freund von Domian ist.

Danach gibt es die rote oder die grüne Karte vom Saalpublikum. Grün heißt: Einziehen! Es ist die meistgezeigte Karte in der Sendung, eingezogen ist trotzdem noch nie jemand. Jürgen Domian, Inga Humpe und Guido Westerwelle nicht. Maren Kroymann, Reiner Calmund und Campino auch nicht.

Frank Elstner, Barbara Schöneberger und Alfons Schuhbeck dürfen es sich zum WG-Geburtstag nun noch ein zweites Mal überlegen. Das Ergebnis zeigt der WDR an den kommenden drei Sonntagen jeweils ab 22.15 Uhr. Schon jetzt steht fest: Die Suche geht weiter.

Dabei ist der Titel der Sendung eigentlich eine Lüge. Das Zimmer ist gar nicht frei. Es gehört Chorkönig Gotthilf Fischer, der – so geht die Legende – in den ersten Sendungen durch die Welt und über sie hinaus reiste. In der 18. Sendung, die eigentlich die letzte sein sollte, hatte er das Zimmer qua Reise nach Jerusalem gewonnen. Doch die Sendung lief weiter, und immer, wenn er an der Tür klingelte, wimmelte Alsmann ihn ab. Irgendwann klingelte Fischer nicht mehr – und die Sendung kann ins 16. Jahr gehen.

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