Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Medien & TV 50 Jahre Sportstudio
Nachrichten Medien & TV 50 Jahre Sportstudio
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:26 10.08.2013
 Rekord-Moderator Dieter Kürten posierte am Samstag anlässlich des Jubiläums vor der traditionellen Torwand. Quelle: dpa
Anzeige
Mainz

Drei unten, drei oben - das Torwandschießen ist und bleibt das unverwechselbare Erkennungszeichen des „Aktuellen Sportstudios“. Auch beim 50. Geburtstag des TV-Klassikers spielte die 2,70 Meter breite und 1,83 Meter hohe Wand mit den zwei Löchern eine wichtige Rolle. Das ZDF hat zur leicht vorgezogenen Jubiläumssendung am kommenden Samstag (10. August) um 22 Uhr die Rekordschützen eingeladen - das erste Sportstudio flimmerte zur Geburtsstunde der Fußball-Bundesliga am 24. August 1963 in Schwarz-Weiß über den Bildschirm, moderiert vom Österreicher Heribert Meisel und noch ohne Torwand.

„Wir planen zum Auftakt der neuen Bundesliga-Saison eine Mischung aus aktueller Berichterstattung und Rückblick“, erläuterte Sportschau-Leiter Oliver Schmidt die zweistündige Jubiläumsausgabe im Vorfeld. Das Moderatoren-Trio mit Katrin Müller-Hohenstein, Sven Voss und Michael Steinbrecher, der sich nach 21 Jahren aus der Riege ausklingt, erwarteten viele bekannte Gratulanten. An der Spitze „Kaiser“ Franz Beckenbauer, ohnehin der häufigste Gast im Sportstudio, sowie Rekord-Moderator Dieter Kürten.

Seine erste Sendung im Oktober 1967 hat der 78-Jährige nicht vergessen. „Es war ein Sprung ins kalte Wasser, ohne Probe. Wir haben um eine halbe Stunde überzogen“, berichtete Kürten. Das Privileg des Überziehens hat sich das „Aktuelle Sportstudio“ als ein Format aus Information, Unterhaltung und journalistischer Qualität erworben. „Wir verstehen uns auch weiterhin als eine Institution für seriösen Sportjournalismus, das gelegentliche Augenzwinkern eingeschlossen“, sagte ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz.

An die Höhepunkte aus fünf Jahrzehnten können sich vor allem die älteren TV-Zuschauer erinnern. Etwa an das „Interview“ von Moderator Rainer Günzler mit dem beharrlich schweigenden Boxer Norbert Grupe alias Prinz von Homburg, an den Affen, der der Frau von Tarzan-Darsteller Johnny Weissmüller die Perücke vom Kopf riss oder an den Reit-Versuch des schwergewichtigen Moderators Wim Thoelke auf dem Dressurpferd Antoinette. Legendär sind der Schalke 05-Versprecher von Carmen Thomas, Beckenbauers Kunstschuss von einem Weizenbier-Glas oder die gelben Pullover von Harry Valérien („Sappradi Bursch“), der auch mal aus dem Tauchbecken moderierte.

Prominente Sportler wie Muhammad Ali, Max Schmeling oder Pelé, Künstler, Schauspieler, Politiker oder Königin Silvia von Schweden traten in der Sendung auf. Allerdings hat sich die Gesellschaft und die Medienwelt in den vergangenen Jahren stark verändert. Wenn früher ein Bundesliga-Profi am Nachmittag drei Tore in einem Spiel erzielte, war es klar, dass er am Abend im Sportstudio aktuell darüber berichtete. Das ist heutzutage fast unmöglich. „Die Termine mit Spielern und Trainern müssen mit ihren Beratern ein oder zwei Wochen vorher abgestimmt werden“, berichtete Gruschwitz.

„Heute schränken Rechte, Minutenpreise und Drehauflagen den einst ungehinderten Zugriff auf das weltweite Sportleben ein“, ergänzte ZDF-Chefredakteur Peter Frey. Er verteidigte die bei vielen Sportfans umstrittene Sendezeit 23 Uhr, die seit 2010 gilt und auch in Zukunft beibehalten werden soll. „Das ist eine späte, aber verlässliche Startzeit, die die Zuschauerzahlen stabilisiert und die Marktanteile, gerade bei den Jungen, erhöht hat“, argumentierte Frey. Allerdings sinkt die Quote, vor allem bei zeitgleichen Box-Übertragungen in der ARD oder bei RTL, oftmals unter die Zwei-Millionen-Grenze.

Vom Profi-Boxen hat sich das ZDF verabschiedet, das „Aktuelle Sportstudio“ bleibt. Die Uhr und die von Max Greger komponierte Titelmelodie haben die fünf Jahrzehnte unverändert überstanden. Wann genau die Torwand erstmals zum Einsatz kam - vermutlich 1964 - lässt sich in den Archiven nicht ergründen. Als das ZDF das beliebte Requisit einmal abschaffen wollte, hatte der Sender die Rechnung ohne die Zuschauer gemacht. „Die Leute haben sich gebärdet, als hätte man einem Kind das Spielzeug weggenommen. Das Telefon hat nicht stillgestanden. Nach ein paar Wochen haben wir dann das Ding wieder hingestellt“, berichtete Kürten.

Acht Fußballer, darunter Günter Netzer, haben bisher fünf Treffer an der Torwand erzielt. In diesem Jahrtausend ist das aber noch keinem gelungen. Auf den ersten Sechser warten die Sportstudio-Macher seit 50 Jahren. Vielleicht klappt es ja am Samstag, wenn im Foyer des Studio 3 auf dem Mainzer Lerchenberg die Rekordschützen Maß nehmen.

dpa

Fressnapf, Schlafplatz, Fernbedienung: Des Menschen geliebte Glotze strahlt in den USA nun auch ein Programm für Hunde aus – mit allem, was Bellos Herz begehrt. Bald könnte Gassigehen Nebensache werden.

10.08.2013
Medien & TV Kritik an „Sportschau“-Werbung - Skinheads und Neandertaler

Die „Sportschau“ irritiert zum Saisonstart der Fußball-Bundesliga mit einem merkwürdigen Plakatmotiv. Es ist nicht das erste Mal, dass eine Werbekampagne für die ARD-Sendung auf Unverständnis stößt.

Karsten Röhrbein 10.08.2013
Medien & TV Gerd Ruge wird 85 - Ruge bewahren

Zuhören, Zeit haben, auf Knalleffekte verzichten: Ein Reporter wie Gerd Ruge wirkt heute wie aus der Zeit gefallen. Dabei würde ein wenig von seiner Gelassenheit der Branche so gut tun. Eine Würdigung zum 85. Geburtstag der nuschelnden Reporterlegende.

Imre Grimm 09.08.2013