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Medien & TV ARD zeigt Film über frühere Treuhand-Chefin Breuel
Nachrichten Medien & TV ARD zeigt Film über frühere Treuhand-Chefin Breuel
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20:49 18.11.2009
Von Klaus Wallbaum
Gelächelt hat sie selten: Birgit Breuel, gespielt von Johanna Christina Gehlen, ließ sich auch in bewegten Zeiten ihre Ruhe nicht nehmen. Quelle: ARD
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Als Birgit Breuel Ministerin in Niedersachsen war, übrigens als einzige Frau am Kabinettstisch, kursierte über sie ein Spruch: Das ist der einzige Mann in der Regierung.

Die Bemerkung hatte damals schon einen doppelten Sinn – einerseits Respekt vor der Härte und Hartnäckigkeit dieser Politikerin, andererseits Verwunderung über ihre Unerbittlichkeit, die von vielen als „unweiblich“ angesehen wurde. War Birgit Breuel also ein Mensch frei von Emotionen?

Der Film von Horst Königstein und Jan Bonny belegt eindrucksvoll das Gegenteil. Diese Frau ist durch und durch Mensch, und sie hat unter schweren Schicksalsschlägen gelitten, zumeist für die Außenwelt unsichtbar. Um sich herum hatte sie einen Panzer gebildet, Fragen nach dem Privatleben blieben für Journalisten und Mitarbeiter tabu. Die persönlichen Niederlagen sah man ihr nicht an, man sollte sie auch nicht sehen. Schon die Großmutter hatte solche ehernen Maßstäbe vermittelt, und ein dickes schweres „Lebensbuch“ zeugt von dieser Zeit. Es wird von Breuel gepflegt als Andenken an die alte Tradition der Familie. Von ihrem Vater Alwin Münchmeyer, dem Bankier, hatte sie die strengen Verhaltensregeln übernommen: Sich nie unterkriegen lassen, nie Schwächen zeigen und von sich selbst wie auch von anderen immer viel zu verlangen. „Er hat nie gelobt, immer gefordert, aber er war sehr liebevoll“, sagt Birgit Breuel über ihren Vater.

Das war wohl für diejenigen genauso, die Breuel später als Chefin erleben oder erdulden mussten. Ihr damaliger Büroleiter im hannoverschen Finanzministerium, Ernst Hüdepohl, berichtet, dass er oft schon morgens um 7.30 Uhr Arbeitsaufträge auf dem Schreibtisch vorfand, dass manche Anweisungen streng oder schroff klangen. Eine „innerliche Hab-achtstellung“ habe er damals jeden Tag eingenommen. Aber Hüdepohl meint rückblickend, Breuel sei „die beste Chefin aller Zeiten“ gewesen. Der Mann arbeitet heute für Niedersachsens Ministerpräsidenten Christian Wulff.

Zu Breuels Eigenarten zählte ihre ständige Unaufgeregtheit, auch in für sie bewegten Zeiten. Als 1983 das Imperium des Bankiers Münchmeyer zusammenbrach, als das Vermögen eines seiner Söhne gepfändet wurde und Birgit Breuel selbst ihr Erbe verlor, wurde darüber zu Hause nicht gesprochen. „Man steckt es weg“, sagt sie knapp dazu, ihr Vater habe damals „damit abgeschlossen“. Als 1990 Birgit Breuels eigener Sohn an Krebs stirbt, lässt sie sich nichts anmerken. „Jeder rang mit der Fassung“, sagt Birgit Breuels Mann über das Familienleben in jener Zeit. Es ist das Jahr, in dem sie zur Treuhandanstalt geht und bald, nach der Ermordung von Detlev-Karsten Rohwedder, deren Leitung übernimmt. Birgit Breuel muss 8400 volkseigene Betriebe in die freie Marktwirtschaft überführen – Massenentlassungen waren unvermeidlich. Die Chefin der Treuhandanstalt sah keine Alternative – und erledigte ihre Aufgabe, weil sie nicht geliebt werden, sondern das Richtige tun wollte. Der Panzer um sie herum wurde dicker, und er wurde materiell in Gestalt von Panzerglas, Personenschützern und Sicherheitsplänen.

Bald wurde sie, die mit Treuhand-Problemen überschüttet worden war und keine Zeit zur Trauer um ihren Sohn hatte, zur bestgehassten Person in den neuen Ländern. Wie hat sie das verändert? „Bis 1989 war meine Frau eine zupackende, selbstsichere und fröhliche Person“, sagt Ehemann Ernst Breuel rückblickend, danach habe sie „nicht mal mehr gelächelt“. Den Filmautoren gelingt es in der Mischung aus Spielfilmszenen und Interviews mit ihr und mit ihren Mitarbeitern, einen Einblick in das Innere dieser Frau zu gewähren. Ein Psychogramm der Politikerin, die vielleicht den bisher härtesten Job in Deutschland schlechthin hatte – und die ihre Verletzlichkeit immer versteckt hatte.

Ob sie manchmal nicht mehr in den Spiegel schauen wollte? Ja, sagt sie, „mit Sicherheit“. Sie sei in die Arbeitswelt geflüchtet, „möglichst Tag und Nacht“, und es sei ihr manchmal vorgekommen „wie die Fahrt im Zug durch die schwarze Nacht“. Sie klingt mit dieser Aussage im Interview so, als bereue sie heute ihre damalige Entscheidung, sich zur Ablenkung in den Beruf gestürzt zu haben. Vielleicht hat sie auch deshalb viel später, nach ihrer im Herbst 2000 beendeten Arbeit als Expo-Chefin, tatsächlich den endgültigen Abschied ins Privatleben eingeleitet – und auch gefunden, prinzipientreu wie von ihr bekannt. „Ich habe viele Menschen erlebt, die zu viel am Rad gedreht hatten und nicht mehr zu Ruhe gekommen sind. Ich wollte irgendwann meinen Freiraum haben und nicht mehr Getriebene sein“, sagt Breuel im Interview. Und heute, sagt ihr Ehemann, lächelt sie auch wieder.

„Die Treuhänderin“ | ARD
Starkes Psychogramm einer Politikerin
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