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Medien & TV Der Sandmann wird 50 Jahre alt
Nachrichten Medien & TV Der Sandmann wird 50 Jahre alt
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16:48 16.11.2009
Der Sandmann Quelle: ddp
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Es ist ein magischer Moment. Eine Szene, der auch Zuschauer entgegenfiebern, die eigentlich zu alt sind, um sich Sand in die Augen streuen zu lassen. Jedes Mal, bevor sich Deutschlands beliebtester Zipfelmützenträger vom Bildschirm verabschiedet, wirft er eine Handvoll Traumsand in die Luft. Es ist nicht irgendein Sand. Er rieselt wie Schnee zu Boden. Es funkelt und glitzert. Erwachsene lieben diesen Moment vermutlich noch mehr als Kinder. Er erinnert sie an die Zeit, als sie voller Erwartung vor dem Fernseher saßen und sich die Augen zuhielten, sobald der Sandmann in seinen Sack griff.

Es ist jetzt genau 50 Jahre her, dass der Sandmann zum ersten Mal im DDR-Fernsehen auftrat. Und dass er jetzt im wiedervereinigten Deutschland mit viel Tam-tam seinen 50. Geburtstag feiert, das verdankt er auch dem Mann, der den berühmten Traumsand erfunden hat: Hans Joachim Konang. Der gelernte Elektriker kam Anfang der sechziger Jahre als Kameramann zur Deutschen Film AG (DEFA), die die Gutenachtgeschichten mit dem Sandmann drehte. Seine Kollegen hatten bis dahin schon mit allen möglichen Materialien experimentiert. Mit Sand oder mit Mehl. Ja, sogar mit Rauch.

Der wurde durch einen Schlauch gepustet, dem man dem Sandmännchen durch den Ärmel geschoben hatte. Eine tückische Lösung. „Das ganze Team musste husten“, erinnert sich Konang. Auch die anderen Materialien stellten die Kameramänner vor ein Problem. „Mal glitzerte es, mal nicht. Oder wir hatten Reflexe an der falschen Stelle.“ Ende der sechziger Jahre kam dem Vater einer kleinen Tochter die rettende Idee. „Im Studio stand säckeweise so ein Glimmerzeug, das die Dekorateure benutzen, um den Schnee zum Glitzern zu bringen“, sagt er. Das streute er auf eine gläserne Scheibe und leuchtete es an. Der Effekt war verblüffend. Die winzigen Scheiben reflektierten das Licht in alle Richtungen. „Man konnte gut mit verschiedenen Lichtfarben experimentieren.“

Kurze Zeit später sollte dieser Effekt auch die Zuschauer verzaubern. Im Oktober 1969 wurde in der DDR das Farbfernsehen eingeführt. Seither beginnt die Nacht für Millionen Kinder mit einem Goldstaubregen. Für Hans Joachim Konang fing die Arbeit jetzt erst richtig an. Er musste diesen Effekt nachträglich in alle bis dahin schon abgedrehten Sandmännchen-Filme hinprojizieren. Eine Strafarbeit, sogar für ihn. Wenn ihn die Trickfilmerei eines gelehrt hatte, dann war es Geduld. Noch heute entstehen die Sandmann-Filme im sogenannten Stop-Motion-Verfahren: In jeder Filmsekunde stecken 25 Einzelbilder. So oft muss der Sandmann, ein in Schaumstoff gekleidetes Stahlskelett mit Kugelgelenken, per Hand bewegt werden. Die Kulissen werden inzwischen immer häufiger mit dem Computer animiert. Und für einen Film, der 2010 ins Kino kommt, hat das neue Team um den Trickfilmer Tilmann Kohlhaase dem Sandmann sogar Mimik und Sprache verpasst. Trotzdem brauchen sie auch heute immer noch zwei bis drei Wochen für einen zweieinhalbminütigen Film. Inzwischen hat es der Sandmann zum Popidol gebracht. Einer, der gute Manieren hat, aber auch mal stolpern darf. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Bloß die Geschichten, die er mitbringt, sind mit der Zeit gegangen.

Sie erzählen von „Molly Monster“ oder von „Kalli“, einem kleinen Jungen, der nicht schlafen kann. Ihre Darsteller dürfen selber die Welt erkunden. Kreativität geht vor Disziplin. Vorbei die Zeit, da Frau Puppendoktor Pille ihre Patienten ermahnte, ja gerade zu sitzen. Spätestens seit den siebziger Jahren leuchtete der Stern des Sandmannes auch über den Kinderbetten des Klassenfeindes im Westen. Der Ost-Sandmann hatte es auf seiner Reise um die Welt bis ins All geschafft. 1978 begleitete er Sigmund Jähn, den ersten deutschen Kosmonauten in den Orbit. Ein genialer PR-Gag, von dem heute keiner mehr genau weiß, wer ihn sich ausgedacht hat: die Regierung oder die Redaktion. Spätestens jetzt war der Ost-Sandmann als Sieger aus dem Wettlauf gegen den West-Sandmann hervorgegangen.

Hans Joachim Konang kennt den Schöpfer des BRD-Pendants persönlich: Herbert K. Schulz. Es ist ein ehemaliger Kollege, der in den Westen „rübergemacht“ hatte. Er sagt, der West-Sandmann sei eine Witzfigur gewesen. Lieblos animiert und billig produziert. Die Wolke, auf der in die Kinderzimmer schwebte, habe eher wie ein Knochen ausgesehen. „Knochen-Karl“ wurde er deshalb im DEFA-Studio in Mahlsdorf genannt. Er würde es nicht zugeben, aber es erfüllt ihn mit Stolz, dass heute der reanimierte Ost-Sandmann die Kinder in ganz Deutschland ins Bett bringen darf. Als in dem DEFA-Studio 1991 das Licht ausgeknipst wurde, ging er in den Ruhestand. Nur noch die Originalfigur eines Traumsandstreuers in seinem Wohnzimmerregal in Treptow erinnert heute noch an sein Geheimnis. Er hat es zu DDR-Zeiten gut bewahrt, was nicht ganz leicht war. Scharen von Kindern pilgerten nach Mahlsdorf. Damit sie dem Team bei den Dreharbeiten zuschauen konnten, hatte man eine gläserne Wand ins Studio eingezogen. Bloß die Szene mit dem Traumsand bekamen sie nie zu sehen. Konang sagt: „Wir wollten ihnen nicht die Illusion rauben.“

Von Antje Hildebrandt

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