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Medien & TV “Polizeiruf 110: Heimatliebe”: So ist der Western aus dem Osten
Nachrichten Medien & TV “Polizeiruf 110: Heimatliebe”: So ist der Western aus dem Osten
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18:04 22.08.2019
ARD/rbb POLIZEIRUF 110: HEIMATLIEBE, am Sonntag (25.08.19) um 20:15 Uhr im ERSTEN.Kriminalhauptkommissar Adam Raczek (Lucas Gregorowicz, r.) und ein Kollege sichern Spuren nach dem tödlichen Übergriff auf den polnischen Bauern Wojciech Sekula (Grzegorz Stosz, l.). Quelle: rbb/Oliver Feist
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Es mag ein Klischee sein. Aber folgt man ihm, dann hat die ostdeutsche Provinz nicht nur wunderschöne Landschaften zu bieten, sondern auch zuweilen einen Menschenschlag, dem man lieber aus dem Weg geht.

Gemeint sind engstirnige Provinzler, fremdenfeindliche Hinterwäldler und gewaltbereite Ewiggestrige, die dort ihr eigenes, sehr unschönes Süppchen kochen. Und dieses Klischee stand und steht gleich zweimal im Mittelpunkt zweier „Polizeiruf“-Folgen: Zuletzt vor zwei Wochen in dem Magdeburger Beitrag „Mörderische Dorfgemeinschaft“ und an diesem Sonntag in dem von Christian Bach inszenierten und geschriebenen Brandenburger Fall „Heimatliebe“, der allerdings vorwiegend auf der polnischen Seite der Grenze spielt – in einem Gebiet, das einst zu der preußischen Provinz Brandenburg gehörte. Eine Tatsache, die in diesem Film eine Rolle spielt.

Ein polnischer Bauer wird erst ruiniert, dann von Mordgesellen abserviert

Außerdem mag man es in dieser Region, die wie ein Westernszenario abgefilmt ist, offenbar ziemlich archaisch. So wird einem unliebsamen und tatsächlich unangenehmen Zeitgenossen als Warnung und Strafe erst ein Finger abgeschnitten und später dann sogar ein ganzes Ohr. Ein Stall eines kleinen polnischen Bauernhofes wird mitsamt der Tiere nachts abgefackelt. Und ein paar Tage darauf wird auch noch der Besitzer (Grzegorz Stosz) des Anwesens in der Nacht überfallen und totgeschlagen.

Fast zur gleichen Zeit nimmt auf der deutschen Seite ein preußischer Reichsbürger einen Gerichtsvollzieher als Geisel, der dessen Steuerschulden eintreiben will. Und erst der adlige Bürgermeister (Hanns Zischler) kann diesen bäuerlichen Querkopf zur Aufgabe bewegen. Wie er das genau schafft, bleibt lange Zeit ein Rätsel. Und auch wie der polnische und deutsche Fall zusammengehören, wird erst im Lauf des Films klar.

Olga Lenski: "Sollen sich die Idioten alleine abknallen."

Jedenfalls ist einiges los im eigentlich so idyllischen deutsch-polnischen Grenzgebiet. Und das länderübergreifende Kommissariat hat alle Hände voll zu tun, allen voran die deutsch-russische Kommissarin Olga Lenski (Maria Simon), die als alleinerziehende Mutter auch noch jede Menge privaten Stress hat. Auch mit ihrem polnischen Kollegen Adam Raczek (Lucas Gregorowicz), als sie mal wieder notgedrungen ihr kleines Kind mit ins Kommissariat bringt.

Und später ist sie dann von den selbsternannten und verfeindeten Vaterlandsverteidigern auf beiden Seiten der Grenze so genervt, dass sie resigniert feststellt: „Sollen sich die Idioten alleine abknallen.“ Eine zugegeben ungewöhnliche polizeiliche Problemlösung.

Doch natürlich geht es am Sonntag, 25. August, um 20.15 Uhr im Ersten krimigerecht vor allem um die Frage, wer den Bauern erschlagen hat. Er lebte mit seiner deutschen Frau (Anna König) und seinem 15-jährigen Sohn (Joshio Marlon) aus erster Ehe auf seinem kleinen Hof. Und war angeblich bereit, sein Land gegen eine erstaunlich hohe Summe an den vermeintlich polnischen Strohmann eines deutschen Agrarkonzerns zu verkaufen. Ganz zum Unwillen seines älteren Bruders (Marcin Pietowski), eines rechtsradikalen polnischen Nationalisten, der die Deutschen hasst. Was ihn dann schnell zum Hauptverdächtigen.

Nach alter Westernmanier nehmen hier viele Beteiligte das Gesetz selbst in de Hand

Allerdings sollen die Männer, die den Bauern totgeschlagen haben, nicht Polnisch gesprochen haben. Wer also sind die vermeintlich deutschen Totschläger und ihre mysteriösen Hintermänner? Auch die Witwe, die nie richtig in Polen angekommen ist, ist wegen der ihr bevorstehenden lukrativen Erbschaft irgendwie verdächtig.

Die nun folgenden spannend erzählten Ermittlungen erweisen sich jedenfalls als äußerst schwierig, auch weil keiner der Befragten bereit ist, ausführlich mit der Polizei zu reden, und so mancher von ihnen lieber die Dinge in diesem Eastern nach alter Westernart mit Flinte und Messer selber regeln will. Und nachdem die atmosphärisch sehr gut in Szene gesetzte Geschichte lange Zeit äußerst nebulös bleibt, nimmt sie in der letzten halben Stunde erstaunlich Fahrt auf. Auch die Auflösung des Falls ist überraschend und sagt viel über das angespannte Verhältnis zwischen Deutschen und Polen wohl nicht nur in dieser Grenzregion aus.

Jedenfalls sind am Schluss Lenski und Raczek sichtbar erleichtert, dass sie schließlich die grenzüberschreitenden „Idioten“ und ihre Hintermänner überführt haben. Und so rauchen die beiden Polizisten tatsächlich in ihrem Auto einen zuvor beschlagnahmten Joint. Man gönnt sich ja schließlich sonst nichts im Wilden Osten.

Lesen Sie auch: Polizeiruf 110“ heute am 11. August: Das kommt nach der Sommerpause

Von Ernst Corinth/RND

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