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Medien & TV „Ein gnadenloser Vorrang von Unterhaltung gegenüber allem und jedem"
Nachrichten Medien & TV „Ein gnadenloser Vorrang von Unterhaltung gegenüber allem und jedem"
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19:56 22.11.2011
Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hat ARD und ZDF für ihr Unterhaltungsprogramm während der Bundestagsdebatte über neonazistischen Terror kritisiert. Quelle: dpa
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Berlin

Während der Parlamentsdebatte über die Morde habe die ARD die Telenovela „Rote Rosen Folge 1152“ gesendet. „Das ZDF bringt „Volle Kanne“ und lässt sich auch nicht weiter irritieren“, meinte Lammert. „Ein gnadenloser Vorrang von Unterhaltung gegenüber allem und jedem.“

Nur bei Phoenix sei die Diskussion übertragen worden, sagte Lammert. Während die öffentlich-rechtlichen Sender im Hauptprogramm nur 26 Stunden Bundestagsdebatten pro Jahr zeigten, würden 1000 Stunden Talkshows gesendet. Die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten zögen sich von ihren Verpflichtungen zurück, um die Hauptprogramme für den Wettbewerb freizugeben.

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Lammert kritisierte journalistische Trends, nach denen Schnelligkeit vor Gründlichkeit gehe. Informationen würden immer öfter nicht mehr auf Richtigkeit geprüft. Bilder hätten Vorrang vor Texten. Knappe Botschaften und Schlagzeilen seien gefragt, nicht ausführliche Analysen.

Die Industriegewerkschaft Metall forderte eine Modernisierung der Aufsichtsgremien von ARD und ZDF. Wichtige Gruppen wie Migranten, Menschen mit Behinderungen oder einige Religionsgruppen würden ignoriert, sagte IG Metall-Chef Berthold Huber. “65 Jahre nach Gründung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks muss überprüft werden, ob die Zusammensetzung der Gremien die gesellschaftliche Realität tatsächlich noch abbildet.“ So habe der Bund der Vertriebenen seine Verdienste, aber daraus sei nicht abzuleiten, dass er heutzutage noch in ZDF-Fernsehrat sitzen müsse.

Der Preis - benannt nach dem Gewerkschafter und langjährigen IG Metall-Vorsitzenden Otto Brenner (1907-1972) - ist in diesem Jahr mit insgesamt 52 000 Euro dotiert. Es wurden 546 Bewerbungen eingereicht. Gewinner sind die Autoren Volker ter Haseborg und Lars-Marten Nagel vom „Hamburger Abendblatt“ für ihre Recherchen über die Wohnungsgesellschaft Gagfah. Die Journalisten zeigten, wie ein amerikanischer Hedgefonds aus ehemals staatlichem Immobilienbesitz größtmögliche Profite herausschlage, heißt es in der Begründung.

Auf den zweiten Platz kamen Jürgen Dahlkamp, Gunther Latsch und Jörg Schmitt mit einer Artikelserie über die Affäre der HSH Nordbank im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Für ihr Buch „Gesunder Zweifel“ über Selbstbedienungspraktiken in der Medizinindustrie erhielt die Autorin Ursel Sieber den dritten Preis. Gewinnerin des „Spezial“-Preises ist Katja Thimm, die im „Spiegel“ die Pflege ihres Vaters schildert. Mit dem Newcomerpreis wird Jonathan Stock für einen Artikel über einen Dschihadisten in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ ausgezeichnet.

frx/dpa