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Medien & TV Gerührt von den Müttern – ein besonderer TV-Moment bei „Markus Lanz“
Nachrichten Medien & TV Gerührt von den Müttern – ein besonderer TV-Moment bei „Markus Lanz“
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18:06 06.03.2019
Ein berührender Fernsehabend: Als die Sendung vorbei war, umarmten sich Klaus von Dohnanyi (l.) und Giovanni di Lorenzo. Quelle: Fotos: Cornelia Lehmann/ZDF
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Mainz

„Das war ein großes Stück Fernsehen“, sagte Markus Lanz zum Schluss der Dienstagsausgabe seiner gleichnamigen Fernsehgesprächsrunde . Zu Recht – jedenfalls was die letzten 20 Minuten der Sendung betraf. Der Politiker Klaus von Dohnanyi (90) und der Journalist Giovanni di Lorenzo (noch 59) waren Lanz‘ Gäste gewesen.

Und am Ende von 74 Minuten Sendezeit standen beiden Tränen in den Augen. Es waren Tränen für die eigenen Mütter, an die sie sich während der Sendung erinnert hatten. Und man sah überdeutlich, wie diese Mütter in diesem Moment in den Söhnen auflebten, und hatte als Zuschauer plötzlich selbst einen dicken Kloß im Hals.

Von Dohnanyi: „Wir verdanken den Müttern alles“

„Wir werden doch unsere Schuld gegenüber unseren Müttern nie los. Nie!“, sagte von Dohnanyi in den letzten Minuten der Talkshow „Die haben so viel für uns getan, im Grunde verdanken wir ihnen alles, und wir haben es ihnen nie wirklich zurückgegeben. Und wenn es Sie gerührt hat“, wandte er sich an di Lorenzo. „mich rührt es jetzt auch. Unsere Mutter – mit dieser Qual unseres Vaters im KZ – hat dennoch nicht nachgelassen, uns am Abend vorzulesen. Die Mütter sind es!“

Nach so großen Gefühlen hatte es anfangs nicht ausgesehen. Beide Gäste waren von den Schülerdemos zum Klimaschutz (von Dohnanyi: „Die bringen keine Opfer. Die werden nicht auf das Auto verzichten, wenn sie nachmittags von den Eltern zum Ballett gefahren werden“) über den Zustand der Debattenkultur im Parlament (Empörung darüber, dass der Bundestag nur gefüllt war, als es um die „Jagdbarkeit von Wölfen“ ging) auf die jüngere deutsche Geschichte gekommen. Und das, obwohl von Dohnanyi eingangs noch festgestellt hatte: „Immer wieder wird die Nazizeit diskutiert. Das muss man wissen, aber sich nicht jeden Tag vorhalten.“

Gegen Ende der Sendung wurden Erinnerungen hervorgeholt

Von gegenwärtigen Globalisierungsängsten und dem damit verbundenen Aufstieg rechtspopulistischer Parteien war der Weg dann aber doch nicht allzu weit zur Hitlerzeit. Der Bruch kam nach einer knappen Stunde, als di Lorenzo auf seine Mutter zu sprechen kam, „als sie in die Schule gekommen ist eines Morgens und ihre jüdische Klassenkameradin war nicht mehr da. Und keiner hat nachgefragt, und jeder hat gewusst: Der ist etwas ganz Furchtbares passiert.“ Noch vor ein paar Jahren sei seine Mutter darüber in Tränen ausgebrochen.

Und da veränderte sich die Stimmung im Studio. Di Lorenzo erzählte jetzt von seinem Großvater, der als Vorsitzender der Sozialistischen Arbeiterjugend von der Gestapo abgeholt worden war, und wie er für di Lorenzo zum Helden wurde. „Und doch ist mein Opa eines Tages umgefallen“, sagte der„Zeit“-Chefredakteur und erinnerte an dessen späten Einsatz im Volkssturm. Und von Dohnanyi berichtete von dem „kleinen verwachsenen Dienstmädchen seiner Tante, das an freien Tagen Lebensmitteln zu versteckten Juden brachte“.

Die Sendung bewegte tiefer als eine weitere Doku über die NS-Zeit

Ein Stück Erinnerungskultur voller persönlicher Details war diese „Lanz“-Ausgabe, die tiefer bewegte als eine weitere Doku über die NS-Jahre, eine Sendung, die den Zuschauer nachdenklich und schwer gerührt zurückließ, wie es immer ist, wenn die Visiere sinken, wenn man im Fernsehen Zeuge von verletzlicher Menschlichkeit wird. Als die Kameras schon nicht mehr aufnahmen, umarmten sich von Dohnanyi und di Lorenzo lange. Und das Publikum stand auf und applaudierte minutenlang. „Eine besondere Situation“, so Sven Hegner, Sprecher der Produktionsfirma, „die ich so in den letzten zehn Jahren noch nicht erlebt habe.“

Von Matthias Halbig / RND

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