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00:15 11.09.2013
Die Entertainer Günther Jauch (r) und Thomas Gottschalk sind am Montag erstmals gemeinsam bei RTL in einer neuen Show zu sehen. Quelle: dpa / Archiv
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In Quiz- und Schätzrunden treten die beiden Moderatoren gegen die 500 Zuschauer im Studio an. Aber auch die Zuschauer vor dem Fernseher sollen per SMS und Anruf die Fragen beantworten können. Dann wird ausgewertet, ob die Moderatoren oder die Zuschauer recht hatten. Zudem wird es Spiele geben, bei denen Prominente stellvertretend für die Zuschauer antreten. Der beste Studiozuschauer tritt am Ende gegen die Moderatoren an und darf auf 100 000 Euro hoffen. Eine zweite Ausgabe soll bereits im Oktober laufen.

Was ist das Konzept von „Die 2“?
Jauch: Im Grunde können wir es nicht erklären, weil wir außen vor gehalten werden. Wir kennen die Grundidee, dass wir beide gegen 500 Menschen im Saal beziehungsweise gegen ganz Deutschland antreten in einem Duell, das eine Mischung aus Wissensaufgaben, Schätzaufgaben und Aktionen ist.
Gottschalk: Mir wird immer vorgeworfen, dass ich unvorbereitet zu meinen Arbeitseinsätzen erscheine. Ich habe - und auch RTL hat – das eingesehen, dass man am besten damit bedient ist, wenn man nicht wissen muss, was passiert. Ich kann also guten Gewissens sagen: Ich bin unvorbereitet. Für mich war das Entscheidende, dass es keine Besserwisserveranstaltung ist. Ich habe in langjähriger Fernseharbeit erkannt, dass die Zuschauer nichts mehr hassen als Klugscheißer. Ich weiß, dass der greise Vater von Aeneas Anchises ist, das hilft mir da aber auch nicht.

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Wollen Sie noch einen Quotenhit landen?
Gottschalk: Mein Gott, ich könnte in Malibu sitzen und sagen „Scheiß aufs Fernsehen“ und bittere Kommentare schreiben. Ich bin weder ermüdet noch ermattet, bin weder verzweifelt, noch muss ich irgendetwas beweisen. Ich komme nicht aus der tiefen Depression und habe nicht meinen guten Freund Günther gebeten, mich wie Sankt Christophorus huckepack zu nehmen, damit das Christkind noch einmal strahlen kann und noch einmal den tiefen Fluss überquert.

Ihre Kritiker sehen das anders. Warum tun Sie sich das an?
Gottschalk: Ich bin inzwischen diese Blogger gewohnt, die nachts um zwei mit einem bekleckerten T-Shirt dasitzen und sagen: Wen kann ich jetzt vollrotzen? Und wenn „Spiegel Online“ dann schreibt „Gottschalk wieder bei RTL“, schreibt der drunter „Schmeißt doch die Millionen gleich auf den Müll“, und wenn ich bei der ARD bin, dass sie ihre Gebühr nicht mehr bezahlen wollen. Und wenn du das erst mal grundverdaut hast, dann sagst du wieder: Jetzt erst recht.

Würden Sie noch einmal „Wetten, dass...?“ übernehmen?
Gottschalk: Nein, nein, ganz eindeutig nein. Ich habe nicht alles richtig gemacht, aber ich habe nichts falsch gemacht. Das Ende von „Wetten, dass ...?“ kam zum richtigen Zeitpunkt, und ich habe zum richtigen Zeitpunkt gesagt: Das war’s. Ich hätte das Ding zu Ende verwalten können. Ich habe mit 18 Millionen Zuschauern angefangen und wäre heute auch nicht viel weiter als Kollege Lanz. Manche Dinge haben sich einfach erledigt, und das muss man zur Kenntnis nehmen. Wenn ich zuletzt zu meinem Sohn sagte, ich habe da einen Typen, der macht 20 Handstände in einer Mülltonne, dann hat der YouTube angestellt und mir einen Typen gezeigt, der 80 Handstände in einer Mülltonne macht. Aber der hat die Tonne noch aufs Dach gestellt, und die Wahrscheinlichkeit, dass er runterfällt, war groß. Da hat sich was geändert, das muss ich zur Kenntnis nehmen. Und das ist nichts Furchtbares.
Jauch: Weil das jetzt diese Dinosaurier-Fragen sind: Als Harald Schmidt Richtung Sky ging und Thomas bei „Wetten, dass ...?“ aufgehört hat, hieß es immer, wann ich denen als letzter fälliger Dinosaurier in die Parkgarage des Privatlebens folge. Ich sehe diese ganz großen existenziellen Fragen für uns nicht. Dass wir nicht mehr über irgendwelche Quoten, die weit über dem liegen, was man heute als erfolgreiches Maß im Fernsehen bezeichnet, hinausschießen werden, das sehe ich auch.

Herr Gottschalk, könnten Sie ohne Fernsehen? Ohne Publikum?
Gottschalk: Ja, klar. Meine Frau erleidet das, was sonst Millionen erleiden müssen. Ich moderiere durchgängig. Es ist ja nicht so, dass ich im Fernsehen anders bin als zu Hause. Das ist die Tragik meines Lebens. Ich moderiere durch.

Sie senden live, das ist die Ausnahme. Hat Fernsehen Angst vor Unwägbarkeiten?
Gottschalk: Wenn ich heute fernsehe, sehe ich wenig Perfektion. Im fiktiven Bereich kannst du perfekt sein. Ich sehe heute perfekte Serien – allerdings selten im deutschen Fernsehen. Live schließt Perfektion aus. Die technische Perfektion ist eine andere Herausforderung als die Perfektion des Entertainers. Für die Form, wie ich Entertainment begreife, mit Scheitern und mit Gewinnen, mit Überraschungen und Unwägbarkeiten, dafür hat man uns hier einen Raum geschaffen.

Herr Jauch, was haben Sie Herrn Gottschalk nach „Wetten, dass ...?“ empfohlen?
Jauch: Dass er zwei Jahre gar nichts machen sollte. Ich habe von allem abgeraten. Gar nicht, weil ich es besser wusste, sondern weil ich glaubte, dass ein Zwei-Jahre-Wegsein ihm erstens nicht schadet, zweitens die Begehrlichkeiten und die Sehnsucht und unter Umständen auch die Nostalgie größer werden lässt. Und weil ich von mir ausgegangen war.
Gottschalk: Ich habe wider bessere Beratung etwas riskieren wollen. Und diese Risikobereitschaft ist mir im Nachhinein auch der einzige Trost. Nach 28 Jahren hat man auch mal einen gut.
Jauch: So gesehen bewundere ich ihn für den Mut, auch zu scheitern. Dafür, dass er da mutiger ist als ich, wird er natürlich auch mehr verprügelt. Was so gesehen auch wieder ungerecht ist.

Das Interview führte Sebastian Scherer

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