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Medien & TV Die TV-Kommissare im Interview: „Der Abgang muss fett sein“
Nachrichten Medien & TV Die TV-Kommissare im Interview: „Der Abgang muss fett sein“
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09:22 21.04.2019
Gefährliche Arbeit: Bei Mordermittlungen stechen die Bremer Ermittler Inga Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen) in ein fein gewebtes Netz aus Korruption und illegalen Geldgeschäften. Quelle: Christine Schroeder/ARD
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Bremen

Nach 18 gemeinsamen Jahren als Bremer „Tatort“-Ermittler räumen Sabine Postel und Oliver Mommsen das Feld. Im Interview sprechen sie über ihren Abgang, über die Gemütlichkeit der Bremer Ermittler und darüber, wie sich der „Tatort“ in fast 20 Jahren verändert hat.

Frau Postel, Herr Mommsen – in dieser unsicheren Zeit eine Stellung auf Lebenszeit zu kündigen ist ungewöhnlich. Warum trennen Sie sich gerade jetzt vom Bremer „Tatort“?

Oliver Mommsen: Ach, nach 18 Jahren Mord und Totschlag hab‘ ich einfach ein großes Bedürfnis danach, die Plastikwaffe in den Sack zu packen und Ausschau nach anderen Abenteuern zu halten.

Sabine Postel: Und das spüren die Zuschauer sofort. Ich hab‘ die Entscheidung ohne Not getroffen. Mit zwei „Tatorten“ und 13 Folgen „Kanzlei“ war aber kein Spielraum mehr für anderes. Ich hatte ja nicht mal mehr Urlaub, wie ein Hamster im Rad.

Dennoch geben Sie ein Stück Sicherheit auf?

Postel: Gott sei Dank bricht mir mit der Entscheidung nicht der Boden weg.

Mommsen: Bei mir könnte das schon passieren, sieht aber nicht so aus. Auch weil es meine Frau nach Jahren klassischer Rollenverteilung zurück ins Berufsleben geschafft hat. Ich rate jedem Paar: Arbeitet beide, bewahrt eure Unabhängigkeit! Die Kinder sind groß, da kannst du auch finanziell wieder mutiger werden und so einen Schritt wagen.

Postel: Allerdings nur zusammen, das war uns beiden klar. Wir sind wirklich ein Dreamteam.

Mommsen: Und haben uns nie gestritten, nicht destruktiv. Deshalb haben wir uns in den Filmen oft auch gegenseitig verdächtigt, damit wir nicht irgendwann Händchen haltend ermitteln.

Postel: Darum sind wir jetzt definitiv traurig, dass es zu Ende geht.

Mommsen: Als Florian am Set meinte, das sei jetzt unsere letzte Großaufnahme, dachte ich kurz: „Stopp, alles nur ein Scherz, ich bin Bobby Ewing und komme grad aus der Dusche!“

Postel: Aber jetzt ist es vorbei.

Und zwar mit einem echten Knall­effekt.

Mommsen: Geil, oder?!

Postel: Ich habe von Anfang an gesagt, er muss fett sein. Wie fett, habe ich dann unserer Kreativabteilung überlassen.

Ist das ein bewusster Kontrapunkt zur geruhsamen Bremer Tonalität?

Mommsen: Das galt nur fürs Team, nicht die Fälle. Wir sind halt selten laut geworden.

Postel: Stedefreund und Lürsen haben keine Mätzchen gemacht. Auch weil sie schon so lange beisammen sind. Neuere Teams müssen sich ja durch Besonderheiten profilieren.

Mommsen: Es war stets klar, dass wir charakterlich nicht mit ganz großem Pinsel malen. Bei Stedefreund stand anfangs drüber: Cowboy mit Bausparvertrag und Werder-Wimpel. Das sollte den Nonkonformismus der Alt-68erin Lürsen konterkarieren.

Postel: Die als zweite „Tatort“-Kommissarin nach Ulrike Folkerts anfangs noch Mann und Kind haben musste.

Weil eine Frau vor 20 Jahren im Männerbusiness exzentrisch genug war?

Postel: Genau. Folkerts musste tougher sein als alle Kollegen, um sich etablieren zu können, die hat da das Feld schon bereitet. Als Oli dazukam, konnten wir uns dann in aller Ruhe als Team entwickeln.

Mommsen: Und zwar so ruhig, dass man uns nachgesehen hat, wie unausgegoren das Team anfangs war. Heutzutage wären wir damit nach drei Fällen weg gewesen. Wenn ich mir unseren ersten „Tatort“ ansehe, glaub‘ ich mir kein Wort! Aber für die Zeit war es in Ordnung.

Postel: Die Erzählweise war noch anders, es gab weniger Konkurrenz, man durfte in Rollen reinwachsen. Wie genau, durften wir auf der Abschiedsparty im Zusammenschnitt unserer großartigen Cutterin sehen. Wir haben uns da manchmal fassungslos angesehen, wie wir da seltsam kostümiert durch Winterlandschaften gezogen sind.

Mommsen: Immer Winter. Weil Krimi so düster ist …

Postel: Da ich ein Frostköttel bin, habe ich so bärige Mäntel getragen. Mein Sohn, der damals noch ganz klein war, meinte mal, ich sähe darin aus wie eine Rumkugel. Das hat genauso wenig gepasst wie bei dir der akkurate Seitenscheitel.

Das ist fürs kleine Radio Bremen ja seit jeher konstituierend.

Postel: Ganz genau. Es ging bei uns schon damals um die Flüchtlingssituation oder Schwule im Fußball, als da noch niemand drüber geredet hat. Wir versuchen, den Finger in irgendeine Wunde zu legen.

Mommsen: Das ist der Bremer Spirit. Die gehen dahin, wo es wehtut. Jedes Jahr einen fürn Kopp und einen fürn Bauch.

Von Jan Freitag / RND

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