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Medien & TV „Verschrobene Charaktere machen irre Spaß“
Nachrichten Medien & TV „Verschrobene Charaktere machen irre Spaß“
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00:15 15.04.2014
Lisa Wagner, geboren 1979 in Kaiserslautern, dürfte trotz Grimme-Preises (München-„Tatort“, 2010) nur Kennern ein Begriff sein. Das dürfte sich ändern, wenn die Theaterschauspielerin ab Sonnabend (20.15 Uhr) die Titelfigur der neuen ZDF-Krimireihe „Kommissarin Heller“ übernimmt.
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Frau Wagner, bislang haben Sie in Krimis vor allem Episodenrollen gespielt. Wie fühlt es sich da an, künftig die Hauptfigur einer ganzen Serie zu sein?

Wenn man als Nebendarstellerin nur wenige Tage dreht, muss man extrem auf den Punkt konzentriert sein. Als Hauptdarstellerin hat man viel mehr Zeit und Raum zur Entfaltung. Die Vorbereitung ist intensiver, der Druck dafür geringer, weil zusätzliche Zeit auch Fehler verzeiht.

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Aber steigt dafür nicht die Verantwortung fürs Gesamtprodukt?

Das stimmt. Aber ich fühle mich mit wachsender Verantwortung wohler und habe gern Einfluss aufs Ganze.

Sie sind jetzt aber kein Kontrollfreak?

Überhaupt nicht, dann wäre ich beim Film auch völlig fehl am Platze, wo das, was man tut, von 1000 Leuten beeinflusst und nachbearbeitet wird.

Haben Sie über Ihre ZDF-Kommissarin Heller also auch mitbestimmt?

Ich hatte vor dem Drehbuch schon zwei, drei Romanvorlagen gelesen, wo die Figur übrigens ganz anders beschrieben ist – eher klein und dick mit großen Brüsten. Körperlich entspreche ich ihr also überhaupt nicht. Deshalb habe ich umso mehr versucht, das Wunderliche an ihr herauszuarbeiten und ihr Eigenheiten zu verpassen. Sie ist auf den ersten Blick keine Sympathieträgerin und versäumt es oft, ihre Mitmenschen darüber zu informieren, wo sie sich gedanklich gerade befindet. Verschrobene Charaktere machen einfach irre Spaß und liegen mir weit mehr als solche Sunshine-Typen. Dass das Leben toll und bunt und leicht ist, fällt mir schwerer darzustellen als die schwierigen, düsteren Seiten. Ich spiele gerne eigensinnige Rollen.

Wie 2007 im Kinofilm „Shoppen“, Ihrem Durchbruch als Filmschauspielerin, wo Sie eine seltsame Speed-Daterin spielen.

Genau wie die. Aber Durchbruch? Auf die Rolle gab es viel positive Resonanz, aber berühmt hat mich das nicht gemacht. Das darf auch gerne so bleiben. Denn Popularität hat ihren Preis. Und weil ich lieber über meine Arbeit als meine Person spreche, finde ich es sehr angenehm, nicht erkannt zu werden.

Hat das auch damit zu tun, dass Sie nicht das typische Titelblattgesicht haben?

Ganz sicher sogar. Das eröffnet mir enorme Arbeitsmöglichkeiten, und ich kann ein wenig der Geheimtipp sein. Wenn Uwe Ochsenknecht im „Tatort“ auftaucht, weiß jeder sofort: Oh, der wird bestimmt noch wichtig, Tendenz Täter. Bei mir ahnt niemand, dass ich am Ende die Mörderin bin. Für solche Wendungen sind Titelblattgesichter oft eher hinderlich. Modelfrauen haben es womöglich schwerer, ins seriöse, ernste Fach zu kommen. Wenn ich die Wahl zwischen Qualität und Quantität habe, bevorzuge ich Erstere.

Aber beinhaltet nicht gerade eine Krimireihe die Gefahr, Letzteres zu liefern?

Diese Gefahr besteht, aber in diesem Fall kann ich sie nicht erkennen. Nach zweieinhalb Jahren gibt es jetzt zwei Episoden; das ist jetzt nicht allzu quantitativ.

Jetzt steht der Drehbeginn des dritten Teils an, bevor der erste überhaupt gezeigt wurde. Woher rührt dieser Vertrauensvorschuss?

Weil wir einfach geil sind! Aber ehrlich: Die Vorschusslorbeeren vom Sender tun uns schon gut. Das ZDF rechnet offenbar mit ausreichend Zuspruch.

Interessiert Sie der?

Selbstverständlich! Ohne Publikum möchte doch niemand schauspielern. Jede Rollenanfrage gibt auch ein Gefühl von Sicherheit. Ich wäre ja bescheuert, fünf Angebote besser zu finden als zehn. Was ich davon annehme, ist eine andere Sache. Aber ich gucke mir alles an. Ich habe zwar noch keine fünf Kinder zu versorgen – aber am Ende muss ich von irgendwas leben.

Interview: Jan Freitag

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