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Medien & TV Mädels in der Filterblase
Nachrichten Medien & TV Mädels in der Filterblase
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21:44 15.07.2011
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Dieser Tage hat mich mein alter Schulfreund Konstantin auf Facebook angeschrieben. Er gehört eigentlich dieser Skeptiker-Gilde an, die keinem Internetdienst über den Weg traut. Besonders Facebook. Er hat sich dort nur angemeldet um „besser Mädels abzuchecken“ – wie er sich auszudrücken pflegt. Und das auch nur, seitdem ich ihn an meinen Account nicht mehr lasse. Das muss man wissen um seine Frage richtig einzuordnen: „Soll ich Google+?“ Ich stutzte qua der Satzzeichen, überlegte und schrieb ihm schließlich, dass wir persönlich darüber reden sollten. Wir starteten also Skype.

Von den Fakten her ist G+ beeindruckend: Der Web-Entwickler Paul Allen hat hochgerechnet, dass sich seit dem Start Ende Juni über 10 Millionen Nutzer in den Google-Gefilden tummeln sollen. Und das alleine in Amerika.

Das Netz ist extatisch: Da gibt es Menschen, die sich sofort verliebt haben und gewollt-naiv die Vorteile lobpreisen: Wie schön! Technisch fantastisch! Und die Kreise, in denen man Freunde, Familie und Kollegen einsortieren kann – fast schon wie im richtigen Leben! Da gibt es die Skeptiker, die das Monopol von Google kritisieren und Angst haben, was passiert, wenn die Kalifornier noch mehr Nutzerdaten bekommen. Und dann gibt es noch diejenigen, die sich über das alles lustig machen.

Das erklärte ich auch alles so Konstantin. „Aber vielleicht findest du deren Meinung bald nicht mehr in der Suche.“ Er riss die Augen auf und kam der Webcam unappetitlich nah. „Google kennt dich dann so gut, dass es nur noch Suchergebnisse anzeigt, die zu dir passen,“ sagte ich verschwörerisch. Das personalisierte Netz: Die besten Restaurants, die passenden Meinungen – die richtigen Mädels. Jeder Nutzer könnte in einem individuellen Netz leben, in seiner ureigenen Filterblase. „Das ist doch fantastisch“, rief Konstantin „Das macht das Abchecken um einiges einfacher!“

Von Florian Heinz