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Medien & TV Nordmedia feiert ihren zehnten Geburtstag
Nachrichten Medien & TV Nordmedia feiert ihren zehnten Geburtstag
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20:33 29.11.2010
Von Stefan Stosch
Große Filme mit norddeutschem Geld – die „Konferenz der Tiere“. Quelle: Constantin Film
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Erst vor vier Wochen sind die obersten Filmförderer von der nordmedia aus Los Angeles zurückgekommen. Zehn Jahre hat es gedauert, um ins Herz der Kinowelt vorzudringen. Von Hannover nach Hollywood ist es ein weiter Weg. Thomas Schäffer und Jochen Coldewey wollten auf der anderen Seite des Atlantiks auf jeden Fall etwas vorweisen können. Das konnten sie jetzt – den ersten deutschen 3-D-Trickfilm „Konferenz der Tiere“, komplett in Hannover animiert. Mit im Gepäck bei der Reise – eingeladen hatte das Goethe-Institut – hatten sie auch Regisseur Holger Tappe von der Firma Ambient Entertainment in Hannovers Südstadt, zuständig für die Bilder der Erich-Kästner-Verfilmung.

Wieso ein Trickfilm ausgerechnet dort präsentiert wird, wo die Meister dieser Kunst zu Hause sind? So etwas nennt man wohl Standortpolitik – egal, ob diese in Hannover, bei den Festivals in Berlin und Cannes oder eben in Hollywood betrieben wird. Um Niedersachsen und auch Bremen als einen Ort bekannt zumachen, an dem Medienmacher willkommen sind, ist die nordmedia im Dezember 2000 gegründet worden. Und nun wissen auch Produzenten, Schauspieler und Filmverleiher in Los Angeles, die die „Konferenz der Tiere“ gesehen haben, dass es sich lohnen könnte, mal in die Norddeutsche Tiefebene zu schauen. „Es gibt schon Anfragen für internationale Koproduktionen“, so Schäffer.

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Als die Mediengesellschaft vor zehn Jahren begann, war an solch internationale Ausflüge nicht zu denken. Niedersachsen war mehr oder weniger Niemandsland auf der Kino- und Fernsehproduktionslandkarte. Andere Landesförderer dagegen hatten sich längst positioniert. Mit München oder Berlin kann sich die nordmedia bis heute nicht wirklich messen – auch wenn am morgigen Mittwoch bei der Geburtstagsfeier im NDR-Landesfunkhaus stolz auf Quotenerfolge wie den Sat.1-Mehrteiler „Das Wunder von Lengede“ oder den Goldenen Bären für Fatih Akins Drama „Gegen die Wand“ verwiesen werden dürfte. Die Bündelung der Kräfte unter einem Dach hat aber ebenso geholfen, zukunftsträchtige Felder zu besetzen.

Beispielsweise bei Games, HD-Technik oder auch bei der Computeranimation hat Niedersachsen die Nase vorn. Zehn Millionen Euro hat die Gesellschaft jährlich zur Verfügung, aufgebracht von den Ländern Niedersachsen und Bremen, dem NDR, Radio Bremen und dem ZDF. Mit dem Geld müssen Schäffer & Co. einen Spagat hinbekommen: Einerseits sollen kreative Köpfe angelockt werden, andererseits soll Wirtschaftspolitik betrieben werden – und stets geht es um Arbeitsplätze, etwa in Lüneburg, wo die ARD-Telenovela „Rote Rosen“ im Endlosbetrieb produziert wird. Bei so gegensätzlichen Anforderungen kann man leicht zwischen die Stühle geraten. Filmemacher und Produzenten beklagen, dass der Einfluss des NDR bei der nordmedia zu groß sei – der Sender lasse sich gerne fördern, was er sich sowieso im eigenen Programm wünsche.

Morgen wollen auch der NDR-Intendant und der niedersächsische Ministerpräsident Grußworte sprechen. Und vielleicht erzählt Schäffer ja, wie es war, drüben in Hollywood einen echten Oscar in Händen zu halten. Der fehlt bis auf Weiteres noch in der Liste der 326 Preise, die von der nordmedia geförderte Filme bislang errungen haben.