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Medien & TV Olli Dttrich parodiert das deutsche Frühstücksfernsehen
Nachrichten Medien & TV Olli Dttrich parodiert das deutsche Frühstücksfernsehen
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08:40 06.05.2013
Zwei Witzbolde nebeneinander: Olli Dittrich und Cordula Stratmann parodieren das deutsche Frühstücksfernsehen. Quelle: dpa
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Köln

Er ist Bierfreund „Dittsche“ im Bademantel, er war Franz Beckenbauer, er war eine Hälfte des Duos Die Doofen, vor langer, langer Zeit. Er war der lustigste Gast, den Harald Schmidt je hatte. Und nun geht Humorist und Komiker Olli Dittrich mit einer neuen Sendung in der ARD an den Start. Der dreifache Grimme-Preis-Träger schlüpft im Format „Frühstücksfernsehen“ gleich in neun verschiedene Rollen und präsentiert eine Parodie auf die Frühprogramme der deutschen Fernsehlandschaft – mit Cordula Stratmann als Ko-Moderatorin. Die Sendung, die der WDR in Köln zusammen mit Beckground TV aus Hamburg produziert, läuft von Montag an im Nachtprogramm der ARD. Und so bekommt Dittrich – nach Irritationen um Florian Schröders eher misslungenen Versuch Ende Dezember, anstelle von Dittrich mit „Das Ernste“ eine Satiresendung zu etablieren – doch noch Gelegenheit, persönlich das Humordefizit des Ersten zu lindern.

Der WDR ist so überzeugt von dem Experiment, dass „Frühstücksfernsehen“ schon vor der Ausstrahlung der Testausgabe in Serie geht. Gestern teilte der Sender mit, dass er sechs weitere Folgen produzieren wird – unabhängig von der Premierenquote. „Dittrichs Präzision in der Schauspielerei, seine großartigen Masken heben die 30 Minuten heraus aus dem Comedy-Allerlei“, schwärmt WDR-Unterhaltungschef Siegmund Grewenig gegenüber dem Branchendienst DWDL.de. „Wenn er Figuren kreiert, glaubt man, sie zu kennen – und doch sind sie alle seine Erfindung. Und mit Cordula Stratmann steht eine kongeniale Partnerin an seiner Seite.“ Für Dittrich selbst ist das Frühstücksfernsehen ein Mikrokosmos des Fernsehens:
 

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Herr Dittrich, ab Montagabend sind Sie mit einer neuen Sendung namens „Frühstücksfernsehen“ in der ARD zu sehen – allerdings am späten Abend. Was reizt Sie an dem Genre?

Das Genre Frühstücksfernsehen bietet mit seinen unterschiedlichen Facetten einfach optimale Voraussetzungen für eine Parodie. In den typischen Reportagen geht es um Sport, Politik, Gesellschaft und Boulevard. Dazu kommen ein klassischer Nachrichtenblock, ein Expertengespräch im Studio und Moderatoren, die durch das Programm führen und alles zusammenhalten. Das bietet einfach sehr gute Vorlagen für viele Figuren und Geschichten. Unsere Sendung ist aber keine gezielte Parodie eines bestimmten Magazins, sondern eher der gesamten Szene. Es gibt ja mehrere Sender, die Morgenmagazine machen.

Was ist denn typisch Morgenmagazin?

Diese Mischung aus investigativem Infotainment und der oft unglaublichen Heiterkeit der Moderatoren, die die Zuschauer am sehr frühen Morgen mit lockeren Scherzen bei Laune halten ...

Schalten Sie selbst morgens regelmäßig den Fernseher ein?

Normalerweise nicht – bei der Vorbereitung auf diese Sendung habe ich aber natürlich ab und zu mal reingeguckt. Unser „Frühstücksfernsehen“ widmet sich eher der Beobachtung des kolportierenden Fernsehens: Vieles ist vielleicht nicht mal eine Meldung, geschweige denn einen Beitrag wert, trotzdem findet es statt – groß als Meldung oder Reportage im Programm, das ja täglich gefüllt werden muss. Und da fängt der Spaß an!

Sie schlüpfen in neun verschiedene Rollen. Außer als Moderator sieht man Sie auch als Fußballstar und Theaterregisseur. Welche Rolle spielt die Maske, welche Ihr Talent?

Um Authentizität und Glaubwürdigkeit der Figuren zu erreichen, ist es unbedingt wichtig, eine perfekte Maske herzustellen. Meine Haltung, mein Spiel müssen die gleiche Qualität haben, um die Maske dann auch auszufüllen. Hinzu kommt die Glaubwürdigkeit der Geschichte. Das ist ein Wechselspiel der Elemente, damit am Ende keine Clownsfigur, kein Klamauk herauskommt, sondern ein echter, glaubwürdiger Mensch mit einer relevanten Story. Nur so funktioniert die Täuschung. Und die brauchen wir, wenn wir – anders als zum Beispiel bei Sketchen in Comedyshows – mit der unterhaltsamen Manipulation des wahren Lebens operieren. Alles erfunden – es könnte aber echt sein, darum geht’s. Man muss die Figuren in Drehpausen auf die Straße schicken können, ohne dass sie jemandem auffallen.

Sie haben beim WDR in Köln im echten Studio des ARD-„Morgenmagazins“ gedreht. Wie haben die Moderatoren dort auf Ihre Parodie reagiert?

Mir ist erzählt worden, dass sie natürlich interessiert und neugierig sind, aber ich kann sie beruhigen: Es war noch nie meine Sache, Leute vorzuführen oder gar lächerlich zu machen. Wir parodieren sowieso niemanden persönlich und gezielt, sondern das ganze Genre.

Warum steht im „FrühstücksfernsehenBob Dylan auf der Bühne?

Ich finde das Element „kleinste Bühne der Welt“, wie es sie im echten „Morgenmagazin“ der ARD gibt, sehr spannend. Das klingt doch mindestens nach Guinnessbuch der Rekorde, nach etwas ganz Großartigem. In Wahrheit ist diese Bühne natürlich nur eine ganz kleine Rampe, weil das Studio einfach nicht mehr Platz hat. Dazu ein paar Laserlights, die großes Entertainment suggerieren. Dann noch im Hintergrund eine Bildwand, auf der atmosphärische, bedeutungsschwangere Bilder laufen, die in Wahrheit völlig belanglos sind. Diese Melange ist eine gute, sehr, sehr komische Vorlage, um einen echten Weltstar auftreten zu lassen – unter magerem Applaus der Moderatoren und ein paar Kameraleuten aus dem Off.

dpa

03.05.2013
02.05.2013