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Medien & TV PRO7-Intrigant „Stromberg“ ist wieder da
Nachrichten Medien & TV PRO7-Intrigant „Stromberg“ ist wieder da
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19:19 07.11.2011
Von Imre Grimm
„Heute weiß man wissenschaftlich, dass Moslems praktisch ganz normal sind“: Bernd Stromberg (Christoph Maria Herbst) quatscht sich auch in Staffel fünf um Kopf und Kragen. Quelle: PRO7
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In der ewigen Bestenliste bundesdeutscher Arschlöcher nimmt der Mann einen Spitzenplatz ein, gleich neben [beliebige Kandidaten hier bitte eintragen]: Bernd Stromberg, „Stellvertretender Leiter Schadensregulierung M bis Z“ bei der Capitol Versicherung AG, hat es in vier Staffeln zum Prototypen des Bürointriganten gebracht, der seine Kleingeistigkeit mit umso größerer Klappe zu vertuschen versucht. Ein Rassist, Minimacho, Drückeberger, Arschkriecher, Frauenfeind, Egomane. Viele kennen einen Stromberg. Nur heißt der nicht immer Stromberg.

Nun schickt PRO7 das schmierige Großmaul, das doch in der Tiefe seines Herzens eine arme Sau ist, in die fünfte Staffel (ab Dienstag, 22.10 Uhr). Darin wird Stromberg alias Christoph Maria Herbst befördert, weil sein Vorgesetzter Becker nach einer Ehekrise „seelisch auf den Stand von Mecklenburg-Vorpommern abgerutscht ist“ (Stromberg). Und Stromberg hat es satt, „ewig hier unten zu sitzen wie ein Wetterfrosch beim Tsunami“. Plötzlich findet er sich wieder in einer dümmlich-bräsigen Chefrunde zwischen lauter Strombergs, die mit den gleichen Methoden arbeiten wie er.

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Zum Auftakt geht’s gleich mal um die Frage, ob Stromberg zum marokkanischstämmigen Azubi-Anwärter jetzt „Dünenneger“ oder „Düsenjäger“ gesagt hat. Und wir sind gleich wieder voll drin in seiner kleinen Welt: Büroopfer Berthold „Ernie“ Heisterkamp (Bjarne Ingmar Mädel) ist jetzt in der Kirche aktiv („Ich bin auch nur aus Mensch!“), Tanja Seifert (Diana Staehly) wünscht sich ein Kind, aber ihr Riesenbaby Ulf (Oliver Wnuk) hat die Buxe voll. Und Stromberg selbst säftelt weiter Jennifer Schirrmann (Milena Dreißig) hinterher, obwohl die sich gar nicht sicher ist, was sie von diesem schleimigen Mittvierziger eigentlich will.

Es sind die ganz großen Themen des Lebens, die Drehbuchautor Ralf Husmann für „Stromberg“ in Comedy mit einem Schuss Melancholie kleidet: Liebe, Tod, Sehnsucht, Einsamkeit, Glaube („Heute weiß man wissenschaftlich, dass Moslems praktisch ganz normal sind!“) – und Kinder. Jawohl, Stromberg, der so gerne der „Papa“ sein will für seine Leute, wird Papa in Staffel fünf. Die latente Grundaggressivität aber, der Schwefelgeruch, der die Serie seit jeher durchzieht, ist stärker geworden, Husmann arbeitet inzwischen doch eher mit breitem Pinsel statt mit feiner Überzeichnung. Stromberg selbst jedoch werde „empathischer, er bekommt noch mehr sympathische Züge“, sagt Herbst, der am Montagabend mit seiner Bühnenshow in Hannover zu Gast war.

Für PRO7 war „Stromberg“ – das auf dem BBC-Original „The Office“ mit Ricky Gervais basiert – seit dem Start im Oktober 2004 nie ein Quotenhit, aber ein wichtiger Imageträger. Sowohl Husmann als auch Herbst bekamen unter anderem den Grimme-Preis dafür. „Mockumentary“ (nach „to mock: verspotten“) heißt das pseudodokumentarische TV-Format mit der verwackelten Handkamera und den durch Lamellen gefilmten Knutschszenen in der Teeküche. Runde fünf wirft erneut einen scharfen, sezierenden Blick auf dieses Paralleluniversum namens Büro, auf Tragik und Elend zwischen Kaffeemaschine und Quartalsgespräch, auf Fahrstuhlintrigen und Menschen in hellblauen Hemden, die ohne Skrupel das Wort „zeitnah“ verwenden.

Paradoxerweise sind es besonders diejenigen, die vom Büroalltag noch nicht viel wissen, die munter „Stromberg“-Sprüche twittern und zu seinen treuesten Fans gehören: Studenten, Schüler, Langschläfer, die die schlimmen Dinge am Büroleben nur aus dem Fernsehen kennen – sterbende Benjaminis, „lustige“ Spruchpostkarten, Selbstgedichtetes zu Kollegengeburtstagen, Sitzbälle, Klemmbretter, das „Mahlzeit“-Gewünsche zwischen 12 und 14 Uhr, Parkplatzneid. Es ist fast, als lache eine Generation noch ein letztes Mal über die absurde Jagd nach Festanstellungen, über das Hamsterrad mit all seinen Chefanschissen und Drehstuhlwettrennen im Flur, bevor es ernst wird.

Strombergs beste Sprüche

„Humor ist wie Gulasch. Wo der eine sagt: ,Uäh, mir zu scharf‘, sagt der andere: ,Hmm, lecker‘, und der Dritte isst überhaupt kein Fleisch.“

„Die besten Jahre kommen doch nach 45 – war mit Deutschland ja genauso.“

„Mobbing ist ein Wort, das sich Totalversager ausgedacht haben, um vorm Betriebsrat nicht sagen zu müssen: ,Die anderen ärgern mich immer.‘“

„Wenn du hier als Chef ‘n Furz lässt, dann fordert der Betriebsrat gleich ‘ne Lärmschutzwand.“

„Ich will anderen nie eine Grube graben, ich drücke ihnen höchstens die Schaufel in die Hand, aber dann habe ich mit dem Rest nichts mehr zu tun.“

„Bei den Weibern ist es wie bei den Hobbits: Am Ende geht’s immer um’n Ring.“

„Ich fühle mich wie Jesus am Ostersonntag. Den hatten auch schon alle abgeschrieben und dann nach drei Tagen: so’n richtiges Comeback, mit dem keiner gerechnet hatte!“

„Ich bin eine Mischung aus jung und erfahren. So etwas findet man sonst ja nur auf dem Straßenstrich.“

„Ich bin für klare Hierarchien. Gott hat ja auch nicht zu Moses gesagt: ,Hier Moses, ich hab da mal was aufgeschrieben, was mir nicht so gut gefällt. Falls du Lust hast, schau doch mal drüber.‘ Nein, da hieß es: ,Zack, zehn Gebote. Und wer nicht pariert, kommt in die Hölle!‘ Bums, aus, Nikolaus.“