Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Medien & TV RTL schmeißt Reporter raus
Nachrichten Medien & TV RTL schmeißt Reporter raus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:18 22.12.2014
Anzeige
Frankfurt a.M.

„Unser Mitarbeiter hat einen Fehler begangen, der nicht zu entschuldigen ist“, erklärte der Leiter des RTL-Landesstudios Ost, Thomas Präkelt. Der Reporter hatte sich als „Pegida“-Anhänger ausgegeben und in dieser Rolle dem NDR ein Interview gegeben. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) kritisierte am Montag das Verhalten von RTL in dem Fall. Der Reporter habe Teilnehmer der Demonstration befragen sollen, erklärte Präkelt weiter.

„Er sollte auf keinen Fall provozieren oder zur Hetze animieren, schon gar nicht anderen Journalisten eine Rolle vorspielen.“ Das Verhalten des Mitarbeiters bezeichnete er als nicht nachvollziehbar, zumal es sich um einen erfahrenen Kollegen handele, der vor zweieinhalb Jahren vom NDR-Fernsehen zu RTL gekommen sei. Erschwerend komme hinzu, dass der Reporter den Sender nach der Demonstration nicht über sein Auftreten im Interview mit dem NDR informiert habe.

Anzeige

Der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken nannte es widersprüchlich, dass der Sender die Zusammenarbeit mit dem Reporter aufkündige, das Mittel der verdeckten Recherche bei Großdemonstrationen aber gut heiße. Verdeckte Recherchen seien nur dann mit der Transparenz und Glaubwürdigkeit des Journalismus vereinbar, wenn es keine andere Möglichkeit der Informationsbeschaffung gebe.

„Es war für Journalisten bei der „Pegida“-Demonstration in Dresden zwar schwierig, aber nicht unmöglich, O-Töne von Demonstranten einzufangen“, erklärte Konken. Es verstoße zudem gegen das Gebot des fairen und kritischen Journalismus, als Reporter rassistische Töne anzuschlagen, um so die Demonstranten zu extremen Positionen zu provozieren. „Journalisten sind Beobachter und nicht Akteure.“ Der Reporter habe der Glaubwürdigkeit des Journalismus schweren Schaden zugefügt.

Laut dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ zieht RTL weitere Konsequenzen aus dem umstrittenen Verhalten des RTL-Reporters. Undercover-Recherchen müssten fortan in deutlich engerer Absprache mit der Chefredaktion erfolgen. „Wirkliche Undercover-Recherchen sind eine probate Vorgehensweise dann und nur dann, wenn alle anderen Mittel ausgeschöpft sind, um Missstände aufzudecken und zu dokumentieren“, so Michael Wulf, Chefredakteur bei RTL und Geschäftsführer der Nachrichtentochter „infoNetwork.“

dpa