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22:18 06.10.2013
Von Imre Grimm
Beste Freunde für drei Stunden: Markus Lanz mit Sylvester Stallone. Quelle: dpa
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Hannover

Zwei Dinge bleiben im Gedächtnis von dieser Show. Es sind nicht unbedingt die Dinge, die die ZDF-Redaktion als Wunschhöhepunkte vorgesehen hatte. Aber was soll man als Zuschauer machen, wenn sonst einfach nichts hängen bleibt – außer Markus Lanz inmitten ein paar schaler Witzlein, die im humoristischen Nirgendwo versackten wie Entenküken im Gullischacht. Das also bleibt: die Stimme von Außenreporter Elton. Und der Hals von Sylvester Stallone.

Beides war erbarmungswürdig anzuhören beziehungsweise anzuschauen, lenkte aber immerhin für Minuten ab von der bleiernen Ereignislosigkeit drumherum. Elton war krank. Stallone (67) dagegen mühte sich, gesund auszusehen. So gesund allerdings, dass sein kunstbesonnter Hals einem in Paprika marinierten Brathuhn glich, was Lanz nicht davon abhielt, als menschlicher Superlativgenerator circa siebenundzwanzigmal auf die Sensationalität der puren Anwesenheit seines Gastes zu verweisen. Ebenso im Fall Harrison Ford (71). Showdinosaurier in einer Dinosauriershow. Noch eine dürre „Rocky“- oder „Indiana Jones“-Anspielung mehr, und man hätte sich gewünscht, dass bitte der Strom ausfällt, sich in Bremen ein Schwarzes Loch auftut oder ein Haufen Anarchisten das ZDF annektiert und politische Volkslieder sendet.

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„Wir haben die Kritik verstanden und raufen uns deshalb wieder zusammen“, hatte Lanz gleich zu Anfang versichert. Das klang schon gefährlich nach Philipp Rösler oder Opel. Die Gästeauswahl aber wirkte dann, als habe man sich freiwillig im Fernduell um das junge Publikum RTL ergeben, das mit dem Boxkampf von Wladimir Klitschko in Moskau 11,02 Millionen Zuschauer anlockte. Ruth Maria Kubitschek (82) oder Cher (teilweise 67) waren einfach ungeeignet, dem etwas entgegenzusetzen. Haarscharf schrammte Lanz nach der Mallorca-Katastrophe (6,74 Millionen Zuschauer) an einem neuen Tiefstwert vorbei. 6,85 Millionen Menschen sahen am Sonnabend zu. Bei den 110 000 Menschen, die ihn vor einer erneuten Rekordpleite bewahrten, müsste sich der 44-Jährige eigentlich einzeln bedanken (per Postkarte natürlich, wir sind im ZDF). Immerhin musste Harrison Ford keine Hasenohren tragen. Dafür rollte er Schlagersängerin Helene Fischer auf einem Rhönrad durchs Studio. Warum auch immer.

Natürlich kann Lanz nichts dafür, wenn RTL ihn mit einem quotenträchtigen Boxkampf ärgert. Aber es ist schon bitter, wenn man sich als Moderator hinterher von seinen Kritikern anhören muss, man habe die Sendung „pannenfrei“ überstanden. Pannenfrei – das ist schön bei Vorlesewettbewerben für Drittklässler oder in der Unfallstatistik eines Fiat Punto. Aber als Entertainer? Als Moderator von Europas einst größter TV- Show, die mal 15 Millionen Zuschauer hatte? Es will dann eben doch keiner wissen, was Harrison Ford auf seinen Anrufbeantworter gesprochen hat. Harrison Ford übrigens auch nicht.

Lanz mühte sich, die Kritik an ihm selbst zum Thema zu machen. Als er vor der Kinderwette von einer Reihe senkrecht aufgestellter Labellos stürzte, die im ZDF nur „Lippenpflegestifte“ heißen dürfen, brummte er: „Das kann ich also auch nicht.“ Niemand widersprach. Man wolle sich wieder mehr auf die Wetten konzentrieren, hatte es vorher geheißen. Vielleicht hätte man Lanz in diese Pläne einweihen sollen. Die Wetten – nur zwei von fünf wurden gewonnen – waren kaum mehr als matte Farbtupfer in einem endlosen Sofatalk über Oberarme, Schuhe, Flugzeuge und Altwerden. Wettkönig wurde ein Mensch, der mit seiner Tochter und einer Dampfwalze Bierflaschen öffnete. Da half dann aber auch schon kein Alkohol mehr. Am Ende war selbst der Akku des weißen Drehsofas leer.

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