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Medien & TV „Ich gucke gerne Mist im Fernsehen“
Nachrichten Medien & TV „Ich gucke gerne Mist im Fernsehen“
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08:44 09.04.2014
Ihre Sendung „Bambule“ pausiert derzeit. Am Donnerstag läuft bei ZDFneo die erste Folge ihrer neuen Gesprächsreihe „Kuttner plus Zwei“ . Quelle: ZDF
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Sarah Kuttner (35) ist Moderatorin und Autorin. Die Tochter von Radiomoderator und Regisseur Jürgen Kuttner startete ihre Karriere beim Musikfernsehen. 2004 bekam sie ihre erste eigene Show, die erst auf Viva und anschließend auf MTV lief. 2009 schrieb Kuttner ihren ersten Roman „Mängelexemplar“, in dem sie sich mit dem Thema Depressionen auseinandersetzte. 2011 erschien ihr zweites Buch „Wachstumsschmerz“. Ihre Sendung „Bambule“, die auf ZDFneo ausgestrahlt wird, pausiert derzeit. Am Donnerstag, 22.45 Uhr, läuft bei ZDFneo die erste Folge ihrer neuen Gesprächsreihe „Kuttner plus Zwei“ – ein Talk in privater Atmosphäre.

Frau Kuttner, in Ihrer neuen ZDFneo-­Sendung „Kuttner plus Zwei“ laden Sie jeweils zwei Gäste in ein Loft ein. Wer bestimmt, was auf den Tisch kommt?

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Eigentlich habe ich grundsätzlich ausgesucht, was auf den Tisch kommt. Meistens gibt es Stullenabendbrot, weil ich das auch gut finde. Es muss nicht mit Messer und Gabel und Serviette gegessen werden, sondern jeder kann sich rausgreifen, was er gerade will. In einer Folge gab es Spaghetti „bollo“, aber als vegane Variante, weil wir mit Attila Hildmann ein Gespräch hatten. Allerdings musste ich ihn bitten, die Soße mitzubringen. Und einmal gab es dann Eintopf, weil ich so Lust auf Suppe hatte.

In der ersten Folge sind Hannelore Elsner und Bosse zu Gast, in der zweiten Katja Flint und Jennifer Weist. Gehört das zum Prinzip der Sendung, eher gegensätzliche Typen einzuladen?

Auf jeden Fall, auch wenn sich am Ende oft Gemeinsamkeiten ergeben. Aber zunächst sitzen da drei ziemlich unterschiedlich wirkende Menschen an einem Tisch, tasten sich ein bisschen ab und kommen sich langsam näher.

In der Folge mit Katja Flint und Jennifer Weist geht es sogar recht intim zu. Vor allem, als das Gespräch auf das Thema Sex mit dem Ex kommt. Setzt sich diese Atmosphäre fort?

Ich denke schon, zumindest hatte ich in allen Folgen das Gefühl. Natürlich geht es nicht immer um Intimität im körperlichen Sinne, aber die Gäste öffneten sich mit der Zeit schon sehr. Deswegen war es auch so wichtig, dass wir nicht in einem Fernsehstudio sind, sondern ich wollte immer, dass wir in einer Küche sitzen. Es wird einfach anderthalb Stunden geredet und gegessen und auch mal ein Gläschen getrunken. Natürlich vergisst man dabei nie die Kamera, und es wäre auch totaler Quatsch, das zu sagen. Aber irgendwann ist sie einfach nicht mehr so wichtig.

Können Sie schon verraten, um welche Themen es geht?

Auf keinen Fall klassische Interviews, in denen ich biografische Fakten abklopfe. Vor allem, weil ich glaube, dass ganz tief drin auch Promis keine Lust mehr auf so etwas haben. Außerdem will ich nicht die Achthundertste sein, die zum Beispiel Katja Flint nach Heiner Lauterbach fragt. Deshalb sind die Themen kaum biografisch verankert. Sondern es sind vier, fünf Themen, die ich vorbereite und über die ich theoretisch mit jedem Menschen auf der Welt sprechen könnte.

Konkret?

Im Grunde sind es alles lebensnahe Themen: Es geht ums Älterwerden, um Familie und darum, ob heiraten nicht eigentlich total nervt. Es geht um Rebellion oder Drogen und die Hassliebe zum eigenen Körper.

Sie haben einmal gesagt, dass Sie sich sehr schnell langweilen und deshalb ständig neue Dinge ausprobieren müssen. Hat „Bambule“ auf Dauer gelangweilt?

Nein, eine Staffel „Bambule“ wäre schon noch gegangen. Und die Sendung ist auch noch gar nicht beendet. Sie pausiert nur.  Aber dieses Mal kam das ZDF und meinte, es würde gerne noch mehr mit mir machen. Das spielt mir natürlich total in die Hände – eben weil ich mich so schnell langweile.

Und wenn Sie sich nach Feierabend langweilen, wird die Glotze eingeschaltet? Das könnte man zumindest meinen, wenn man Ihnen unter @KuttnerSarah auf Twitter folgt. Da outen Sie sich als Trash-Fan, der „Dschungelcamp“ oder „Shopping Queen“ guckt.

Generell ist dieses Twitter-Ding bei mir eine wilde Mischung aus „stimmt“, „stimmt fast“, „habe ich mir ausgedacht“ und „fände ich witzig, wenn es so wäre“. Das mag ich daran auch so gerne, dass ich mich nicht auf die Wahrheit festlegen muss. Was allerdings wirklich stimmt, ist, dass ich wahnsinnig gerne Mist im Fernsehen gucke, um mir die Birne freizuspülen. Die guten Sachen gucke ich dann im Kino.

Thema Unterhaltung: Gerade hat Ihr ZDFneo-Kollege Jan Böhmermann einen Grimme-Preis gewonnen. Funktioniert gute Unterhaltung nur noch im Spartenkanal?

Ich glaube, dass es einfacher ist, weil man sich im Spartenkanal viel mehr trauen kann. Der Quotendruck ist dort einfach nicht so groß. Außerdem gibt es ja diese Meinung, dass immer das besonders gut ist, was nicht der Masse gefällt.

Interview: Nora Lysk

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