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Medien & TV Wer nichts weiß, muss alles glauben
Nachrichten Medien & TV Wer nichts weiß, muss alles glauben
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20:29 20.07.2014
Symbolbild  Quelle: dpa
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Manchmal hat das öde Fernseh-Sommerloch auch seine guten Seiten. Weil sich in 3sat das werktägliche Wissenschaftsmagazin „nano“ für einige Zeit in den Urlaub verabschiedet hat, kommen auf seinem Sendeplatz, um 18.30 Uhr, von heute an auch deutsche Zuschauer endlich in den Genuss des wunderbaren österreichischen Wissenschaftskabaretts „Science Busters“. Ein Trio, das bereits 2007 gegründet worden ist und in unserem Nachbarland auch wegen seiner Fernsehauftritte längst eine kleine Institution ist. Auch bei YouTube ist die Truppe sehr präsent. Und inzwischen gibt es auch Bücher und DVDs des populären Ensembles mit dem Motto: „Wer nichts weiß, muss alles glauben.“

In 3sat werden in insgesamt 13 Sendungen – auch für absolute Laien und für Nichtösterreicher verständlich – auf witzige Art die letzten drängenden Fragen der Menschheit beantwortet – von den beiden Wiener Professoren Heinz Oberhummer (Theoretische Physik) und Werner Gruber (Experimentalphysik) sowie dem mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten Kabarettisten Martin Puntigam. Gleich zum Auftakt entzaubert das Trio die angeblich wundersame Wirkung von Superjoghurt beispielsweise bei Blähbauch. Vom 73-jährigen und dabei dennoch stets wie ein Derwisch über die Bühne tobenden Oberhummer erfährt der Zuschauer, dass dieses Wunderlebensmittel fast gar nichts bewirkt. Es sei denn, man führt es rektal ein. Und das macht wohl kaum einer.

Montag

„Science Busters“ | 3sat
Wissenschaftscomedy
18.30 Uhr

Selbst Leute, die bei so vermeintlich anrüchigen Themen sofort die Nase rümpfen, werden hier wegen der ansteckend lustigen Ausführungen ihren Spaß haben, ebenso bei der anschließend vom rundlichen Gruber aufgeworfenen Frage: Was hilft besser gegen Durchfall, Cola oder Facebook? Alte Hausmittel sind jedenfalls völliger Unsinn, erfährt der Zuschauer, genau wie Antidurchfall-Pillen. Und was wirklich hilft, ist so abwegig, dass wir es hier vorab nicht verraten möchten. Daneben werden in der Auftaktfolge auch gleich noch die Bachblütentherapie als unsinniger Hokuspokus vorgeführt – Resümee: viele Behauptungen, hohe Kosten, wenig Nutzen. Und man lernt das Conan-Bakterium kennen. Die wahrscheinlich widerstandsfähigste Mikrobe der Welt, die selbst einen Atomkrieg überleben würde und angeblich gar als Speichermedium für digitale Daten taugt. Allerdings gibt es noch keine passenden Lesegeräte.

Das alles wird in einem für Österreicher schon ungewohnt hohen Tempo präsentiert. Wobei die Moderation der Kabarettist Puntigam souverän übernimmt, der die Ausführungen der beiden renommierten Wissenschafter stets mit charmantem, nie penetrantem Wiener Schmäh kommentiert. Und für den Winter wurden den „Science Busters“ schon neue Sendetermine in 3sat zumindest in Aussicht gestellt. Auf einem hoffentlich zuschauerfreundlicheren Sendeplatz. Schließlich müssen sich die Österreicher vor deutschen Wissenschaftskabarettisten wie Vince Ebert oder Eckhart von Hirschhausen nicht verstecken – ganz im Gegenteil. Und dass Physiker sowieso im tiefen Grund ihres Herzens lustige Menschen sind, weiß jeder, der schon einmal „The Big Bang Theory“ gesehen hat.

Von Ernst Corinth

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