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Medien & TV Bei RTL startet „Das Sommerhaus der Stars“ – sieben Regeln für ein erfolgreiches Trashformat
Nachrichten Medien & TV Bei RTL startet „Das Sommerhaus der Stars“ – sieben Regeln für ein erfolgreiches Trashformat
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17:16 23.07.2019
Im „Sommerhaus der Stars“ sind u.a. Elena Miras und Mike Heiter, Jasmin und Willi Herren, Laura Müller und Michael Wendler (oben), Kate Merlan und Benjamin Boyce, Steffi und Roland Bartsch und Senay Ak und Menowin Fröhlich dabei (unten). Quelle: Foto: TVNOW/Stefan Gregorowius
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Köln

Sie sind Programmchef eines deutschen Privatsenders? Sie sind verzweifelt? Es ist Sommer, und Ihre beiden letzten Kreativen arbeiten jetzt für Netflix? Sie können nicht die 18. Wiederholung von „Two and a Half Men“ zeigen, weil dann die Werbekunden rebellieren? Dann brauchen Sie ein Trashformat wie „Das Sommerhaus der Stars“ bei RTL. Acht „Promi“-Paare in einem Haus in Portugal, die alles Mögliche im Gepäck haben, nur nicht ihre Würde. Sie wollen das auch? Halten Sie folgende Grundregeln ein – und Sie werden mit minimalem Aufwand bunte Bilder produzieren, die in Notzeiten als Fernsehen durchgehen:

1. Sie brauchen „Promis“

Sie als TV-Manager wissen: Promis sind Brot und Butter der Fernsehmacherei. A-Klasse-Promis können Sie vergessen, B-, C- und D-Promis auch. So viel Geld haben Sie nicht. Aber ab dem Buchstaben P quillt der Quatschpersonalmarkt über von kamerageilen Histrionikern, die sich nach einem Kurzeinsatz bei „Alles was zählt“ für Gottes Geschenk an die Menschheit halten. Für ein welkes Mortadellabrötchen machen die alles. Denn sie wissen: Eine ganze Klickindustrie lebt von den Brosamen aus dem ereignisarmen Leben von Unterhaltungstäubchen, die schon mal im Fernsehen waren. Im Trashkosmos gilt selbst die Schwester einer Frau, die früher mal ein Café auf Mallorca hatte, als prominent. Und scheuen Sie sich nicht, Menschen wie Hakim-Michael Meziani, Marco Angelini, David Friedrich, Giuliana Farfalla, Ludwig Heer oder Saskia Atzerodt als „berühmt“ zu bezeichnen. Es gibt Schildkröten mit eigenem Instagram-Account. Irgendwelche Fans findet jeder. Sogar Johannes Haller oder Elena Miras (bekannt aus Funk und Fernsehen).

2. Die Fallhöhe ist wichtig

Für die telegene Einpferchung einer Egomanenherde genügt natürlich Bottrop. Die Neidreflexe des heimischen TV-Prekariats funktionieren aber besser, wenn draußen die Palmen wehen. Aber lassen Sie Champagner, Ledersofas und Gartenfackeln weg. Falsches Format. Das ist der „Bachelor“. Im „Sommerhaus“ geht’s um Matthias Mangiapane im Mehrbettzimmer. Mangiapane? Aus „Hot oder Schrott“? Mit liebevoll aufgesprühten Augenbrauen und Augen so leer wie das Konto von Boris Becker? Kennen Sie nicht? Dann fragen Sie mal die Boulevard-Haubitzen in Ihrer Klatschredaktion. Die kennen den.

3. Drama, Baby!

Schwelgen Sie! Stumpf ist Trumpf. Drücken Sie das Saxofonsolo aus „Careless Whisper“ rein, sobald zwei Protagonisten sich auf 20 Zentimeter nähern. Spielen Sie bei jeder Träne „Lux Aeterna“. Zeitlupe! Weichzeichner! Feuerwerk! Ein gutes Sommertrashformat sieht aus wie eine Mischung aus „Zärtliche Cousinen“, „Kettensägenmassaker“ und Bibis BeautyPalace.

4. Metaebene? Vergessen Sie’s!

Vor zehn Jahren konnte man mal für fünf Minuten denken, die televisionäre Selbsterniedrigung von Quatschpromis sei eine Parabel auf die Egomanie der Selfie-Gesellschaft. Inzwischen sind die Erwartungen an derlei routinierte Fremdschämfestivals nicht mehr sonderlich hoch. Es geht bei den brathähnchenfarbenen Trashprofis mit ihren Tränendrückergeschichtchen überwiegend um motzende alte Männer, Brüste und überhängendes Bonusgewebe. Seit Liz Taylor einen Bauarbeiter geheiratet hat, gibt es keinen Glamour mehr.

5. Halten Sie die Truppe auf Trab!

Aus einem Haufen müder Gammler lassen sich keine Funken schlagen. Machen Sie Alarm. Im Dschungel dösten die Helden der Hohlbirnigkeit zuletzt nur noch ihre Vertragszeit ab. Das darf nicht passieren. Lassen Sie die armen Hascherl Kühe mit dem Mund melken. Staunen Sie nicht, dass die „Promis“ das mitmachen. Sie haben nichts anderes.

6. Setzen Sie einen drauf!

Die Gesetze des Beömmelungsfernsehens verlangen nach Steigerung. Sie hatten schon eine dunkelhäutige transsexuelle Lorielle London? Dann brauchen Sie in der nächsten Staffel mindestens eine dunkelhäutige, transsexuelle, vegane, tablettensüchtige Ex-Nonne und Mutter von acht Kindern mit fünf Männern. Sie finden keine? Dann nehmen Sie halt den Wendler. Der geht immer. Und vergessen Sie bei seiner Freundin Laura nicht den Zusatz „(18)“. Steht im Vertrag.

7. Sie brauchen Skandale

Wissen Sie noch, wie Fréderic von Anhalt auf der Pro7-„Alm“ Kader Loth ins Badewasser pinkelte? Das ist Reality-Gold. Das brauchen Sie. Haben Sie keine Scheu: Das versendet sich. Wie sagte einst Lothar Matthäus: „I look not back, I look in front.“ Und nie vergessen: Sie sind Privatfernsehmacher. Sie sind nicht verantwortlich für den Erhalt von 5000 Jahren Kulturgeschichte. Sie machen Schnapspralinen-Fernsehen. Lassen Sie’s krachen.

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