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Medien & TV Spannendes Kopf-Kino im Kieler „Tatort“
Nachrichten Medien & TV Spannendes Kopf-Kino im Kieler „Tatort“
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18:09 05.11.2011
Borowskis schwedischer Kollege, Kommissar Stefan Enberg (Magnus Krepper), setzt Ina Santamaria (Mavie Hörbiger) unter Druck. Quelle: ARD
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Ein streunender Hund schleppt sich im surreal wirkenden Licht eines südschwedischen Sonnenuntergangs über den Strand. Zuerst sieht es so aus, als sei das zottelige Tier zwar verwahrlost, aber zutraulich. Doch dann fletscht es grimmig die Zähne. Wenig später stirbt ein Kind in einem Malmöer Krankenhaus an Tollwut. Dann Szenenwechsel: Die Sonne scheint grell vom Himmel hinab auf die Kieler Förde. Ein junges Paar watet Arm in Arm durch das glitzernde Wasser zu einem Badesteg. Wenig später hört man sanftes Stöhnen. Der junge Mann springt nach dem Sex ins Wasser. Doch er taucht nicht wieder auf. Blutlachen breiten sich im Wasser aus. Er wurde aufgespießt – von einer Konstruktion aus Bambuspfählen.

Zum zweiten Mal liefert der schwedische Schriftsteller Henning Mankell die literarische Vorlage für den Kieler „Tatort“. Ebenfalls zum zweiten Mal ermittelt Kommissar Klaus Borowski (Axel Milberg) zusammen mit der engagierten, aber noch etwas ungelenk wirkenden Sarah Brandt (Sibel Kekilli). Es ist eine gute Liaison, wie sich herausstellt. Regisseur Christian Alvart hat recht, wenn er sagt, dass der Horror im TatortBorowski und der coole Hund“ im Kopf entsteht.

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Das liegt vor allem daran, dass in diesem Kieler „Tatort“ nicht mit schnöden Messern oder Pistolen, sondern mit tückische Tollwutviren und martialischen Bambuspfählen getötet wird. Zwar gilt die Tollwut in Deutschland als ausgerottet, Mythen und Geschichten ranken sich aber immer noch zuhauf um diese Seuche, deren Ursprung im Mittelalter beim Teufel gesucht wurde. Die angespitzten, an mittelalterliche Folterinstrumente erinnernden Bambuspfähle evozieren Bilder von martialischen Hinrichtungen. Der ideale Stoff für packendes Kopf-Kino.

Dass der Tollwutfall in Malmö etwas mit dem aufgespießten jungen Liebhaber in Kiel zu tun haben könnte, daran denken Borowski und Brandt zunächst gar nicht. Erst als das Ermittlerduo Amtshilfe aus Schweden bekommt, werden die Zusammenhänge offenkundig.

Die Schlüsselfigur scheint die schöne Ina Santamaria (Mavie Hörbiger) zu sein. Sie hatte mit dem jungen Mann, der in die Bambuspfähle sprang, eine lose Sexbeziehung. Die grazile, blonde Frau mit den großen Rehaugen verabredet sich über einen Internet-Chatroom zu flüchtigen, sexuellen Bekanntschaften. In den einschlägigen Foren protzen Männer damit, Sex mit ihr gehabt zu haben und geben Intimes und Anrüchiges preis. Doch alle Männer, die sich zu sehr in ihre Nähe wagen, müssen irgendwann um ihr Leben fürchten. Denn einer ihrer Fans scheint es darauf abgesehen zu haben, seine Konkurrenten auszustechen.

Der Kreis der Verdächtigen konzentriert sich also auf die Online-Bekanntschaften. Aber davon gibt es viele. Da ist Lorenzo Lombardi, ein Mann mit einer abgebrochenen Schreinerlehre, ohne Arbeit und Wohnung.

Überwachungskameras haben ihn im Baumarkt dabei gefilmt, wie er Bambusstämme gekauft hat. Da ist auch Nils Ackermann. Er will die „zarte Seele“ der „Santamaria“, wie sie alle nennen, beschützen. Und hat sich deswegen mit einigen ihrer Liebhaber angelegt. Wer war’s? Mit „Borowski und der coole Hund“ ist Regisseur Alvart ein hochspannender, blutiger und auch brutaler Krimi gelungen, der sich dennoch für die Ausstrahlung um 20.15 Uhr eignet.

Borowski und der coole Hund“ | ARD
Tatort“ mit Sibel Kekilli und Axel Milberg
Sonntag, 20.15 Uhr

Stefanie Nickel