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Medien & TV „Sportschau“ ist immer mehr zur Fußballshow geworden
Nachrichten Medien & TV „Sportschau“ ist immer mehr zur Fußballshow geworden
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21:26 27.05.2011
Von Patrick Hoffmann
Bundestrainer Rudi Völler beschimpft bei „Sportschau live“ 2003 nach dem Spiel Island – Deutschland Waldemar Hartmann stellvertretend für alle Kritiker. Quelle: dpa
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So eine Sondersendung zum 50-jährigen Bestehen ist ja auch immer eine wunderbare Gelegenheit, sich mal wieder seiner Ursprünge zu erinnern. Man zeigt zu so einem Anlass gerne ein paar alte Aufnahmen und lässt verdiente ehemalige Mitarbeiter über die gute, alte Zeit schwärmen. Und natürlich war damals, in den sechziger Jahren, nicht alles besser in der ARD-„Sportschau“, vor allem die Bild- und Tontechnik war teilweise abenteuerlich schlecht. Aber immerhin war die „Sportschau“ tatsächlich noch eine Sport- und weniger eine Fußballschau.

Die große Geburtstagsshow der „Sportschau“ auf dem traditionellen Sendeplatz am heutigen Sonnabend um 18 Uhr im Ersten ist daher auch mehr als eine Revue des Vergangenen, sie ist ein Lehrstück über die sportjournalistische Gegenwart. Seit Jahren schimpfen Verbandsfunktionäre verschiedenster Randsportarten, dass sie in der deutschen Sportsendung Nummer eins kaum noch erwähnt werden. Hier und da werden vom Moderator mal ein paar Ergebnisse aus der deutschen Eishockeyliga oder aus der Handball-Champions-League der Frauen vorgelesen, Bildbeiträge bleiben aber dann doch meist dem Fußball und ein paar populären Männersportarten vorbehalten. Ausnahmen macht die „Sportschau“ eigentlich nur im Winter (Biathlon) und während der Bundesliga-Sommerpause (Tour de France). Bei der ARD werden sie deshalb auch nicht müde, stets zu betonen, dass im Jahresschnitt der Fußball gar keine so große Rolle spiele. Zumal am späten Sonnabendabend ja auch immer mal Sendeminuten mit Boxkämpfen gefüllt werden.

Die Fußballrechte sind teuer, die „Sportschau“ monotoner geworden. Vieles, was nicht Fußball ist, fällt mittlerweile aus dem Programm. Und so ist es heute auch kaum mehr vorstellbar, dass die erste Sendung der „Sportschau“ am 4. Juni 1961 nicht nur zur ungewöhnlichen Zeit am Sonntag um 21.30 Uhr ausgestrahlt wurde, sondern auch ganz ohne Fußball auskam. Auf dem Plan standen stattdessen das Handballländerspiel der Frauen, ein Amateurstraßenrennen, Rudern, die Europameisterschaft der Sandbahnfahrer und Trabrennen.

Fußball kam erst einige Monate später dazu. Altona 93 gegen Tasmania Berlin hieß die Begegnung. 1963 startete dann die Bundesliga, aber erst weitere zwei Jahre später wechselte die „Sportschau“ auf den mittlerweile legendären Sendeplatz am Sonnabend und zeigte Ausschnitte aus der Ersten Liga.

Seither gehört die Fußball-Bundesliga zur „Sportschau“ wie das „’n Abend, allerseits“ zum früheren Moderator Heribert Faßbender. Streit um die Berichterstattung gab es aber auch damals schon, nur waren die Ursachen für den Disput damals geradezu banal im Vergleich zum Millionenpoker heute. Die ARD durfte in den ersten Jahren tatsächlich nur deshalb Zusammenschnitte aus lediglich zwei Spielen zeigen, weil der Deutsche Fußball-Bund damals fürchtete, die Leute würden nicht mehr ins Stadion gehen, wenn zu viel Fußball im TV zu sehen sei. Inzwischen weiß man, dass beides geht: Rundumberichterstattung auf allen Kanälen und volle Stadien.

Dem Erfolg der „Sportschau“ schadete es ohnehin nicht. Sie ist zu einer Institution geworden, mit Rubriken wie dem „Tor des Monats“ und dem „Galopper des Jahres“. Vor allem aber kommt die „Sportschau“ im Vergleich mit dem hektischen, den Sport überhöhenden Stil der privaten Konkurrenz erfreulich nüchtern, fast ein wenig bieder daher. Wie Moderator Gerhard Delling.

Auch Reinhold Beckmann passt zu dieser Sendung, bei Matthias Opdenhövel mehren sich dagegen bereits vor dessen Premiere als „Sportschau“-Moderator die Zweifel. Opdenhövel tritt die Nachfolge von Monica Lierhaus an. Er kommt von PRO7, alleine das disqualifiziert ihn schon bei einigen Skeptikern. Vor allem aber stößt auf Kritik, dass er über sich selbst sagt, dass er Fan sei – auch wenn Volker Herres, der ARD-Programmdirektor, ihn unter anderem für diese Eigenschaft gelobt hat. Opdenhövel reagiert auf seine Art. Es gebe doch ohnehin keinen einzigen Sportjournalisten, der nicht auch Fan sei, hat er jüngst in einem Interview gesagt. Ein paar alte Haudegen aus der Anfangszeit der „Sportschau“ würden ihm da sicherlich widersprechen.

„50 Jahre Sportschau – Die große Geburtstagsshow“ moderiert von Anne Will, Sonnabend, 18 Uhr, ARD

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