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Medien & TV Steven Spielbergs Science-Fiction-Serie „Falling Skies“ startet auf PRO7
Nachrichten Medien & TV Steven Spielbergs Science-Fiction-Serie „Falling Skies“ startet auf PRO7
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19:26 20.11.2011
Von Marina Kormbaki
Nichts ist mehr, wie es mal war: Tom Mason (Noah Wyle, Mitte), Anna Glass (Moon Bloodgood, rechts) und Hal (Drew Roy) nehmen den Kampf gegen die Feinde auf. Quelle: PRO7
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Nach der Apokalypse kommt der Abspann. Über den Alltag in der Endzeit, die tagtäglichen Nöte und Pflichten der Übriggebliebenen mögen sich nur wenige Filmemacher Gedanken machen. Es mag Zufall sein oder nicht, dass Steven Spielberg mit der von ihm produzierten Katastrophenserie „Falling Skies“ ausgerechnet im Jahr 2011 herausgerückt ist – einem Jahr, das mit der sonderbar überraschenden Lehre von der Beständigkeit und Gleichzeitigkeit vermeintlich einzigartiger Krisenerscheinungen aufwartet. Krisen kommen und gehen nicht, sie bleiben. „Deal with it“, sagt der Amerikaner. Komm damit klar.

Panik und Erschrecken sind denn auch längst gewichen, als „Falling Skies“ einsetzt. Die kunstvoll dreckverschmierten Gestalten aus der Serie sind dabei, sich in der Postapokalypse einzurichten. Die Welt um sie herum, das einst stolze Boston, liegt in Schutt und Asche, hier und da steigen noch Rauchsäulen in den rußigen Himmel. Dort oben wimmelt es von blinkenden Raumschiffen. Außerirdische haben die Kontrolle über den Planeten Erde übernommen; spinnenartige Skitters und stampfende Mechs, die in ihrer metallischen Abnormität dem Alu-Alien-Universum eines H. R. Giger entsprungen sein könnten.

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Fiese Geschöpfe sind das, denen letale Laserpointer aus den Fingern wuchern und die ganz bestimmt nicht bloß „nach Hause telefonieren“ wollen. Vor allem auf Kinder haben sie es abgesehen. Ihnen implantieren sie schwülstiges Gurtzeug auf den Rücken und machen sie so zu willenlosen Arbeitszombies. Mit der netten Truppe von E. T. haben diese Spielberg-Kreaturen nichts gemein.

Wo sie sind, herrscht Chaos. Strom- und Straßennetze sind zerstört, die Lebensmittelvorräte Bostons sind nun aufgebraucht. Eine Gruppe Überlebender macht sich auf, die tote Stadt zu verlassen, angeführt vom Familienvater Tom Mason (Noah Wyle). Masons Frau starb bei der Invasion. Ben, den mittleren seiner drei Söhne, haben die Aliens entführt. Im früheren Leben war Mason Geschichtsprofessor. Keine schlechte Grundausbildung für eine Führungsposition im Feldzug gegen Außerirdische. Strategiekünste von Alexander dem Großen und der Pioniere im Ersten Weltkrieg, auf die sich Mason gern besinnt, scheinen jedenfalls von zeitloser Gültigkeit zu sein.

Bei allem Guerilla-Gerede kommen Masons Söhne allerdings zu kurz: Der Jüngste, Matt (Maxim Knight), ist viel allein, der Älteste, Hal (Drew Roy), zieht hitzköpfig von einem Kampf in den nächsten. Die Unerschütterlichkeit familiärer Bande, Zusammenhalt und Machtkämpfe in Schicksalsgemeinschaften sind denn auch – trotz aller krachenden Action – das eigentliche Thema von „Falling Skies“.

Das von Spielberg und Robert Rodat („Der Soldat James Ryan“) verfasste Drehbuch liefert reichlich Stoff für eine nicht selten von Pathos getragene Familienserie. So ist auch zu erklären, dass sie ausgerechnet Noah Wyle für die Hauptrolle erkoren haben, der hat in der Krankenhausserie „Emergency Room“ lange Jahre den treusorgenden Dr. John Carter gegeben. Wenn Wyle sich jetzt, mit Vollbart und Gewehr im Anschlag, über einen röchelnden Alien beugt, meint man, er zücke gleich das Stethoskop.

Sechs Millionen Menschen schauten zu, als „Falling Skies“ im Juni dieses Jahres zum ersten Mal im US-Fernsehen lief. Das familiäre Gefühlsgewirr und die effektreiche Alien-Action machen „Falling Skies“ zum spannenden Abendprogramm. Wirklich verstörende Einblicke in eine Dystopie, in eine Gesellschaft der unheilvollen Krisenpermanenz bietet die Serie leider selten. Aber dafür bedarf es auch keiner Aliens. Dafür bedarf es nicht einmal eines Fernsehers.

„Falling Skies“ | PRO7
Science-Fiction-Serie von Steven Spielberg
montags, 20.15 Uhr