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Medien & TV Im Caddy mit dem König
Nachrichten Medien & TV Im Caddy mit dem König
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19:43 28.08.2013
Von Karsten Röhrbein
Herrscher über 250.000 Menschen in Ghana: Thorsten Eppert (r.) mit König Céphas Bansah – im Hauptberuf Kfz-Meister in Ludwigshafen. Quelle: ZDF
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Wer Macht hat, spricht nicht gern darüber. Deutsche-Bank-Boss Anshu Jain etwa lehnte ein Interview ab, auch von Daimler-Chef Dieter Zetsche kam eine Absage. Genau wie von 52 weiteren Alphatieren aus Wirtschaft und Politik. Reporter Thorsten Eppert gab dennoch nicht auf – und landete schließlich bei König Bansah. Der herrscht – wie sein Vater – im Osten Ghanas über rund 250 000 Menschen. Im Hauptberuf aber ist er Kfz-Meister. Und betreibt eine Autowerkstatt in Ludwigshafen. Die besten Geschichten – das zeigen die neuen Folgen der ZDFneo-Reportagereihe „Herr Eppert sucht ...“ – liegen manchmal tatsächlich vor der Haustür.

Das heimatnah Exotische, das manchmal amüsant, aber meist auch sehr befremdlich sein kann, suchen zurzeit viele Reporter. Erst am Montag startete auf Pro7Olli in the Box“. TV-Anarcho Olli Schulz besuchte eine eigenwillige Hippie-Kommune in Berlin. Um den Regenwald zu retten, stellen die Umweltaktivisten selbst gedrehte Sexfilme ins Internet und verteilen veganes Essen vor Fastfoodkettenfilialen. Der mit sich und dem dogmatischen Cheftheoretiker der Kommune ringende Schulz hatte großen Unterhaltungswert. Länger im Geschäft ist Epperts ZDFneo-Kollege Manuel Möglich, der in der Reihe „Wild Germany“ die Zuschauer mit auf Entdeckungsreise in bizarre Milieus wie etwa zu Schamanen nahm.

Der gutmütige Thorsten Eppert kommt auch ohne gruselige Gestalten gut aus: Er hat Lust, das vermeintlich Alltägliche in neuem Licht zu zeigen. Er hat schon viel gesucht: das Gute, das Böse, Glück, Liebe, Tod und einmal sogar Ruhe. In einer der besten Folgen, es ging um Geld, begleitete Eppert einen Tagelöhner und einen frisch aus dem Knast entlassenen Geldfälscher. Gescheitert, aber dennoch zufrieden.

Herr Eppert ist ein Suchender, aber auch er ruht dabei in sich. Kein Wunder, seit 2008 ist der Familienvater sein eigener Chef. Nach dem Abi in Kaiserslautern schrieb er für die „Allgemeine Zeitung“ in Ingelheim, begann nach dem Zivildienst ein Medizinstudium, schwenkte dann auf Volkswirtschaftslehre um und studierte schließlich Politikwissenschaften an der London School of Economics, ehe er für das ZDF Reportagen drehte. Seit fünf Jahren hat er mit Nord­end-Film seine eigenen Produktionsfirma, mit der er auch „Herr Eppert sucht ...“ konzipiert hat. „Viele Leute haben Interesse, die kleinen Geschichten vor der Haustür zu sehen“, sagt der 40-Jährige, der als ZDF-Auslandskorrespondent unter anderem in Südkorea, den USA und Rumänien unterwegs war. „Womöglich kann man durch sie mehr für sich mitnehmen, als durch Berichte aus sehr weit entfernten Ländern.“ Fast zwei Tage lang begleitet Thorsten Eppert deshalb König Bansah, um Antworten auf die Frage zu bekommen, was das denn eigentlich bedeutet, Macht zu haben. Eine abschließende Antwort findet der Koteletten- und Kinnbartträger freilich nicht. Macht nichts. Die Stärke von Eppert ist der Weg, nicht das Ziel.

Als König Bansah seine Ankunft beim örtlichen Golfklub möglichst perfekt inszenieren möchte, lässt Eppert ihn gewähren: Zweimal lässt der Mann mit dem bunten Gewand seinen Fahrer vorfahren, ehe er mit seinem Auftritt bei einer Spendensammlung für Afrika zufrieden ist. Ein bizarres Schauspiel. Anschließend dreht er noch eine Runde mit dem Caddy über den Golfplatz, dann fährt der Autoschrauberkönig heim in seine Werkstatt: Mit Schiebermütze statt Krone hockt er sich mit dem Reporter unter einen aufgebockten Wagen und sinniert über der Wert von Tradition und seinen „schwarzen Freund“ Helmut Kohl.

Höflich aber beharrlich hakt Eppert nach, ob dem Alt-Bundeskanzler angesichts der CDU-Schwarzgeldkonten die Macht nicht zu Kopf gestiegen sei. „Nein, nein“, sagt der Kfz-Meister entschieden, „er hat alles perfekt gemacht.“ Widerrede zwecklos. Und keinen Streit im Fernsehen, bitte. In der Redaktion ergänzt Eppert einen Off-Kommentar: „Wir streiten uns kurz über Kohl und Hoeneß. König Bansah sagt, sie hätten keine Strafe verdient.“ Diese Interventionen blieben aber die Ausnahme, betont der Filmemacher. „Was ich tunlichst zu vermeiden versuche, ist, dem Gesprächspartner im Nachhinein einen mitzugeben. Der Zuschauer soll sich selbst ein Bild machen.“

Doch bei Medienprofis stößt das Prinzip an Grenzen: Ex-RTL-Geschäftsführer Helmut Thoma etwa, den Eppert neben der Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht ebenfalls zu Macht befragt, versteht es, sich beim Waldspaziergang als jovialer Menschenfreund zu inszenieren. „Muss man Schwein sein, um da hochzukommen?“, fragt Eppert. „Ich hab’s versucht, nicht zu sein“, antwortet der einst mächtigste Mann des Privatfernsehens.

Das hat aber offenbar nicht immer geklappt: Als Eppert ihn auf seinen langjährigen Vertrauten, den Ex-RTL-Chefredakteur Hans Mahr, anspricht, mit dem Thoma nicht nur wegen einer Frauengeschichte über Kreuz liegt, platzt es aus ihm heraus: „Er hat den Charakter eines Fußpilzes.“ Mehr erfährt man aber nicht über Thoma und die Macht. Seine Sendung solle Anstöße zum Weiterdenken geben, keine abschließenden Antworten, sagt Eppert. Ideen hat er noch viele: Den Wahnsinn würde er gerne noch suchen. Oder das Limit. Eine schöne Vorstellung.

„Herr Eppert sucht ...“ | ZDFneo
Reportagereihe. Auftakt der vierten Staffel Donnerstag, 23 Uhr 

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