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00:15 11.11.2013
Von Hannah Suppa
Perfide Machtspiele in Washington: SAT.1 zeigt den US-Serienhit "House of Cards" ab 10. November 2013, um 23:15 Uhr. Quelle: SAT.1/Netflix
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Jetzt muss er erst mal eine rauchen. Im Dunkeln, am Fenster, eine Zigarette aus dem ordentlich drapierten Silberdöschen. Einen Moment alleine sein, bis der Zorn in einen Plan umschlägt. Francis „Frank“ Underwood (Kevin Spacey) hatte einmal nicht alles vorausgesehen und seiner eigenen Maxime zuwider gehandelt, niemandem, aber auch wirklich niemandem zu vertrauen. Nun wird der demokratische Kongressabgeordnete nicht Außenminister, obwohl er den Präsidenten gerade erfolgreich durch den Wahlkampf geführt hat. „Sie werden weiter im Kongress gebraucht“, sagt die Beraterin des US-Präsidenten. Das war nicht der Plan, also muss ein anderer her. Und der sieht Rache vor.

Auf dem Plakat zur Serie „House of Cards“ sitzt Kevin Spacey in einem Ebenbild des großen marmornen Präsidentensessels im Memorial für Abraham Lincoln in Washington. Die Hände liegen präsidial auf den Lehnen – doch bei Spacey tropft Blut von ihnen. Da will einer die Macht, egal mit welchen Mitteln. Dieser fintenreiche Francis Underwood kennt alle Tricks der politischen Klasse. Er ist Teil des „Inner Circle“ aus Politikern, Lobbyisten, Medien und Beamten; und als Anpeitscher dafür verantwortlich, politische Mehrheiten zu garantieren. Wie? Da fragt lieber keiner nach. Ethik? Moral? Hier regiert der Machiavellismus.

Dieser Underwood traut keinem – nur dem Zuschauer. Der wird in seine Finten eingeweiht, in Teilen zumindest: Kevin Spacey monologisiert stellenweise direkt in die Kamera und durchbricht damit die vierte Wand der Theatertheorie:  Er spricht den Zuschauer aus der Handlung heraus direkt an. Wir sind damit Teil seiner Schachzüge. Das ist clever: Wer einmal Einblick in Underwoods Gedankenwelt erhält, mag nicht so schnell wieder heraus.

Muss er auch nicht. Der Stream-Anbieter Netflix stellte in den USA die ersten 13 Folgen von „House of Cards“ gleich zum Serienstart zum Streamen ins Internet. Und folgt damit dem Zuschauerverhalten: Denn wann und wie viel geschaut wird, möchte der immer öfter doch bitte schön selbst entscheiden – und nicht von einem Sender diktiert bekommen. Auch wenn dabei dann „Binge Watching“ herauskommt, „Komaglotzen“ nach dem Vorbild von „Komasaufen“. Eine Staffel an einem Wochenende? Soll zumindest möglich sein. Und so ist es auch nur schwer vorstellbar, bei SAT.1 tatsächlich Woche um Woche auf den nächsten Haken von diesem Francis Underwood warten zu müssen. Doch der Sender plant die Ausstrahlung klassisch: Sonntagabend, 23.15 Uhr, je eine Folge. Hier konnte man bis vor einer Woche noch Claire Danes als CIA-Agentin Carrie Mathison in „Homeland“ einen Terroristen lieben und jagen sehen. Auch so ein „Binge Watching“-Kandidat.

Das Engagement von Netflix gilt als wegweisend: Hier steht erstmals kein großer Fernsehsender hinter einer Mammut-Produktion. Dafür gab es gleich mal zahlreiche Emmy-Nominierungen. Bekommen hat den TV-Preis dann Regisseur David Fincher („Fight Club“, „Verblendung“), der die Produktion betreut und für die ersten beiden Episoden verantwortlich zeichnete. „House of Cards“ basiert auf einer BBC-Miniserie aus dem Jahr 1990 nach einem Roman von Michael Dobbs.

An Underwoods Seite stehen zwei Frauen, natürlich. Seine ebenso kühl kalkulierende Ehefrau Claire (imposant: Robin Wright) ist die einzige, die ihn nicht „Frank“, sondern förmlich distanziert beim Vornamen „Francis“ nennt. Sie lieben sich, aber sie sind pragmatische Lebenspartner, stets auf das Vorankommen bedacht. „Du bist besser als das, ich akzeptiere keine Entschuldigungen. Mein Mann entschuldigt sich nicht, auch nicht bei mir“ – so empfängt Claire Francis zu Hause nach seiner Niederlage.

Sie kommentiert auch nur trocken das Dekolleté der jungen Journalistin Zoe Barnes (Kate Mara), als die eines Nachts vor der Tür steht: „Funktioniert das für irgendwen?“ Die Reporterin scharrt schon seit Längerem mit den Hufen, will politisch schreiben und wird doch nicht gelassen. Mit Underwood geht sie einen Pakt ein: „Ich drucke, was immer Sie mir erzählen, und ich stelle niemals Fragen.“ Eine fragwürdige Auffassung von Journalismus, wird sie doch schnell zur Schachfigur dieses Taktierers – und findet sich im Dreieck aus Politik, Macht und Sex wieder.

House of Cards“ ist ein Musterstück der politischen Intrige, folgt allen Regeln Machiavellis und der Shakespearschen Dramen. Da sitzt der Marionettenspieler Underwood ganz vorne bei der Vereidigung des amerikanischen Präsidenten und wendet sich zu uns: „Wenn die Leute in Jahrhunderten diese Aufnahmen sehen, wen sehen sie dann am Rand des Bildes lächeln?“. Und dann winkt er direkt in die Kamera. Willkommen in Washington.

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