Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Medien & TV „Tatort“-Kritik: Göttinger Eiszeit
Nachrichten Medien & TV „Tatort“-Kritik: Göttinger Eiszeit
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:04 03.02.2019
Kratzbürstig zueinander: Die Ermittlerinnen Anaïs Schmitz (Florence Kasumba, links) und Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler). Quelle: Foto: Christine Schroeder/NDR
Anzeige
Göttingen

Während andere „Tatort“-Teams teilweise bis zu dreimal pro Jahr ermitteln, hat sich Charlotte Lindholm zuletzt etwas rargemacht. Den letzten Film mit Maria Furtwängler als niedersächsische LKA-Kommissarin hat die ARD im Herbst 2017 ausgestrahlt.

Die Pause wird ihre Gründe haben, aber sie lässt sich auch inhaltlich rechtfertigen: „Der Fall Holdt“ war ein Desaster, nicht etwa filmisch, aber für Lindholm, weil die Heldin nach allen Regeln der Kunst demontiert wurde. Nun ist sie wieder da, und tatsächlich ist der 26. Fall eine Art Neustart.

Im Göttingen-„Tatort“ spielt Furtwängler alias Charlotte Lindholm erstmals an der Seite von Florence Kasumba alias Anaïs Schmitz, weil Lindholm nach Göttingen strafversetzt wurde.

Auch wenn die Hauptkommissarin das zunächst nicht wahrhaben will. Sie ist vom LKA Hannover nach Göttingen versetzt worden, was sie selbstredend als Degradierung empfindet. Überzeugt, dass ihr Aufenthalt nur vorübergehend ist, bemüht sie sich gar nicht erst um einen guten ersten Eindruck. Sie sei kein Teamplayer, verkündet sie im neuen Kollegenkreis, habe aber ein Problem, wenn Mitarbeiter nicht auf ihrem Niveau ermittelten, und sei ohnehin in zwei Wochen wieder weg.

Tatort“: Wieso diese absurde Ohrfeige?

Diese Arroganz hat prompt zur Folge, dass Lokalmatadorin Anaïs Schmitz (Florence Kasumba) ihr fortan mit klirrender Kälte begegnet. Das Duo hat ohnehin einen denkbar schlechten Start. Bei der ersten Begegnung am Tatort, einem heruntergekommenen Umkleideraum, hat Schmitz eine Klosaugglocke in der Hand und einen Kittel an, weshalb Lindholm sie für die Putzfrau hält – möglicherweise ja, weil die Kollegin mit dem Allerweltsnachnamen afrikanische Wurzeln hat und in deutschen Hirnen noch immer Reste des alten Kolonialherrentums herumspuken.

Die eisige Schmitz muss zudem noch eine Macke haben: Als Lindholm sie auffordert, endlich den „Hintern hoch“ zu kriegen, verpasst die Kollegin ihr im Handumdrehen eine schallende Ohrfeige.

Dieser Moment ist derart absurd, dass viele Zuschauer vermutlich ähnlich verblüfft sein werden wie die abgewatschte Kommissarin selbst. Schmitz erklärt den Ausraster mit „mangelnder Impulskontrolle“, bereut die Aktion jedoch nicht. Kein Wunder, dass die beiden Frauen immer wieder aneinandergeraten; dabei ist doch schon der lächerliche Ludwigshafener Zickenkrieg zwischen Lena Odenthal und ihrer jungen Kollegin Stern vielen „Tatort“-Fans ziemlich bald auf die Nerven gegangen.

Aber sie müssen ja beim „Tatort“ trotzdem einen Fall klären

Zum Glück raufen sich die beiden Hauptkommissarinnen doch noch irgendwie zusammen. Das müssen sie auch, schließlich hängt vermutlich das Leben eines Kindes davon ab, dass sie an einem Strang ziehen. Die Handlung beginnt schmerzhaft: Die 15-jährige Julija hat aus heiterem Himmel rasende Unterleibskrämpfe – die junge Lilly Barshy spielt diese Szenen mit großer Glaubwürdigkeit. Weil dem Mädchen nicht klar ist, dass es eine Schwangerschaft verdrängt hat, bleibt zunächst offen, was sich schließlich in dem verlassenen Umkleideraum ereignet: Julija hat ein Kind zur Welt gebracht. Das Baby ist jedoch verschwunden.

Was mit ihm geschehen ist, will das Mädchen viel später, als es endlich ins Krankenhaus eingeliefert worden ist, nicht verraten. Die Identität des Erzeugers bleibt ebenfalls ein Geheimnis. Einziger Hinweis ist ein Ring mit einer Teufelsfratze. Darstellerisch mindestens so interessant wie Lilly Barshy ist Emilio Sakraya. Er spielt Julijas Halbbruder Nino, der sich der Familie aber nicht mehr nähern darf, seit er seinen Stiefvater verprügelt hat. Der alte Petkow (Merab Ninidze) ist ein gottesfürchtiger Mann, der seine ältere Tochter vergöttert, weshalb die Ermittlerinnen irgendwann überzeugt sind, dass er Julija womöglich zu nahe gekommen ist.

Junge Darsteller setzen dem Zickenkrieg etwas entgegen

Nino ist dennoch die weitaus interessantere männliche Figur. Der Junge hat nach Ansicht seines Trainers (Oliver Stokowski) eine aussichtsreiche Karriere als Martial-Arts-Kämpfer vor sich; Emilio Sakraya macht seine Sache auch im Ring bemerkenswert gut. Nino sorgt dafür, dass Julija von der Straße kommt, aber selbst ihm verrät sie nicht, wer der Vater des Kindes ist.

Das war in diesem Fall auch deshalb wichtig, weil die Krimiebene bei einer weniger bemerkenswerten Leistung der jungen Mitwirkenden keine Chance gegen den Zickenkrieg der beiden Polizistinnen gehabt hätte. Zum Glück versöhnen sich die Frauen am Ende. Beim nächsten Mal sind sie dann hoffentlich von Anfang an nett zueinander. Eine Fortsetzung des Krallenausfahrens und Zähnezeigens würde jedenfalls als außerordentlich nervig empfunden werden.

Ungleich pfiffiger als die Dauerfehde sind ohnehin die amüsanten Intermezzi mit Daniel Donskoy als charmanter Rechtsmediziner. Der gebürtige Moskauer hat schon in der Titelrolle der RTL-Serie „Sankt Maik“ großen Spaß gemacht.

Von Tilmann P. Gangloff/RND

Bei „The Biggest Loser“ haben sie als Kandidaten abgespeckt – aber was machen die Gewinner der TV-Show heute? So sieht inzwischen ihr Leben aus.

03.02.2019

Seit Ende November läuft die Serie „Das Boot“ auf dem Bezahlsender Sky. Bald sollen aber auch alle anderen Fernsehnutzer die erste Staffel sehen können, denn das ZDF strahlt diese aus.

03.02.2019

Im Oktober hat Dieter Bohlen den Straßenmusiker Nick Ferretti zufällig auf Mallorca gehört – und prompt zum Casting von DSDS eingeladen. Der muss sich jetzt vor der Jury behaupten.

02.02.2019