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Medien & TV „Tatort“ aus Dortmund: Lohnt das Einschalten?
Nachrichten Medien & TV „Tatort“ aus Dortmund: Lohnt das Einschalten?
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07:40 19.01.2019
Nicht gut Kirschen essen: Reichsbürger Friedemann Keller (Götz Schubert, links) regiert in seinem „Freien Reich Frieden“, davon will sich Kommissar Peter Faber (Jörg Hartmann) selbst ein Bild machen. Quelle: Foto: Thomas Kost/WDR
Dortmund

In den Reiki-Praxen knallen am Sonntagabend die Sektkorken. Soviel Werbung hat es für diese esoterische Heilmethode selten gegeben. Im neuen Dortmunder-„Tatort: Zorn“, den Regisseur Andreas Herzog nach einem Drehbuch von Jürgen Werner inszeniert hat, bewirkt Reiki nämlich wahre Wunder.

So deprimierend wirkte das Ruhrgebiet lange nicht mehr

Zumindest bei der eigentlich so skeptischen Kommissarin Martina Bönisch (Anna Schudt), die sich diesmal nicht mit fragwürdigen Geliebten herumschlägt, sondern ganz böse Rücken hat. Und dann – nach ein paar Besuchen bei einem Reiki-Heiler, ganz viel esoterischem Klimbim und dem dazugehörigen Chakra-Geklapper – sind ihre Schmerzen tatsächlich verschwunden. Ja, Wunder gibt es immer wieder.

Aber leider nicht für die zornigen alten Männer, die Bewohner einer ehemaligen Zechensiedlung in Dortmund. Das verraten schon die Anfangsszenen des Films, die eine Stadt zeigen, die unter einem schwarzweißen Grauschleier zu liegen scheint. Ein düsterer Himmel, kaputte Straßen und heruntergekommene Häuser sowie eine stillgelegte Zeche vermitteln fast den Eindruck einer Geistersiedlung. So deprimierend wirkte das Ruhrgebiet jedenfalls lange nicht mehr.

Und nach diesem trübsinnigen Auftakt folgt gleich die für den Krimi benötigte Leiche: Ein Mann wird aus dem Kanal gezogen. Und da er zuvor erschossen worden ist, ist das natürlich ein Fall für das Dortmunder Ermittlerteam um den cholerischen Peter Faber (Jörg Hartmann), der in diesem Fall so ungewohnt handzahm wirkt, dass er fast zur Sympathiefigur taugt.

Ein engagierter Bergmann wird ein toter Bergmann

Bei dem Toten handelt es sich um den ehemaligen Bergmann Andreas Sobitsch, der in der zuvor gezeigten Siedlung zu Hause gewesen ist. Und er ist Sprecher gewesen einer Initiative, die sich für die Interessen der Bewohner einsetzt. Diese kämpft für eine höhere Entschädigung für die Häuser, die wegen illegaler Schächte einsturzgefährdet sind.

Aber die Zechengesellschaft will nur 20 000 Euro pro Haus zahlen und im Übrigen die alte Industrieanlage in einen Freizeitpark mit Geisterbahn und ähnlichen Fahrgeschäften umwandeln. Auch dieser merkwürdige Plan schürt den Zorn der alten Bergleute.

Aber auch im Dortmunder Kommissariat herrscht wie immer eigentlich dicke Luft. Bönisch muss sich nicht nur mit Faber herumschlagen, was ja allein schon ein Fulltimejob ist, sondern mit dem ständigen Konflikt zwischen Nora Daley (Aylin Tezel), die diesmal angestrengt teeniehaft agiert, und dem fast noch Neuen im Team, dem recht eigenwilligen Jan Pawlak (Rick Okon).

Die Schlapphüte vom Inland-Geheimdienst spielen auch eine Rolle

Und natürlich mit ihren Rückenschmerzen. Da hilft auch kein Raki mehr, da muss Reiki her. Obendrein ist da noch der Verfassungsschutz, der irgendwie in den Fall involviert zu sein scheint. Auch dieser Inland-Geheimdienst sollte es vielleicht mal mit Esoterik versuchen, um sein Image wundersam zu verbessern. In Fernsehkrimis, zuletzt erst im Wiener-„Tatort“, spielen die Schlapphüte jedenfalls stets eine äußerst zwielichtige Rolle. Und genau das geschieht jetzt wieder in „Zorn“.

Allerdings ist Verfassungsschützerin Klarissa Gellwitz (Bibiana Beglau), mit der es Faber zu tun hat, die einzige Person, die in diesem düsteren Krimi gute Laune verbreitet. Und nur manchmal entgleitet ihr dann doch die Contenance. Besonders wenn es um ihren V-Mann geht, um einen Reichsbürger (Götz Schubert), der offenbar engen Kontakt mit dem ermordeten Bergmann gehabt hat.

Mehr darf aber hier nicht verraten werden. Der Rest des Falls ist dann eine gute und manchmal sogar spannende Mischung aus erstaunlich realistisch wirkender Ruhrpottromantik und ordentlich konstruierter Krimihandlung, die bisweilen sogar komödiantische Züge trägt. Eine Geschichte also, die trotz finsterer und hoffentlich überzeichneter Verfassungsschutz-Aktivitäten erstaunlich bodenständig daherkommt.

Ein „lecker Pils“ spart den Besuch beim Reiki-Heiler

Dazu kommt noch das übliche unterhaltsame Dortmunder Gepolter. Und wenn die Story gerade mal ein bisschen lahmt, bestellt sich Faber auch im Dienst einfach „ein lecker Pils“. Das kann Wunder bewirken und spart den Besuch beim Reiki-Heiler.

Von Ernst Corinth / RND

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