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Medien & TV Theaterregisseur verfilmt Woyzeck in Berlin
Nachrichten Medien & TV Theaterregisseur verfilmt Woyzeck in Berlin
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08:40 25.07.2012
„Wie tief kann der Mensch fallen?“ Nora von Waldstätten und Tom Schilling am Set. Quelle: dpa
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Berlin

Klassiker gibt’s längst nicht nur im Theater: Philipp Stölzl verfilmte das Leben des jungen Goethe mit Alexander Fehling und Moritz Bleibtreu fürs Kino, Leander Haußmann adaptierte für 3sat Schillers „Kabale und Liebe“. arte feierte Jane Austen und schickte im ziemlich kitschigen Vierteiler „Lost in Austen“ eine Frau aus der Gegenwart in die Welt aus „Stolz und Vorurteil“ zurück.

Der Theater- und Filmregisseur Nuran David Calis macht es andersherum und holt Georg Büchners Antihelden Woyzeck fürs Fernsehen ins Hier und Heute. Genauer: in den Berliner Stadtteil Wedding. Produzentin Jean-Young Kwak erklärte gestern zum Beginn der Dreharbeiten: „Im Wedding bündeln sich internationale und soziale Strömungen. Das führt auch zu Problemen. Deshalb sind wir hier genau richtig.“

Ein Hinterhof in der Nähe des Humboldthains wurde für das Filmbild Nummer 18 mit einer Wohnwagenattrappe, einem billigen Herzmobilé und den Großbuchstaben „Sex“ in ein Rotlichtviertel verwandelt. In der Produktion von ZDFkultur, 3sat und arte ist Woyzecks Nebenbuhler, der Tambourmajor, nämlich eine Berliner Kiezgröße. Die Erbsen, die Woyzeck im Original bei einem medizinischen Experiment schluckt, werden im Film zu Szenedrogen. So halluziniert sich Tom Schilling in der Titelrolle durch Berlin und entführt seine untreue Frau Marie (Nora von Waldstätten) und das gemeinsame Kind schließlich in die Tiefen eines U-Bahn-Tunnels.

Calis, der wie schon für die Filmadaption von Frank Wedekinds „Frühlings Erwachen“ das Drehbuch geschrieben hat, macht Woyzeck vom Soldaten zum ehemaligen Restaurantbesitzer, der seinen Laden zurückgewinnen will. Womit der Film sich weit vom Theaterstück entfernt – schließlich hat der moderne Woyzeck ein klares Ziel vor Augen, während sich die von Büchner angelegte Figur ohne Unterlass und ohne Hoffnung abrackert.

Calis, der am Schauspielhaus Hannover nicht nur mit „Frühlings Erwachen“, sondern auch mit frühen Produktionen wie „Urbanstories“ von sich reden machte und auch in Stuttgart, am Deutschen Theater Berlin und am Thalia-Theater Hamburg Regie führte, will mit seinem Film „ein computertomografisches Abbild unserer Gesellschaft“ liefern, dem „Fatalismus der Armen“ nachspüren und die Frage nach der „deutschen Identität“ stellen. Anspielend auf Woyzecks berühmtes Zitat „Der Mensch ist ein Abgrund, es schwindelt einem, wenn man hinabsieht“, sagte Calis: „Ich will überprüfen, ob sich unsere Welt auch 200 Jahre später noch vor diesem Abgrund befindet. Und wenn ja, wie tief der Mensch in diesen Abgrund heute fallen kann. In der Welt gibt es kein Ordnungsprinzip. Die Welt ist nichts als eine Illusion.“

Die Adaption von Georg Büchners bekanntestem Theaterstück soll 2013 ausgestrahlt werden, wenn sich der Geburtstag des Schriftstellers zum 200. Mal jährt. „Woyzeck“ wurde bereits zwölfmal verfilmt, unter anderem 1947 von Georg Klaren für die DEFA-Adaption „Wozzeck“ mit Kurt Meissel. Bei Werner Herzogs „Woyzeck“ (1979) spielten Eva Mattes und Klaus Kinski die Hauptrollen. Tom Schilling, bekannt aus „Crazy“, „Napola“ und „Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe“, wirkte dagegen gestern am Set ein wenig blass. Von Büchner, so sagte er, habe er vor Drehstart noch nie etwas gehört.

Nina May

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