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Medien & TV Vladimir Burlakov: „Ich bin kein ‘Tatort’-Gucker“
Nachrichten Medien & TV Vladimir Burlakov: „Ich bin kein ‘Tatort’-Gucker“
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11:45 01.04.2019
Erst nett, dann fies: Hannes (Vladimir Burlakov) präsentiert sich der Ärztin Malu (Josephine Preuß) gegenüber zunächst als perfekter Freund, doch irgendwann fliegen seine Lügen auf. Quelle: SAT.1/Gordon Mühle
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Hannover

Sein Filmdebüt gab er 2010 mit der Hauptrolle im Krimimehrteiler „Im Angesicht des Verbrechens“. Derzeit steht der 1987 in Moskau geborene Schauspieler Vladimir Burlakov als neuer „Tatort“-Ermittler Leo Hölzer im Saarland vor der Kamera. Heute, am Montagabend, zeigt er aber erstmal eine andere Seite seiner Schauspielkunst. In „Dein Leben gehört mir“ (Sat.1, 20.15 Uhr) spielt der 32-Jährige einen Mann, der die Ärztin Malu stalkt und bedroht – eine Rolle, die ihn gereizt hat.

Herr Burlakov, wir führen dieses Interview am Telefon. Wo erreiche ich Sie gerade?

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Ich bin gerade im Fitnessstudio, aber ich habe eine ruhige Ecke gefunden.

Ernsthaft? Sind Sie da jeden Tag?

Na ja, so vier- bis fünfmal pro Woche bin ich schon im Fitnessstudio.

Trainieren Sie für sich oder als Vorbereitung auf Ihre Rollen?

Eigentlich beides. Wenn ich keinen Sport mache, habe ich für manche Rollen nicht so viel Energie. Wenn ich keinen Sport mache, spüre ich mich nicht. Es ist aber als Schauspieler wichtig, sich zu spüren.

In „Dein Leben gehört mir“ spielen Sie einen frauenverachtenden Stalker, gerade stehen Sie zum ersten Mal als saarländischer „Tatort“-Kommissar vor der Kamera, der typischerweise ein Held des Abendfernsehens ist. Was spielen Sie lieber? Held oder Bösewicht?

Das kommt total drauf an. Einen Bösewicht zu spielen kann grundsätzlich mehr Spaß machen, weil er einfach weniger Grenzen hat. Böse Charaktere bewegen sich an Abgründen und dürfen Grenzen überschreiten.

Wie sind Sie auf die Rolle des Stalkers Hannes zugegangen? Er entwickelt sich im Laufe des Films relativ schnell vom Prince Charming zu einem absoluten Widerling.

Absolut. Bei solchen Figuren ist es wichtig, dass man sie versteht. Ich entwickle dann eine Hintergrund-geschichte, um zu erklären, warum dieser Mensch so geworden ist, wie er jetzt ist. Viele Sachen, die auf sein Innenleben und auf seine Vergangenheit hindeuten, haben es dann aber doch nicht in den Film geschafft.

Was haben Sie sich überlegt?

Das verrate ich nicht. Ich lasse mir nicht gerne in die Karten gucken.

Ziehen Sie Parallelen zwischen sich und dem Stalker Hannes?

Hm. Also eine Schnittmenge ist bei vielen Leuten bestimmt die Eifersucht. Stalkerqualitäten habe ich persönlich aber definitiv nicht. Das spielt ja auch keine Rolle. Man muss ja niemanden getötet haben, um einen Mörder zu spielen.

Erzählen Sie uns noch einmal von Ihrer Rolle im „Tatort“ – von Leo Hölzer.

Ich finde die Rolle richtig spannend – Leo ist nämlich nicht nur ein Ermittler, sondern hat auch etwas von einem Psychologen. Weil ich schon seit knapp einem Jahr weiß, dass ich beim „Tatort“ Ermittler sein werde, hatte ich wirklich lange Zeit zum Vorbereiten. Deswegen hat sich beim ersten Drehtag auch nicht wie sonst alles ganz neu angefühlt.

Ist Leo Hölzer ein Ermittler, der laut ist und auch mal auf den Tisch haut?

Leo lässt den Boss nicht raushängen, vielmehr beobachtet er Menschen sehr genau. Er hat etwas ganz Präzises, er kombiniert und analysiert. Und er hört ganz genau zu. Das ist eine Qualität, die in der heutigen Gesellschaft oft total verloren geht.

Sie scheinen mit Ihrem Rollenprofil ein Experte für Krimis zu sein – warum gibt es in Deutschland eigentlich so eine Krimibegeisterung?

Das weiß ich nicht. Aber ich würde mir wünschen, dass auch andere Genres mehr Beachtung finden. Gute, ernsthafte Dramen sollten im Fernsehen präsenter sein.

Wie sieht das bei Ihnen mit der Krimileidenschaft aus?

Ich bin selbst nicht jemand, der jeden Sonntag „Tatort“ guckt. Wobei sich das in den letzten zwei Jahren verändert hat – einfach, weil es so viele gute „Tatort“-Filme gab.

Haben Sie ein Lieblingsermittlerteam beim „Tatort“ – außerhalb des Saarlands natürlich?

Ein Lieblingsermittlerteam habe ich tatsächlich nicht. Wenn dem Film ein gutes Drehbuch zugrunde liegt, sind alle Kommissare super. Der „Tatort“ ist ja doch so ein Ritterschlag.

Fühlt sich die Rolle für Sie auch wie ein Ritterschlag an?

Das ist wahrscheinlich eine Sache der Perspektive. Ich kann mir vorstellen, dass eine jüngere Generation das ganz anders sieht als ich. Wahrscheinlich finden die eher, dass man es geschafft hat, wenn man eine Hauptrolle in einer Netflix- oder Amazon-Serie hat. Ich persönlich sehe den „Tatort“ aber als deutsches Kulturgut. Für mich ist das etwas Besonderes.

Von Geraldine Oetken / RND

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