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16:52 05.08.2011
Wirkt nur real und nicht virtuell: ein kühles Weizen.
Wirkt nur real und nicht virtuell: ein kühles Weizen. Quelle: FH
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Mein alter Freund Konstantin sitzt mir in der Kneipe gegenüber. Und ohne Vorwarnung blafft er mich an: „Jetzt lass doch mal dein blödes Handy in Ruhe!“ Ich muss erklären: „Das ist kein Handy, das ist ein Smartphone!“ Mit Internet. Eigentlich habe ich gar nicht so oft drauf geschaut: Hat jemand auf Twitter was Nettes geschrieben? Wie kommen meine Bilder an, die ich gerade in genialer Perspektive vom Weizenbierglas geknippst habe? Trotz Kneipe, trotz Konstantin war ich eben auch: online. „Es stört mich sowieso,“ motzt mein (ich setze ihn jetzt mal in Anführungszeichen) „Kumpel“ dann weiter, „dass du gleich jeden Scheiß ins Netz stellst. Und du fragst noch nicht einmal, ob ich vielleicht was dagegen habe!“ Und Zack: Die Diskussion zwischen Nerd und Normalo möge beginnen!

Sätze wie „Ich möchte, dass von mir nichts im Internet steht“, kann ich nicht mehr erst nehmen. Und sie funktionieren auch nicht: Da läuft man aus Versehen durch einen Touristenschnappschuss, der dann auf Facebook landet. Man legt sogar Firmen das eigene Konsumverhalten transparent offen, nur um ein paar Punkte zu sammeln. Kontrolle über unsere Daten können wir aus dem Grund nicht mehr haben, weil es viel zu aufwändig ist, sich über jedes Detail Gedanken zu machen. Kontrollverlust nennt man dieses Phänomen. Und der Kontrollverlust ist erst einmal neutral. Nicht gut. Nicht böse.

„Schön und gut“, sagt Konstantin. „Ich will das aber trotzdem nicht“. Er erzählt stolz, dass er seine Häuserfassade bei Google verpixeln ließ. Da fange ich bereits an zu lächeln. Und setze zum finalen Schlag an: „Und“, frag ich ihn, „hast duch auch schon einen Antrag bei Microsoft gestellt?“ Er so: „Warum?“ Die starten einen Straßenbilderdienst. Wie Google. „Huch, davon weiß ich ja gar nichts...“ Deshalb nenne ich diese ganze Diskussion auch: verlogen.

Von Florian Heinz