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Medien & TV ZDF schießt Eigentor
Nachrichten Medien & TV ZDF schießt Eigentor
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12:28 12.07.2013
Von Dirk Schmaler
Frau und Waschmaschine: So will das ZDF Lust auf die Frauen-Fußball-EM machen. Quelle: ZDF
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Mainz

Eine Frau im DFB-Dress joggt die Treppe herunter. Sie schnappt sich einen Fußball und dribbelt durch eine Küche. Im Hintergrund sieht man eine Waschmaschine, ein paar Handtücher und Putzmittel. Die Frau im Fußballtrikot sieht die offene Waschmaschinentür – und schießt den verdreckten Lederball zielgenau hinein. Anschließend wählt die Spielerin das Waschprogramm „Leder“, 40 Grad – und setzt sich mit übereinander geschlagenen Beinen auf die Waschmaschine. Am Ende sagt eine Stimme: „Ballsauber in Schweden: Die UEFA Frauen-EM 2013 – ab dem 10. Juli im ZDF.“

Kein Witz: Mit diesem Spott wirbt das ZDF in seinem Programm seit dem vergangenen Wochenende für die Übertragung der Europameisterschaft im Frauenfußball. Viele im Sender bereuen es mittlerweile. Pünktlich zum ersten Spiel – bei dem die deutschen Elf gestern Abend gegen die Niederlande nur unentschieden spielte – kann sich das ZDF vor Hohn und Spott kaum retten. „Sexismus und megapeinlich“, lautet einer von vielen Kommentaren im Netz. Andere werfen dem ZDF vor, es mache sich das Frauenbild der „Ariel-Werbung der fünfziger Jahre“ zu eigen: „Wenn Frauen Fußball spielen, muss natürlich eine Waschmaschine vorkommen. Fassungslos.“

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„Gähnen, Augen verdrehen, kotzen, schreien, den Kopf auf die Tastatur fallen lassen?“

Viele fühlen sich schon an die leidenschaftlich geführte „Aufschrei“-Debatte erinnert, die nach einem Bericht über angebliche Anzüglichkeiten von FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle geführt und mittlerweile mit einem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde. „Die Zeit“ schreibt, dass dem Sender „dringend gesagt werden soll, dass diese EM auf dem Spielfeld stattfindet“. Und „stern.de“ fragt verzweifelt, wie man reagieren soll: „Gähnen, Augen verdrehen, kotzen, schreien, den Kopf auf die Tastatur fallen lassen?“ Nun ist der ZDF-Clip nicht der einzige in der Fernsehwerbung, der mit einem zweifelhaften Frauenbild daherkommt. Andererseits ist das ZDF eben auch keine Waschmittelfirma, sondern ein öffentlich-rechtlicher Sender. Die Übertragung der Frauen-EM zur besten Sendezeit sollte eigentlich, so hieß es immer, auch den immer noch zu Genüge vorhandenen Vorurteilen über Frauen und Fußball entgegenwirken. Und zwar „auf dem Platz“, wo ja bekanntlich die Wahrheit liegt.

Das ZDF hat gestern auf die Kritik reagiert und um Verständnis geworben. „Der Spot bewirbt das Ereignis Frauen-Fußball-WM in Schweden auf augenzwinkernde Weise“, erklärte ein Sprecher und fügte hinzu: „Wir nehmen die Kritik zur Kenntnis, halten den Spot aber keineswegs für sexistisch.“

Man kann das so sehen: Das Spielen mit dem Klischee als Zeichen der Überwindung desselben. Man kann den Spot auch als Zeichen deuten, dass die achtziger Jahre in Mainz doch noch nicht so lange her sind. Damals wurden die DFB-Frauen für den Gewinn der Europameisterschaft mit einem Kaffeeservice ausgezeichnet. Zwinker, zwinker.

dpa

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