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Medien & TV Zehn Jahre „heute show“ – So lustig ist der Seismograf des politischen Irrsinns
Nachrichten Medien & TV Zehn Jahre „heute show“ – So lustig ist der Seismograf des politischen Irrsinns
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16:56 04.06.2019
Zehn Jahre Lachen über den Politbetrieb: Oliver Welke im Studio der „heute show“. Quelle: Foto:Sascha Baumann/ZDF
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Mainz

Humor ist, so heißt es, wenn man trotzdem lacht. Oder gar nicht. Im Kölner Schanzenviertel zum Beispiel, alte Kabelfabrik, Treppe rauf, rechts: Durch einen Gang von sachlicher Strenge führt der Weg vorbei an Büros voll hoch konzentrierter Menschen im Epizentrum leichter Satire, dem definitiv mehr Tageslicht aufs graue Mobiliar guttäte.

„heute show“ – Der heiterste Ernst am Flatscreen

Hier sitzt Oliver Welke Werktag für Werktag, um mit seinem 20-köpfigen Team plus Layout, Technik, Produktion in andächtiger Ruhe den heitersten Ernst am Flatscreen zu ersinnen: die „heute show“. Und das seit zehn Jahren.

Am 26. Mai 2009 nämlich, die Wirtschafts- und Finanzkrise nahm grad Fahrt auf, saß der gelernte Radiokomiker mit Sportberichtsexpertise erstmals vor einer Wand aus Flachbildschirmen und kommentierte die Welt im Stil einer echten Nachrichtensendung.

Genau die will deren Mastermind schließlich humorvoll, aber seriös simulieren an jenem Frühlingstag kurz nach der Geburt eines politischen Hoffnungsträgers – und nein, er hieß nicht Barack Obama, der im Januar zuvor seinen Amtseid abgelegt hatte. Es war Karl-Theodor zu Guttenberg. Seinerzeit frisch vereidigter Wirtschaftsminister mit Hang zum akademischen Plagiat und Premierenpappkamerad von Welkes neuer Sendung.

Die Messlatte: Mittig zwischen Gesellschaftskritik und Comedy

Zwei Jahre vor seinem Sturz wurde dem Popstar der Großen Koalition Merkel I die Ehre zuteil, das ZDF-Format zu eröffnen. „Wer rettet Opel zuerst?“ fragte damals ein sichtlich jüngerer, indes nicht wesentlich dünnerer, doch spürbar lockerer Moderator grinsend Richtung Publikum in Saal und Wohnstube. Dann spielt er ein Video mit Freiherr zu Guttenbergs Bonmot von der „geordneten Insolvenz“ ab. Für Welke klingt es, als ließe man sich „romantisch die Hämorrhoiden veröden“.

Hier liegt sie seither, die Messlatte der nächsten 320 Folgen: Mittig zwischen Gesellschaftskritik und Comedy, Kabarett und Klamauk, Mathias Richling und sagen wir der Fairness halber nicht Mario Barth, sagen wir: Rudi Carrell.

Dessen „Tagesshow“ folgte ab 1981 demselben Wirkprinzip: drolliger Jux im Kleid seriöser News, wenngleich deftiger gewürzt mit unpolitischem Kalauer. Welkes Witz dagegen orientiert sich an Jon Stewarts satirischer „Daily Show“, die Amerikas liberale Öffentlichkeit zu jener Zeit nachhaltiger mit Erkenntnisgewinn versorgte als so manch klassisches Infotainment der tief gespaltenen USA.

„heute show“ – Gesellschaftlich relevanteste Unterhaltungssendung

Humor ist eben auch, wenn es überhaupt noch mal was zu lachen gibt. Nach diesem Motto hat sich die „heute show“ in zehn Jahren zur gesellschaftlich vielleicht relevantesten Unterhaltungssendung des deutschen Fernsehens gemausert. Linear plus online regelmäßig von gut sieben Millionen Zuschauern verfolgt, ist sie im Gegensatz zur akademisch verbildeten „Anstalt“, der die „heute show“ anfangs folgte, ein journalistisch recherchierter Seismograph des realpolitischen Irrsinns mit Mitteln des Schenkelklopfers. Und er reitet zwar nicht mehr nur auf Versprechern herum – walzt aber gerade die doch gern auch genüsslich aus.

„In Zeiten großer Unübersichtlichkeit“ liefern die fünf Kernthemen jeder Sendung aus Sicht ihres Produzenten Georg Hirschberg eben „humoristisch politische Orientierung, entlarven Widersprüche, entdecken Tollpatschigkeiten, sind hintergründig, vor allem aber witzig“, mit dem Ziel, die Leute „zum Lachen und zum Nachdenken zu bringen“. Betonung auf „und“. Meint Hirschberg. Betonung auf „Lachen“. Meinen Kritiker. Betonung auf „Nachdenken“. Meinen Fans. Recht haben sie alle.

Jubiläumssendung – Über wen fällt die „heute show“ her?

Während Platzhirsche wie Olaf Schubert, Carolin Kebekus, Alexander Schubert, Martina Hill oder Serdar Somuncu Punchline und Pointe notorisch durch Grimasse und Gebrüll ersetzen, sorgen hintergründige Newcomer von Nico Semsrott über Hazel Brugger bis Lutz van der Horst mit entlarvend schüchterner Sottise für Feingeist – und damit kabarettistisches Niveau. Zur Jubiläumssendung am 7. Juni, der letzten Folge vor der Sommerpause, werden wohl Andrea Nahles und die Abstiegswirren der SPD Thema sein, voraussichtlich auch Trumps seltsames Gebaren im Brexitland, wie das RedaktionsNetzwerk Deutschland vom ZDF erfuhr. Wir werden sehen. Und wir werden lachen.

Von Jan Freitag/RND

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