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00:15 04.01.2015
Nora Tschirner und Christian Ulmen blödeln auch in ihrem zweiten Fall herum. Quelle: dpa
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Nein, es geht nicht um Wladimir Putin in „Der irre Iwan“, dem neuen Weimar-„Tatort“. Es geht überhaupt nicht um Russen, sondern erst mal um einen schnöden Überfall auf die Stadtkasse von Weimar. Da klaut ein maskierter Unhold 112 000 Euro und erschießt eine ausgesprochen blonde Bürofachkraft („Die dachte, Outlook wäre ein Teil von Australien“), während Kommissar Lessing (Christian Ulmen) glücksbesoffen auf einer Brücke mit einem dieser sich pestartig ausbreitenden Namens-Vorhängeschlösser herumklabastert, um die Liebe zur Dame seines Herzens und Mutter seines Kindes, Kollegin Kira Dorn (Nora Tschirner), für alle Zeit festzuschließen. Die sagt gerade noch rechtzeitig, wie albern sie den Quatsch findet. Und dann knattert auch schon der Chef heran – in seinem giftgrünen, herzkranken Dienstwagen aus dem Holozän des Autobaus.

Also: Baby zur Oma, ab in diesen schedderigen Volkswagen – und los geht die wilde Fahrt. Sie führt in einen FKK-Club, wo sich der Stadtkämmerer Iwan Windisch (Jörg Witte) gern herumtrieb, der mit der erschossenen Sekretärin ein Verhältnis hatte. Und auf einen Rummelplatz, wo die garstige Rita Eisenheim (Sophie Rois) in der Geisterbahn das Regiment führt und der intellektuell unerfahrene „Kongo“ (Pit Bukowski) schnell unter Tatverdacht gerät. Dem sind die 112 000 Euro buchstäblich vor die Füße gefallen.

Aber als er versucht, die Kohle bei seinem Knastkumpel Caspar Bogdanski alias „Freund Segelohr“ (Dominique Horwitz) zu verstecken – dem kriminellen Kutscher aus dem ersten Weimar-„Tatort“ – fliegt ihm der Plan um die Ohren. Die Zeugen im Rathaus können auch nicht helfen. Möglicherweise war‘s ein mittelgroßer Däne. Oder auch nicht. Möglicherweise war‘s ein riesengroßer Sachse. Oder auch nicht.

Fragen über Fragen: Warum sah der „irre IwanWindisch dem verschundenen Ehemann der Geisterbahnhexe zum Verwechseln ähnlich? Warum benimmt sich seine eifersüchtige Charity-Gattin, die so gern die Anna Amalia der Neuzeit wäre, wie eine Verrückte? Und wann fliegt wohl das Auto auseinander?

Wie schon der Premierenfilm „Die fette Hoppe“ vor einem Jahr – der mit 1,9 Millionen Abrufen den „Tatort“-Rekord in der ARD-Mediathek hält – ist auch dieser „Tatort“ mit Ulmen und Tschirner eine perfekt getimete Sternstunde des absurden Kriminalfernsehens. Beide sind in Topform – Tschirner/Kira mit ihrer vertrauten, nonchalanten Parka-Schlurfigkeit, mit der sie auch mal mit Baby im Manduca in einen üblen Rockerschuppen stiefelt (und sich insgeheim wünscht, dass ihr Kerl doch ein bisschen kerliger wäre). Und Ulmen mit der nöligen Genervtheit des immer zehn Prozent überforderten Betamännchens, das sich dann aber sogar zwangstätowieren lässt, weil seine Kira Tattoos halt doch auch ein bisschen scharf findet.

Regisseur Richard Huber lässt Deutschlands mit Abstand zeitgemäßestes Ermittlerpaar  munter frotzeln. Die Story (Drehbuch: Murmel Clausen und Andreas Pflüger) ist eine alkoholhaltige Parodie auf das „Doppelte Lottchen“, voll von grobem Screwball-Witz und frischer Selbstironie („Obduktion abgebrochen – Leiche ist flüchtig“). Da gibt‘s auch schon mal Kalauer aus der Wortspielhölle („Windisch – jetzt seinse nicht kindisch“). Da deeskaliert Lessing eine potenzielle Axtmöderin mit einem herzigen Goethevers („Ich ging im Walde ...“).

Und als sich drei Polizeibübchen guffelnd über eine Aktzeichnung von Kira Dorn beugen, da ruft sie genervt „Aufschrei!“ – in Anspielung auf die Twitter-Debatte um sexuelle Belästigung. Zwischendurch geht‘s um die mongolische Landeswährung Tögrög, eine Schießbude mit scharfen Waffen und einen sehr romantischen Heiratsantrag, bei dem zu nicht minder romantischer Musik einer Gastkapelle getanzt wird, was dann unterm Strich das zärtlichste „Tatort“-Ende der vergangenen Monate sein dürfte.

MDR und ARD wollen Tschirner und Ulmen weiterhin nur einmal jährlich ermitteln lassen. „Mich würde es nicht stören, zwei Krimis im Jahr zu drehen“, sagt Tschirner. „Aber es hängt stark von der Kapazität unserer Autoren ab. Die Bücher haben so eine Qualität und Dichte – das schreiben die ja nicht mal eben an einem Wochenende auf einer Arschbacke weg.“ Da ist es glatt mal schade, dass so ein Jahr zwölf lange Monate hat.

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