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Nachrichten Medien Erstes ESC-Halbfinale: Wer ist weiter?
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10:47 15.05.2019
Harter Industrial-Rock aus Weißrussland mit Zena im Halbfinale des ESC. Quelle: Ilia Yefimovich/dpa
Tel Aviv

Deutsche Eurovisionszuschauer sind ja Kummer gewohnt. Gegen jede Erfahrung sitzen sie auch allergrößte Grausamkeiten tapfer vor dem Fernseher aus, einzig getragen von der Hoffnung: Da muss doch noch etwas kommen? Das kann doch unmöglich alles gewesen sein!? Doch das erste Halbfinale des Eurovision Song Contest am Dienstagabend in der israelischen Partymetropole Tel Aviv zeigte einmal mehr: Manchmal kommt wirklich nichts mehr. Man kann auch Mittelmäßigkeiten bombastisch verpacken und mit allerdünnstem „Nanana“ auf sehr dicke Hose machen. Glitzer drüber, Schleife drum – und ab auf die Bühne.

Unser Autor begleitet den ESC 2019 für Sie vor Ort. Folgen Sie seinen Berichten und Eindrücken aus Tel Aviv im ESC-Tagebuch.

Diese Länder haben sich für das ESC-Finale qualifiziert

17 Länder bewarben sich um zehn Starttickets für das ESC-Finale am Sonnabend. Zu den zehn Gewinnern gehörten am Ende:

Griechenland, Katerine Duska mit dem Song „Better Love“

Weißrussland, Zena mit dem Song „Like It“

Serbien, Nevena Božović mit dem Song „Kruna“

Zypern, Tamta mit dem Song „Replay

Estland, Victor Crone mit dem Song „Storm“

Tschechien, Lake Malawi mit dem Song „Friend of a Friend“

Australien, Kate Miller-Heidke mit dem Song „Zero Gravity“

Island, Hatari mit dem Song „Hatrið mun sigra“

San Marino, Serhat mit dem Song „Say Na Na Na“

Slowenien, Zala Kralj & Gašper Šantl mit dem Song „Sebi“

Ausgeschieden sind dagegen Montenegro, Finnland, Polen, Ungarn, Georgien, Vor-Vorjahressieger Portugal und – durchaus überraschend – auch Belgien.

Informationen zu den Kandidaten und zum Ablauf des ESC 2019 finden Sie hier.

Die kleinen Highlights im ESC-Halbfinale

Was gab’s zu sehen und zu hören? Eine aufgeregte Zypriotin, die ein bisschen aussah wie Madonna in Frischhaltefolie. Ein quietschendes Sextett aus Montenegro. Eine finnische Eiswasserperformance, die sinnfälligerweise „Look away“ hieß. Vier schreiende Polinnen. Eine düstere Serbin, die zu dunklen Melodien sehr dunkel guckte – wie Michelle Hunziker, wenn sie Hunger hat. Eine australische Eiskönigin, die an einer biegsamen Stange herumwirbelte und auch wegen ihrer suizidalen Performance als Geheimfavoritin gehandelt wird.

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Superharter Industrial-Hardrock aus Island. Weißrussland diesmal nicht mit neuem Murks aus dem Drumcomputer „Lukaschenko 3000“, sondern mit einem Mix aus Zirkus, Monty Python und irgendwas, was nur harte Drogen auslösen können. Und ein Belgier, der aussah, als trage er die alte Jacke von Ralph Möller auf, mit einem überraschend schwachen Song für ein Land, aus dem schon große ESC-Erfolge kamen.

Nicht der stärkste ESC-Jahrgang

Man muss das klar sagen: 2019 gehört nicht zu den stärksten ESC-Jahrgängen der letzten Zeit. Zu den positiven Überraschungen im ersten Semifinale gehörten Zala Kralj & Gašper Šantl aus Slowenien, die sich während ihrer stark gesungenen Ballade ausgiebig in die Augen sahen, was für alle anderen aber eher von überschaubarem Interesse war.

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Ein bisschen Frieden – warum Israel am ESC teilnehmen darf

Die Show sah aus, wie eine Eurovisionsshow seit den Nullerjahren eben aussieht: Eine bombastische LED-Bühne, gleich mal vier Moderatoren, alles sehr glatt und unkomisch inzeniert. Man ging auf Nummer sicher. Keine selbstironischen Brüche und wenig Comedyelemente, mal abgesehen vom Minikleid von Israels Vorjahressiegerin Netta Berzali, die zur Eröffnung einen Remix ihres Gewinnerliedes „Toy“ sang. Und Komodertorin Bar Refaeli, das australische Supermodel, trug ein Kleid aus Silbermünzen, das wirkte wie ein Kommentar zum just verkündeten Urteil, wonach sie zwei Millionen Euro Steuerschulden nachzuzahlen hat.

Fragen über Fragen: Gibt’s in Belgien keine Jacken in Kindergröße? Ist isländischer Hardrock in Wahrheit Comedy? Kann mal bitte jemand kurze Lederjacken für Kerle verbieten? Und was muss Portugal noch tun, um einen Finaleinzug zu verhindern, wenn schon die Auswahl eines zuckenden, grünen Frosches nicht genügt?

Deutschland darf sowieso direkt ins ESC-Finale

Das deutsche Duo Sisters übrigens wird am Donnerstag im zweiten Halbfinale einen Kurzauftritt haben. Carlotta Truman und Laurita müssen mit ihrer Powerballade „Sister“ keine Halbfinalprüfung bestehen – Deutschland ist als Mitglied der sogenannten „Big Five“ automatisch qualifiziert. Die großen Beitragszahler der Europäischen Rundfunkunion als ESC-Veranstalter sind Deutschland, Großbritannien, Italien, Spanien und Frankreich. Sie gehören – ebenso wie Gastgeber Israel – zu den 26 Finalisten am Sonnabend. Bei den Buchmachern stehen die deutschen Sisters freilich nur im hinteren Mittelfeld.

Von einem „Black Horse“ ist im Pressezentrum viel die Rede – einem Kandidaten aus dem Mittelfeld also, der das Feld unerwartet von hinten aufrollt, je mehr sich das größte Musikfest der Welt seinem Klimax nähert. Es sind solche Geschichten, die sie lieben in der ESC-Seifenblase. Im vergangenen Jahr war Michael Schulte mit seiner Familienballade „You Let Me Walk Alone“ dieses „Black Horse“. Die Sisters haben ein solches Momentum bisher nicht ausgelöst. Als „Black Horse“ gilt die absurd überdrehte, aber auch spektakuläre Performance der australischen Opernheldin Kate Miller-Heidke und ihrer Minioper „Zero Gravity“. Die Wahrheit freilich gibt es erst am Sonnabend gegen Mitternacht.

Von Imre Grimm / RND

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