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Medien Israelischer ESC-Fernsehspot löst Kontroverse aus
Nachrichten Medien Israelischer ESC-Fernsehspot löst Kontroverse aus
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16:03 12.05.2019
Während die deutschen Sängerinnen Carlotta Truman (l.) und Laurita Spinelli in Tel Aviv bereits für den ESC proben, hat ein Fernsehspot für das Event für Aufregung gesorgt. Quelle: Ilia Yefimovich/dpa
Tel Aviv

Ein israelischer Fernsehspot zum Eurovision Song Contest (ESC) hat im eigenen Land und bei den Palästinensern für Ärger gesorgt. Eine arabische Israelin namens Lucy und ein aus Russland eingewanderter Jude namens Elia nehmen die Zuschauer in dem Clip „auf eine musikalische Reise durch die wichtigsten Teile Israels“, wie der für die ESC-Übertragung zuständige Sender Kan bei Twitter mitteilte.

Der Ton des Werbeclips ist sehr selbstironisch gehalten. „Ich weiß, dass ihr gehört habt, dass es ein Land von Krieg und Besatzung ist“, singt Elia beim Empfang von Touristen am internationalen Flughafen Ben Gurion. „Aber wir haben so viel mehr als das zu bieten“, singt Lucy. Mit Blick auf die hohen Lebenshaltungskosten in Israel meint sie: „Ihr werdet die Preise sehen und fragen: "Was?"“

ESC-Fernsehspot sorgt für Ärger bei Palästinensern

In sozialen Medien kritisierten viele Israelis das Lied als zu negativ. Sogar als antisemitisch wurde eine Stelle eingestuft: „Die meisten von uns sind Juden, aber nur einige sind habgierig.“

Das palästinensische Außenministerium forderte die Europäische Rundfunkunion (EBU) dazu auf, Werbevideos für den ESC 2019 zurückzuziehen, die im 1967 von Israel besetzten und später annektierten Ostteil Jerusalems aufgenommen wurden. Dies gebiete der „Respekt für das palästinensische Volk und internationales Recht“, hieß es in einer Mitteilung des Ministeriums. Israel dürfe den Musikwettbewerb nicht dazu missbrauchen, die Besatzung der Palästinensergebiete zu verschleiern. In dem Video ist unter anderem der Tempelberg in Jerusalems Altstadt zu sehen, der Muslimen und Juden heilig ist.

Am ESC in Tel Aviv nehmen Kandidaten aus 41 Ländern teil

An dem Musikwettbewerb, der vom 14. bis 18. Mai in Tel Aviv ausgetragen wird, nehmen Kandidaten aus 41 Ländern teil. Vor der Veranstaltung gab es mehrfach Boykottaufrufe.

Der Sender Kan selbst betonte, bei dem Clip handele es sich um Satire, die sich mit Stereotypen über Juden und Israel befasse. „Wir kennen unsere Schwächen, und wir schämen uns nicht, über sie zu lachen.“

Von RND/dpa