Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Netzwelt Facebook und Co sagen Online-Terror den Kampf an
Nachrichten Medien Netzwelt Facebook und Co sagen Online-Terror den Kampf an
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:38 16.05.2019
Die Internet-Unternehmen Microsoft, Twitter, Facebook, Google und Amazon wollen konkrete Schritte unternehmen. Quelle: Richard Drew/AP
Paris

Im Kampf gegen Terrorvideos im Netz haben Internetgiganten wie Amazon, Facebook oder Google und 17 Staaten ein internationales Bündnis geschmiedet. Anlass für den „Christchurch-Gipfel“ in Paris war der Terroranschlag in Neuseeland Mitte März mit 51 Toten. Der Täter übertrug seinen Angriff mit einer Helmkamera über Facebook zu großen Teilen live ins Internet. Davon gibt es auch ein insgesamt 17-minütiges Video, das millionenfach angeklickt wurde.

„Es ist das erste Mal, dass Regierungen und Technikunternehmen zusammenkommen“, sagte die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern. Sie hatte gemeinsam mit Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron die Initiative angestoßen. „Wir haben konkrete Maßnahmen beschlossen, damit sich ein Drama wie in Christchurch nicht wiederholen kann“, sagte Ardern am Mittwoch.

In dem Aufruf wird versichert, dass die Grundsätze eines freien und offenen Internets sowie die Meinungsfreiheit respektiert werden.

Internet-Giganten wollen mehr gegen Terror im Netz tun

Die Internet-Unternehmen Microsoft, Twitter, Facebook, Google und Amazon begrüßten die Initiative und stellten mehr konkrete Schritte sowie Investitionen zum Kampf gegen Terror-Inhalte im Netz in Aussicht. Sie betonten zugleich, dass es hier um komplexe Probleme gehe, bei denen die gesamte Gesellschaft gefordert sei. Die Unternehmen sagten laut Aufruf zu, Inhalte mit terroristischem Inhalt sofort zurückzuziehen.

Deutschland gehört nach französischen Angaben zu den insgesamt 17 Ländern, die den Aufruf mittragen. Weitere Staaten sind Kanada, Großbritannien, Australien und Japan. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump schloss sich hingegen nicht an. Das Weiße Haus erklärte, man unterstütze zwar die grundlegenden Ziele, sei aber derzeit nicht in der Lage, den Aufruf mitzutragen. Die Hintergründe blieben zunächst offen. Die „Washington Post“ berichtete, Mitarbeiter der Regierungszentrale hätten Bedenken geäußert, dass das Papier möglicherweise gegen den 1. Zusatzartikel der US-Verfassung verstoße. Dieser untersagt es dem Kongress, Gesetze zu verabschieden, die die Meinungs- und Pressefreiheit einschränken.

Neue Regeln für Livestream-Videos

Facebook kündigte pünktlich zum „Christchurch-Gipfel“ neue Einschränkungen für die Plattform an. So sollen Nutzer schon nach einer schwerwiegenden Regelverletzung „eine bestimmte Zeit lang“ keine Live-Videos übertragen dürfen. Als ein Beispiel-Zeitraum für eine Sperrung wurden 30 Tage angegeben. Als Beispiel für einen schwerwiegenden Regelverstoß nannte Facebook die Weiterleitung eines Links zu einer Mitteilung einer Terrorgruppe ohne Einordnung.

Mehrere Staats- und Regierungschefs waren nach Paris gekommen, unter ihnen Jordaniens König Abdullah II. oder Kanadas Premier Justin Trudeau. Deutschland war laut Élyséekreisen als Beobachter eingebunden. Macron hatte bereits in der vergangenen Woche mit Facebook-Chef Mark Zuckerberg über den Kampf gegen Hass im Netz beraten.

Lesen Sie hier:
Wie Facebook – unbeabsichtigt – Werbung für Terroristen macht

Frankreich führt im laufenden Jahr die Runde der großen Industriestaaten (G7). Zudem wurde das Land in den vergangenen Jahren schwer vom islamistischen Terrorismus getroffen - rund 250 Menschen wurden getötet.

Christchurch-Apell nur Ausgangspunkt

Ardern sagte, der sogenannte Christchurch-Appell sei nur ein Ausgangspunkt: „Wir werden das nicht mit einer Erklärung regeln.“ Es gehe nicht um die Offenlegung von Geschäftsgeheimnissen der Unternehmen. „Wir müssen jedoch wissen, wie Algorithmen unsere Gesellschaften beeinflussen können.“

Mit dem Wort Algorithmus wird eine Reihe von Anweisungen bezeichnet, die in Computersystemen ausgeführt werden, um ein Problem oder eine Aufgabe zu bewältigen. Die Algorithmen von Facebook hatten zum Teil Probleme, von Nutzern neu hochgeladene Kopien des Christchurch-Videos zu entdecken, wenn sie etwas verändert worden waren. Facebook will nun in einem 7,5 Millionen Dollar teuren Forschungsprojekt gemeinsam mit Wissenschaftlern die Bilderkennung in Videoaufnahmen verbessern.

EU-Kommission will Internetfirmen zum schnellen Löschen zwingen

Neuseeland hatte nach dem Anschlag des australischen Rechtsextremisten rasch gehandelt und Sturmgewehre und halbautomatische Waffen verboten.

Europa war bisher im Kampf gegen Terrorpropaganda im Netz nicht tatenlos. Die EU-Kommission schlug 2018 vor, Internetfirmen unter Androhung empfindlicher Strafen zum raschen Löschen zu zwingen. Bei mehrmaligen Verstößen drohen dem Vorschlag zufolge Geldbußen. Dies ist allerdings noch nicht gültiges Recht, da die EU-Staaten und das Europaparlament sich noch auf eine gemeinsame Position einigen müssen.

Von RND/dpa

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Noch gibt es in Deutschland zwar keine verfügbaren 5G-Netze in Deutschland, doch ab Juni zumindest schon mal ein Smartphone, das den neuen Mobilfunkstandard auch liefern kann. Das Samsung Galaxy S10 5G soll über die Deutsche Telekom und Vodafone verfügbar sein.

15.05.2019

Kurz vor dem 30. Jahrestag des Pekinger Tiananmen-Massakers sperrt China Wikipedia. Betroffen ist nicht nur die chinesische Version. Die Regierung in Peking kontrolliert das Internet mit zunehmender Härte.

15.05.2019

Der Verschlüsselungstrojaner WannaCry befiel 2017 in kürzester Zeit weltweit Hunderttausende Rechner. Nun befürchtet das BSI, dass eine neu entdeckte Schwachstelle in Windows zu einem ähnlich verheerenden Angriff führen könnte.

15.05.2019