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Netzwelt Wer kann Google vom Suchmaschinen-Thron stoßen?
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14:45 28.02.2019
Google – oder doch lieber eine alternative Suchmaschine? Quelle: Alberto Pezzali/imago/ZUMA Press
Hannover

Google ist überall. An der großen Suchmaschine aus den USA führt – so scheint es – kein Weg vorbei. Dabei gibt es sie, die Google-Alternativen – auch aus Deutschland. Ein echtes Urgestein ist MetaGer, eine Metasuchmaschine, die Mitte der 90er in Hannover entwickelt wurde.

Lesen Sie hier:
Das sind die Google-Herausforderer aus Europa

Wer Alternativen zu Google sucht, findet sie also. Warum aber, machen Qwant, DuckDuckGo, MetaGer oder Unbubble den Amerikanern keine ernsthafte Konkurrenz? Braucht es sie nicht? Wolfgang Sander-Beuermann ist Gründer von MetaGer und war bis vor Kurzem Vorstandsmitglied des Vereins, der die Suchmaschine heute betreibt. Im Interview spricht der 71-Jährige über die Macht von Google, die Probleme der Konkurrenten und was er rückblickend anders gemacht hätte.

In der Anfangszeit des Internets gab es viele verschiedene Suchmaschinen. Warum sagen wir heute „googeln“ und nicht etwa „altavisten“ oder gar „metageren“?

Google kam Anfang der 2000er auf den Markt. Das war zu einer Zeit, in der alle anderen Suchmaschinen nach und nach verschwanden. Google konnte sich durchsetzen, weil sie im richtigen Augenblick die richtigen Ideen und das meiste Geld hatten. Da hatten die anderen keine Chance.

Was waren denn die richtigen Ideen?

Die Google-Ideen. Also vor allem das Page-Ranking-Verfahren, dass die Wertigkeit einer Website danach bewertet, wie viele andere darauf verlinken. Das war zu der Zeit eine revolutionäre Idee, das hatte kein anderer. Mittlerweile machen das natürlich viele Suchmaschinen, auch MetaGer.

Warum ist dieses Quasi-Monopol von Google ein Problem?

Auf der ganzen Welt gibt es nur noch vier originäre Suchmaschinen. Das sind neben Google noch Bing und Yahoo, die den gleichen Index verwenden, Yandex aus Russland und Baidu aus China. Gäbe es auf der ganzen Welt nur vier Zeitungen – das wäre unvorstellbar. Bei den Suchmaschinen regt das aber keinen auf, außer mich momentan.

MetaGer ist eine sogenannte Metasuchmaschine. Wie funktioniert das?

Echte Suchmaschinen wie Google haben eine eigen Datenbank, in der die Ergebnisse gespeichert sind. Bei einer Nutzeranfrage wird dann die firmeninterne Datenbank abgefragt, die das Ergebnis liefert. Bei MetaGer und vielen anderen Metasuchmaschinen bildet die eigene Datenbank nur einen sehr kleinen, vernachlässigbareren Teil. Sie nutzen vor allem andere Suchmaschinen als Zulieferer. Die Qualität der Suchergebnisse einer Metasuchmaschine hängt deshalb davon ab, dass die Quellen vielfältig sind und das Angebot großer Suchmaschinen mit einschließt.

Die neue MetaGer-Version

MetaGer wird heute vom Verein SUMA-EV betrieben und ist seit Kurzem in einer neuen Version verfügbar. Sie soll die mobilen Suche übersichtlicher machen. Zudem gibt es einige neue Funktionen, wie zum Beispiel einen Filter, der die Ergebnisse nach Datum listet. Außerdem verfügt MetaGer nun wieder über eine Bildersuche, teilt der Verein mit. In der englischen Version wurde die Suchmaschine Bing eingebunden.

Warum sollte ich als Nutzer denn eine Metasuchmaschine benutzen, anstatt einfach gleich zu googeln?

Damit Sie die Kontrolle über ihre eigenen Daten behalten. Damit Sie vielfältige Ergebnisse aus den verschiedensten Blickwinkeln der beteiligten, unterschiedlichen Suchmaschinen bekommen. Damit Sie wissen, dass die Daten nicht an einen globalen Konzern weiterfließen, von dem man nie weiß, was der damit tut oder wo die Daten letztendlich landen. Und wegen der Möglichkeit, wirklich garantiert anonym Ergebnisse zu erhalten, ohne dass Ihre Suche nachverfolgt werden kann. Die Software von MetaGer ist „open source“, jeder kann also nachvollziehen, was wir tun. Damit schaffen wir eine öffentliche Kontrolle.

Datenschutz, Anonymität - daran müsste Nutzern ja eigentlich gelegen sein. Warum setzten sich solche Alternativen denn nicht großflächiger durch?

Das ist eine Frage des Geldes und des Marketings. Wirklich durchsetzen, kann sich nur eine Suchmaschine, die eine eigene Datenbank hat. Die zeigen kann, dass sie besser als die Konkurrenz ist. Metasuchmaschinen können das prinzipiell nicht, weil sie immer davon abhängig sind, dass die anderen so nett sind und ihnen Daten liefern. Das funktioniert bei MetaGer nur deshalb, weil die anderen Suchmaschinen - außer Google - uns nicht als Konkurrenz auffassen.

Können MetaGer und andere öffentliche Suchmaschinen denn jemals zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz für Google werden?

Solange sie keine eigene Datenbank haben: nein. Um aber eine Datenbank aufzubauen, die konkurrenzfähig zu Google ist, bräuchte es so viel Geld, wie kleine Organisationen es kaum aufbringen können. Darum gibt es mehrere Initiativen, die das Ziel haben, eine öffentliche Datenbank zu schaffen, einen sogenannten Open Web Index. Doch das sind bisher nur Projekte, von denen niemand sagen kann, ob sie wirklich einmal konkurrenzfähig sein werden. Meiner Meinung nach, wäre es aber die einzige wirkliche Alternative. Mit Startups ist das Problem nicht zu lösen, weil jedes Startup in diesem Bereich dazu tendieren würde, ein Monopol zu bilden.

Eine Basis

Verschiedene Initiativen haben den Anspruch, eine öffentliche Datenbank zu schaffen. Dazu gehört zum Beispiel Common Crawl, das in den USA beheimatet ist. Ziel von openwebindex.eu ist es, einen unabhängigen Web-Index als Basis für beispielsweise Kartendienste oder auch Suchmaschine aufzubauen – idealerweise in Europa. Ganz neu ist die „Open Search Foundation“, ein Zusammenschluss verschiedener Rechenzentren, Organisationen und Firmen.

Sie haben Mitte der 90er mit MetaGer eine der ersten Suchmaschinen in Deutschland aufgebaut. Mit dem Wissen von heute: Was würden sie rückblickend anders machen?

Ich würde eher anfangen, diese Infrastruktur, diese öffentliche Datenbank, auf den Weg zu bringen. Denn je länger man damit gewartet hat, desto schwieriger wurde es. Jetzt wird es schwer, Google aufzuholen. Man muss ja letztlich etwas schaffen, das besser ist als Google. Hilfreich ist es, dass in der Bevölkerung das Bewusstsein für Datensparsamkeit gestiegen ist. Im Fall von Facebook sieht man, wie dieses Datenbewusstsein auf das Unternehmen zurückfallen kann. Bei Google geschieht das noch nicht – aber es wird über kurz oder lang passieren.

Von Anna Schughart/RND

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