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Panorama 52-Jähriger gesteht versuchten Mord an Frau und drei Kinder ein
Nachrichten Panorama 52-Jähriger gesteht versuchten Mord an Frau und drei Kinder ein
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18:38 30.11.2009
Quelle: Tim Schaarschmidt (Symbolbild)
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Der Vorsitzende Richter Wolfgang Hahn zieht ein Küchenmesser aus einem Papierumschlag. An der 17 Zentimeter langen Klinge klebt angetrocknetes Blut. „Sagt Ihnen das was?“, fragt der Jurist den Angeklagten Herbert W. am Montag vor dem Stuttgarter Landgericht.

Der 52-Jährige aus Backnang soll mit dem Messer mehrfach auf seine Ehefrau und die drei gemeinsamen Kinder eingestochen und versucht haben, diese zu töten. Er könne sich „an überhaupt nichts erinnern“, beteuert er zwar. Dennoch gesteht der gelernte Maurer unter Tränen zu Prozessbeginn die Tat vom 1. Juni.

An diesem Tag habe ihm seine 35 Jahre alte Frau gesagt, sie werde sich endgültig von ihm trennen. Es sei dann zu einem kurzen Wortwechsel gekommen, an den er sich ebenfalls kaum erinnern könne. „Ich muss dann irgendwann das Messer geholt haben und dann durchgedreht haben“, räumt er schließlich leise ein. „Ich kann immer noch nicht glauben, was ich gemacht hab.“ Er habe seiner Familie „nie was tun“ wollen. „Ich kann es mir nicht erklären.“ Seine Tat sei „unvorstellbar“.

Herbert W. wollte laut Anklage, die auf versuchten Mord lautet, an dem Abend nicht nur seine Frau mit in den Tod nehmen, die er auf dem Wohnzimmersofa attackierte. Er weckte auch seine zweijährige Tochter Maria, die vierjährige Lena und den achtjährigen Marcel und stach auf sie ein: sechs Stiche, neun Stiche, 21 Stiche ergaben die Ermittlungen. Marcel versuchte noch, sich in der Toilette zu verschanzen, doch sein Vater trat die Tür ein. Anschließend stach er sich selbst mehrfach in den Bauch. An dem Punkt, ab dem Herbert W. sich wieder erinnert, lag er auf dem Boden und es war „alles voller Blut“. Die gesamte Familie musste notoperiert werden. Die Kinder wurden wegen ihres akut lebensbedrohlichen Zustands lange Zeit medizinisch betreut.

Die Tat war der Höhepunkt einer Ehekrise, die sich offenbar monatelang hochschaukelte. Das Jugendamt riet schon zu Jahresbeginn zu einer Familientherapie, bei einem Streit der Eheleute rief der besorgte Sohn die Polizei, Herbert W. selbst holte einmal die Beamten, weil seine Frau ihm angeblich die Geldbörse gestohlen hatte. Der 52-Jährige vermutete, seine Frau habe eine Affäre und dachte nach eigenen Angaben schon Monate vor der Tat an Selbstmord.

Am Vorabend der Tat, so schildert es Herbert W. vor Gericht, habe sich seine Frau für einen Diskobesuch gestylt und sei gegangen, obwohl die kleine Tochter krank gewesen sei. Er sei „schockiert und am Boden“ gewesen und habe ihr einen Brief geschrieben. Richter Hahn wertet die Zeilen als „Anlauf“ für die Tat. „Nun lässt Du mir keine andere Möglichkeit mehr“, heißt es in dem Schreiben, „als mit unseren Kindern auf die Reise zu gehen“.

Die Kinder waren Herbert W. nach eigener Aussage das Wichtigste. Laut Anklage sagte er bei Gesprächen über eine Trennung seiner Frau immer wieder, er lasse sich nicht seine Kinder „wegnehmen“. Vor Gericht sagt er: „Ich wollte immer unbedingt Familie mit eigenen Kindern.“ Zwei vorhergehende Ehen scheiterten ihm zufolge an Kinderlosigkeit. Seine dritte, 16 Jahre jüngere Frau lernte er über eine Partnervermittlung in der Ukraine kennen. Schon beim ersten Besuch wurde sie schwanger, nach wenigen Monaten heiratete das Paar im Juni 2000, bekam drei Kinder. Herbert W. sagt, diese seien an ihm „gehangen wir eine Klette“. Er habe ein „sehr enges, inniges Verhältnis“ zu ihnen gehabt. An ihre Geburtsdaten kann er sich vor Gericht aber nicht erinnern.

Auch blieb ihm wenig Zeit für die Familie. Der Landschaftsgärtner im Ein-Mann-Betrieb arbeitete nach eigener Aussage oft sieben Tage die Woche, um die Familie zu versorgen. Er habe versucht, einmal im Monat mit Frau und Kindern einen Ausflug in den Zoo zu unternehmen oder Schwimmen zu gehen, sagt er aus. Eine Bekannte der Familie berichtet am Rande des Prozesses davon, dass es den Kindern körperlich wieder gut gehe. Ins Schwimmbad wolle aber etwa der achtjährige Marcel nicht mehr. Dort fragten alle Kinder, woher er die zahlreichen Narben habe. Für den Prozess sind bislang fünf Termine anberaumt. Ein Urteil wird für den 14. Dezember erwartet.

ddp

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