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Panorama 57 Tote in Gefängnissen in brasilianischer Großstadt
Nachrichten Panorama 57 Tote in Gefängnissen in brasilianischer Großstadt
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07:34 28.05.2019
Angehörige bitten die Polizei um weitere Informationen. Quelle: Edmar Barros/AP/dpa
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Manaus

In mehreren Gefängnissen in einer Großstadt im Nordwesten Brasiliens sind 42 Insassen tot aufgefunden worden. Sie wiesen alle Erstickungssymptome auf, wie die Strafvollzugsbehörde mitteilte. Entdeckt wurden die Toten am Montag in Haftanstalten in Manaus, der Hauptstadt des Staats Amazonas.

Weitere Details wurden zunächst nicht bekannt. Das brasilianische Ministerium für Justiz und öffentliche Sicherheit entsandte ein Einsatzteam, um die Behörden vor Ort bei der Bewältigung der Situation zu unterstützen.

Am Sonntag bereits 15 Tote

Erst am Sonntag hatte es bei Kämpfen unter Insassen eines anderen Gefängnisses in Manaus 15 Tote gegeben. Binnen 45 Minuten konnten zur Verstärkung angeforderte Sicherheitskräften die Lage wieder unter Kontrolle bringen. Ob Bandenkriege hinter dem jüngsten Gewaltausbruch stecken, haben die Behörden nicht mitgeteilt.

Die Todesfälle in den Gefängnissen von Manaus weckten Erinnerungen an 2017, als mehr als 120 Häftlinge von Mitinsassen in Staaten im Norden Brasiliens teils brutal getötet wurden. Im Haftkomplex Anisio Jobim in Manaus – dem Schauplatz der Gewalt vom Sonntag – gab es damals 56 Tote. Zu den Taten war es bei wochenlangen Gewaltexzessen zwischen rivalisierenden Banden in der Region gekommen, die von Gefängnissen aus ihre Machenschaften weiterbetrieben.

In der Folge verstärkten die Behörden die Bemühungen, inhaftierte Mitglieder verfeindeter Gangs voneinander fernzuhalten und Insassen häufig zu verlegen.

Kriminelle Gangs sorgen für Gewalt in Gefängnissen

Kriminelle Gangs haben in brasilianischen Gefängnissen oft viel Macht. Ihr Einflussbereich geht häufig über die Haftanstalten hinaus. Erst im Januar musste Justizminister Sergio Moro eine Sondereinheit in den Staat Ceará im Nordosten schicken, um Gewalt einzudämmen. Für die Unruhen machten lokale Behörden Anführer von kriminellen Banden verantwortlich, die über striktere Kontrollen in den Gefängnissen des Staates aufgebracht gewesen seien.

Nach den Vorfällen in Manaus muss das zuständige Ministerium nun erneut aktiv werden. „Ich habe gerade mit (Justiz-) Minister Sérgio Moro gesprochen, der schon ein Interventionsteam in den Staat Amazonas schickt“, sagte der Gouverneur des Staates, Wilson Lima. „So kann er uns in diesem Moment der Krise und bei einem nationalen Problem helfen: Dem Problem mit den Gefängnissen.“

Von RND/dpa