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Panorama Abschied vom Großkritiker
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10:07 27.09.2013
Zahlreiche Kränze schmücken den Sarg von Marcel Reich-Ranicki bei der Trauerfeier auf dem Frankfurter Hauptfriedhof. Quelle: dpa
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Frankfurt/Main

Bundespräsident Joachim Gauck legte am Sarg des Literaturkritikers einen Kranz nieder. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sagte bei der Trauerfeier, Reich-Ranicki habe das literarische Leben des 20. und 21. Jahrhunderts maßgeblich geprägt. Mit seinem Engagement für die Literatur habe er den Stimmen der Humanität und des Miteinanders Gehör verschafft.

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Reich-Ranicki war am 18. September im Alter von 93 Jahren nach schwerer Krankheit im evangelischen Nellini-stift in Frankfurt am Main gestorben. Der vielfach ausgezeichnete Publizist leitete viele Jahre lang die ZDF-Sendung „Das Literarische Quartett“ und wurde auch mit seinen teils scharfen Buchkritiken in der „Zeit“ und der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ einem größeren Publikum bekannt.

Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) sagte, die Stadt verdanke dem Verstorbenen unendlich viel. „Mit seinem Charisma, seinem Witz und seiner schnellen Intelligenz stand er immer, wo er öffentlich auftrat, im Zentrum.“ Der Literaturkritiker habe sich auch um die deutsch-israelische Versöhnung verdient gemacht, hob Feldmann hervor, etwa durch den an der Universität Tel Aviv gegründeten Marcel-Reich-Ranicki-Lehrstuhl für Deutsche Literatur.

Urnenbeisetzung im engsten Familienkreis

Beigesetzt wird Reich-Ranicki erst in einigen Wochen. Wie auch seine Frau Teofila, die 2011 starb, hat er sich eine Feuerbestattung gewünscht. Die Urnenbeisetzung soll im engsten Familienkreis stattfinden. Im Oktober ist in der Paulskirche eine öffentliche Gedenkfeier geplant.

Marcel Reich-Ranicki, der in Polen als Sohn einer jüdischen Familie geboren wurde, wuchs in Berlin auf. Zusammen mit seiner Frau überlebte er das Warschauer Ghetto und kehrte 1958 nach Deutschland zurück. Das Paar hat einen Sohn, der als Mathematik-Professor im schottischen Edinburgh lebt. 1999 veröffentlichte Reich-Ranicki seine Autobiografie „Mein Leben“. Darin schildert er die Ereignisse im Ghetto, beleuchtet seine Liebe zur deutschen Literatur, blickt auf die Jahre bei „FAZ“ und „Die Zeit“ zurück und erinnert sich an Begegnungen mit Schriftstellern wie Brecht und Bernhard. Der Absatz des Buches hat sich in der Woche nach seinem Tod vervierfacht.

dpa, epd, rom

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