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Panorama Ägypter werfen Deutschen Rassismus vor
Nachrichten Panorama Ägypter werfen Deutschen Rassismus vor
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23:10 07.07.2009
Islam Mord Ägypten Gericht Diplomaten Bush Alexandria
Proteste vor der deutschen Botschaft in Kairo. Quelle: Khaled Desouki/afp
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„Wie würde darüber berichtet, wenn eine westliche Frau irgendwo auf der Welt von einem muslimischen Extremisten niedergestochen worden wäre?“ schreibt er in seinem Blog.

Eine Frage, in der eine Menge Wut, Fassungslosigkeit und Ärger steckt. Das war die Grundstimmung bei der Beerdigung Marwa Al-Scherbinis in der ägyptischen Hafenstadt Alexandria am Montagabend. Es gibt in Ägypten diese Woche kein anderes Thema als den Mord an der jungen ägyptischen Mutter im Dresdener Landgerichtssaal. Die Trauerfeier in Alexandria wurde zur Anklage gegen die deutsche Politik und die angebliche Islamfeindlichkeit in Deutschland. „Warum wurde Marwa getötet?“ heißt es auf einem Plakat, das einer der gut tausend ägyptischen Trauernden hochhielt. Einige Heißsporne riefen „Nieder mit Deutschland“ und forderten gar Rache.

Die 32 Jahre alte, im vierten Monat schwangere Apothekerin aus Alexandria war am vergangenen Mittwoch von dem 28 Jahre alten Deutschrussen Alex W. im Gerichtssaal mit 18 Messerstichen getötet worden. Ihr drei Jahre alter Sohn musste die Bluttat mit ansehen. Doch damit nicht genug. Ihr Ehemann wurde schwer verletzt, als er sich schützend vor seine Frau stellte, nicht nur von den Messerstichen des Angreifers, sondern von den Schüssen aus der Pistole eines Polizisten, der offensichtlich den Ägypter für den Angreifer hielt. „Der Wächter dachte wohl, weil er nicht blond ist, muss er der Aggressor sein“, erklärt der verbitterte Bruder der Toten Tarek al-Scherbini im ägyptischen Fernsehen dazu.

In Ägypten prangt Marwa, „die Kopftuchmärtyrerin“, auf allen Titelseiten. Marwa, die Axel W. auf einem Spielplatz in Dresden letztes Jahr aufgefordert hatte, eine Schaukel für ihr Kind frei zu machen, wurde von ihm, wohl auch wegen ihres Kopftuches, als „Islamistin“, „Terroristin“ und „Schlampe“ beschimpft. Ende 2008 war Axel W. dafür zu einer Geldstrafe von 780 Euro verurteilt worden

Beim Berufungsprozesses zückte er dann das Messer. Die Staatsanwaltschaft in Dresden spricht von einem „ausländerfeindlichen Angriff eines fanatischen einsamen Wolfes“. Doch in Ägypten zeigt man sich enttäuscht über die schwache Reaktion aus Deutschland. Wieso sind Araber und Muslime bei einer ähnlichen Tat immer gleich Terroristen, während diese Tat mit einem muslimischen Opfer als das Werk eines Einzelnen heruntergespielt wird, wird in allen Medien gefragt.

Für die staatliche Tageszeitung „Al-Ahram“ ist Marwa das Opfer einer weit- verbreiteten Islamfeindlichkeit in Europa, das sich immer mehr als privater christlicher Klub ansehe. Man wundere sich, wo der deutsche Justizminister oder die Kanzlerin seien, die sich nun eigentlich für diese Tat entschuldigen müssten, heißt es in dem privaten ägyptischen Fernsehsender OTV. Diese Rolle werde im Moment einzig und allein dem deutschen Botschafter in Kairo, Bernd Erbel, überlassen. Der müht sich sichtlich ab, tauchte in allen möglichen Fernsehprogrammen auf, verurteilte in einem für einen deutschen Diplomaten ungewöhnlich fließenden Arabisch die Tat, forderte eine strenge Bestrafung, aber wies auch stets darauf hin, dass es sich um eine Einzeltat handele. Er hofft, mit diesem Versuch der Schadensbegrenzung zu erreichen, dass jetzt niemand den Kopf verliert, genauso der Großscheich der Islamischen Azhar-Universität, Muhammad al-Tantawi, der inzwischen erklärte, dass die Tat eines Einzelnen nicht den religiösen Dialog zerstören könne.

Aber das ist gar nicht das Thema in den ägyptischen Medien. „Alles, was wir wollen, ist, dass dem Fall des Mordes an einer jungen, unschuldigen Mutter durch die Hand eines Fanatikers und den Bedingungen, die dazu geführt haben, mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird“, schreibt die unabhängige ägyptische Tageszeitung „El-Schourouk“. „Diejenigen, die diese feindliche und rassistische Stimmung gegen Muslime geschaffen haben, sind verantwortlich für den Tod Marwas,“ schreibt die Wochenzeitung Rose „El-Yussuf“. Al-Qaida sei wegen ihrer terroristischen Taten im Namen des Islam genauso verantwortlich wie der frühere US- Präsident Bush mit seinen Kreuzzügen gegen die Muslime und seiner Besetzung von islamischen Ländern, heißt es weiter. „Westliche Medien tragen auch eine Verantwortung, weil sie alle Muslime als Terroristen brandmarken“, lautet der Vorwurf des ägyptischen Politmagazins.

Der Apothekerverband in Alexandria, dem auch Marwa angehörte, hat übrigens inzwischen zu einem einwöchigen Boykott deutscher Medikamente aufgerufen.

von Karim El-Gawhary

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