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Panorama Der Strom aus dem Meer
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00:15 29.08.2013
Von Gabriele Schulte
Einen Monat früher fertig als geplant: die 80 Anlagen von „Bard 1“ rund 90 Kilometer nordwestlich von Borkum. Quelle: dpa
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Borkum

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) eröffnete am Nachmittag die 60 Quadratkilometer umfassende Anlage rund 90 Kilometer nordwestlich von Borkum - deren volle Leistung von 400 Megawatt deckt den Strombedarf von mehr als 400 000 Haushalten. Das Kraftwerk der Bard-Unternehmensgruppe aus Emden und Cuxhaven sei „ein Beweis, dass es technisch möglich ist, Hochseekraftwerke in dieser Entfernung von der Küste zu bauen“, sagte der Minister. Unterdessen forderten die fünf norddeutschen Bundesländer mehr Planungssicherheit für die Windenergiebranche.

Im Gegensatz zu „Bard 1“, das schon seit 2010 Stück für Stück ans Stromnetz angeschlossen wurde, fehlt für den vor gut zwei Wochen offiziell eröffneten Offshore-Windpark „Riffgat“, nur 15 Kilometer vor Borkum, weiterhin ein Netzanschluss. Netzbetreiber Tennet hat die Verzögerungen mit unerwarteten Munitionsfunden in der Nordsee begründet. Verzögerungen hatte es anfangs auch beim Bau von „Bard 1“ gegeben, deren Anlagen in der dort bis zu 40 Meter tiefen Nordsee errichtet wurde. „Jetzt sind wir aber sogar einen Monat früher fertig geworden als geplant“, sagte Unternehmenssprecher Axel Bahr am Montag. Die Eröffnung, die bei Sonnenschein und ruhiger See gefeiert wurde, sei „ein Meilenstein“ und ein Grund zur Freude.

Die Freude wird indes getrübt durch die düsteren Aussichten für die Windenergiebranche. Pionier Bard hatte vergangene Woche die Entlassung von zunächst 120 Mitarbeitern in Cuxhaven angekündigt, laut Sprecher Bahr werden von den verbleibenden 540 Mitarbeitern „im nächsten Jahr noch weitere folgen müssen“. Mit der Fertigstellung der 80 Windkraftanlagen würden zwei gecharterte Errichterschiffe nicht mehr gebraucht. Ein direkt angrenzendes Folgeprojekt „Veja Mate“ mit ebenfalls 80 Anlagen sei zwar genehmigt. Weil die Planung sehr langwierig sei, könne das Unternehmen die Mitarbeiter aber nicht halten.

Bard hat bereits mangels Investoren die Herstellung von Maschinenhäusern für Offshore-Windkraftanlagen in Emden beendet. Schon im vergangenen Jahr wurde die Rotorblattfertigung eingestellt. In Cuxhaven wurde der Bereich Stahlkonstruktionen für die Windparks geschlossen.

„Potenzielle Investoren sind höchst verunsichert, weil verlässliche politische Rahmenbedingungen fehlen“, sagte der Bard-Sprecher. Unter anderem die Diskussion um die Strompreisbremse habe dazu beigetragen. Die Verunsicherung beklagen auch die zuständigen Minister und Senatoren der fünf norddeutschen Küstenländer, die sich am Montag in Cuxhaven trafen. Sie verfassten einen an die Bundesregierung gerichteten „Cuxhavener Appell“. Zu den Unterzeichnern gehören neben den Ländern Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Bremen, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern auch neun Oberbürgermeister, die IG Metall und Vertreter der Windenergiebranche. „Aufgrund der mangelhaften politischen Rahmenbedingungen steht die Offshore-Industrie schon wenige Jahre nach ihrer Geburt am Scheideweg - und mit ihr die gesamte Energiewende“, heißt es dort. Die Bundesregierung müsse handeln, wenn der Netzbetreiber Tennet „seinen Verpflichtungen nicht nachkommt.“

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