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Panorama Angeklagter gesteht brutale Tötung seiner Ehefrau
Nachrichten Panorama Angeklagter gesteht brutale Tötung seiner Ehefrau
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18:32 28.07.2009
Die Mutter des Opfers beschimpfte den Angeklagten im Gerichtssaal.
Die Mutter des Opfers beschimpfte den Angeklagten im Gerichtssaal. Quelle: Philipp Guelland/ddp
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Unter Tränen beschimpfte die Mutter des Opfers den Angeklagten. Dieser verbarg sein Gesicht hinter seinen Händen. Aus dem Zuschauerbereich riefen Angehörige Beleidigungen gegen den Mann. Wegen der aggressiven Zwischenrufe forderte die Vorsitzende Richterin Jutta Albert schließlich elf Beamte eines Sondereinsatzkommandos an, die die rund 30 Zuschauer im Saal im Zaum halten sollten.

Die Anklage, die Staatsanwalt Klaus Metzler schließlich verlas, klang grausam. In der Silvesternacht 2008/2009 soll der Türke auf einem einsamen Feldweg auf seine Ehefrau, die seine Cousine war, ziellos eingestochen und eingeschlagen haben. Danach soll er mit dem Auto mehrmals über die noch lebende Schwerverletzte gerollt sein. Die Frau starb noch am Tatort nach starkem Blutverlust.

Der Angeklagte gab am Dienstag das Verbrechen zu. „Ich räume die Tat ein und bin über das Geschehen erschreckt und entsetzt. Ich weiß, dass ich einen furchtbaren Fehler gemacht habe“, hieß es in einer von seinem Verteidiger verlesenen Erklärung. Vor Gericht wollte sich der Mann nicht persönlich äußern.

Laut Anklage ist Eifersucht das Motiv für die grausame Tötung der Frau. Bei der gemeinsamen Silvesterfeier mit Freunden und Familie habe sich der Angeklagte von ihr gedemütigt gefühlt, hieß es. Auf der Heimfahrt sei es dann zum Streit gekommen, weil der 27-Jährige aus Eifersucht das Handy seiner Frau kontrollieren wollte. Daraufhin habe der Mann ihr mit einem Obstmesser ins Gesicht und in den Oberkörper gestochen.

Als die 18-Jährige vor ihrem Ehemann aus dem Auto floh, habe er einen Billardstock aus dem Kofferraum genommen und auf sie eingeschlagen, sagte Staatsanwalt Metzler. Der Stock sei dabei zerbrochen. Da die Frau noch lebte, habe der 27-Jährige sie schließlich mit dem Auto drei- bis viermal überfahren. Als er sicher war, dass die 18-Jährige tot ist, sei er zur Polizei gefahren und habe sich gestellt. Es handele sich daher um Mord aus niedrigen Beweggründen, sagte Metzler.

Der Anwalt des Angeklagten betonte hingegen, dass der 27-Jährige im Affekt gehandelt habe. Sein Mandant sei zur Tatzeit „nicht in der Lage gewesen, seine gefühlsmäßigen Regungen zu kontrollieren“, sagte er.

Der 27-Jährige habe seine Frau im Sommer 2007 in der Türkei aus Liebe geheiratet, erklärte die Verteidigung. Während er in der Türkei blieb, sei seine Frau in ihre deutsche Heimat zurückgekehrt. Dort habe sie sich nach Ansicht des Angeklagten sehr verändert und schließlich den Kontakt abgebrochen. Deswegen sei er im Herbst 2008 nach Deutschland eingereist, um seine Ehe zu retten. Tatsächlich habe seine Frau die bereits eingereichte Scheidung zurückgenommen, sich aber weiterhin von ihm abgewandt, sagte der Verteidiger.

Bereits im August 2008 hatte die getötete 18-Jährige den Angaben zufolge Anzeige bei der Polizei erstattet, weil sie sich durch SMS-Nachrichten ihres Mannes, der sich zu diesem Zeitpunkt noch in der Türkei aufhielt, bedroht fühlte. Warum sie sich nicht bei der Polizei meldete, nachdem er im Herbst 2008 bei ihr eingezogen war, blieb zunächst unklar.
Am 17. August soll ein Urteil fallen.

ddp