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Panorama Beamte töten Mann mit Downsyndrom durch 25 Schüsse – Freispruch
Nachrichten Panorama Beamte töten Mann mit Downsyndrom durch 25 Schüsse – Freispruch
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17:22 04.10.2019
Blumen stehen nach tödlichen Schüssen auf einen jungen Mann mit Down-Syndrom am Tatort.
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Stockholm

Drei Polizisten, die einen Mann mit Downsyndrom getötet haben, wurden vom schwedischen Gericht freigesprochen. So berichtet es die britische Zeitung „The Guardian“. Im August 2018 haben die Beamten demnach 25 Schüsse auf den Mann – der nach Angaben der Stuttgarter Nachrichten 20 Jahre alt war – abgefeuert, während er mit einer Spielzeugwaffe gespielt hat. Beschuldigt waren die Beamten wegen Nachlässigkeit und Fehlverhaltens. Ihnen konnte der britischen Zeitung zufolge jedoch nicht mit Sicherheit nachgewiesen werden, dass sie den Gebrauch der Waffe missbrauchten. Ein vierter Beamter wurde nicht angeklagt, da er schoss, als das Opfer noch eine Bedrohung darstellte.

„Es mag bemerkenswert erscheinen, dass die Polizei insgesamt 25 Schüsse abgefeuert hat“, sagte der Chefanwalt des Gerichts, Erik Lindberg, in einer Erklärung, wie „The Guardian“ berichtet. „Jedoch war weder die medizinische noch die technische Untersuchung in der Lage, die Reihenfolge der Schüsse oder die detaillierten Bewegungen und Körperpositionen des Mannes zu bestimmen.“ Konkret ging es darum, ob die Polizei zwei tödliche Schüsse in den Rücken des Opfers abgefeuert habe, nachdem es sich schon von ihnen abgewendet und keine Bedrohung mehr dargestellt habe.

Polizisten hielten 20-Jährigen für gefährlich

Der Fall hat laut „Guardian“ Fragen zur Bereitschaft der Polizei rund um das Anwenden von Schusswaffen in schwedischen Städten aufgeworfen. Allein im vergangenen Jahr wurden demnach sechs Menschen erschossen. „Wir haben gelernt, offensiv zu sein. Vorwärts, vorwärts, bis der Täter andere nicht mehr verletzen kann“, erklärte ein Beamter einer schwedischen Zeitung nach der Tragödie. „Wenn das bedeutet, dass er erschossen werden muss, dann soll es so sein.“

Damals ging der Mann laut „Guardian“ mit einer Spielzeugpistole zum Spielen auf die Straße. Angaben seiner Mutter zufolge benahm er sich wie ein Dreijähriger und konnte nur ein Wort sprechen. Passanten beobachteten die Situation auf der Straße und alarmierten die Polizei mit dem Hinweis, dass jemand mit einer Waffe auf der Straße sei. Die Beamten gingen davon aus, dass es sich dabei um einen Verdächtigen handelt, der damit gedroht hatte, seine Partnerin zu töten. Später stellte sich heraus, dass dieser bereits Monate zuvor festgenommen worden war.

Am Tag des Geschehens trafen die Beamten laut „Guardian“ zudem auf den Vater des Getöteten, der auf der Suche nach seinem Sohn war. Allerdings kam auch bei dem kurzen Gespräch nicht heraus, dass sein Sohn der Grund für den Polizeieinsatz war.

Mutter fordert mehr Schutz für Kinder und Jugendliche

Die Mutter des Getöteten akzeptierte das Urteil des Gerichts, sagt aber auch, dass die Polizei ihr Verhalten bei Notsituationen ändern müsse. „Ich hoffe, dass wir aus der Lektion lernen und nach vorne schauen, um zu sehen, was sich ändern muss, um alle unsere Kinder und Jugendlichen mit Entwicklungs- und geistigen Behinderungen, die in der Gemeinschaft unter uns leben, zu schützen“, sagte sie den schwedischen Medien.

Es war zu erwarten, dass die Beamten das Gericht mit einem Freispruch verlassen würden, da es äußerst selten sei, dass die schwedische Polizei für den Einsatz ihrer Waffen im aktiven Dienst verurteilt werde, heißt es weiter. Der Anwalt eines der freigelassenen Polizeibeamten sagte, die Entscheidung des Gerichts mindere die Tragödie nicht. Niemand wollte, dass das so schiefgehe. Die Staatsanwaltschaft hingegen erklärte, sie würde die Möglichkeit in Betracht ziehen, gegen das Urteil Berufung einzulegen.

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RND/ce

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